Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 93 (11.3.1921)
- Date
- 1921-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erschri»t jede« Krritag. Bezug-- prei» 2.50 M. »ouatl. Zu beziehe» b»rch sämtliche Postämter oder durch de» Boteuverlag i» Bo»». («ftcitcatftif: UM) «tfÜcMenter« «efy Petttzeüe. Die |nt( Deitt umfasst 360 Zeile». Poßscheckkol» JÜdisches VolksU&tt 8ite»m(«| 8n% Cllilh. 74747 Herausgegeben von Rabbiner vr. Kwit KoHn, Bonn. Scstriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, BrüdergasieüL. Mm»mrr 93 Wonn, 11. WLvz 1SS1. — 1 5iBeö6ar 5681 3^ Ztchrtz»-. In unseren Tagen ist Nebelhastigkeit d e Muuer der Weisheit. Wer ein halbes Tlltzend allgemeiner Behauptungen aufzustellen vermag, die sich nur insofern nicht gegenseitig aushcben, als sie zu nichts und alles sagenden Gemeinplätzen >r>crden, wer zwischen Gegensätzen sich so künstlich hin und her bewegt, dag er ohne Stützpunkt und Hebel fertig ivcrden kann. >ver nie eine Wahrheit allsspricht, ohne sich gegen die Zumutung zu verwahren, als wolle er das Gegenteil ausbeschlössen wissen: Das ist jetzt der rechte Mann: er lst, wie man sagt, kein Parleimann. verständig, gemäßigt, nüchtern, nach allen Seiten hin Rechnung tragend, um sein Schisflein zwischen der Scylla und Charybdis von Ja und Nein in den Kanal des Garnichtsmeinens hinabzutragen. Kardinal Newman „Apologia pro vita sua“, 3. 114 f. Allen Neutralen dieses Wort des großen Engländers ms Stammbuch, damit sie ihre Neutralität im Sinne dieser Grundsätze korrigieren, Wenns nötig ist. Unser Leben wird so vielfach durch Schlagworte beherrscht, und das Schlagwort so häufig zu einem Kampf- und Losungswort, an dem die Geister sich scheiden, daß es recht angebracht ist, solch ein Wort einmal unter die Lupe kühler Üeberlegung zu nehmen, damit wir einmal sehen, was daran ist, bezw. lvas nicht daran ist. Ein Grundirrtum ist zu bekämpfen: Manche meinen, daß Neutralität eine Gesinnung sei, und sogar eine Gesinnung, auf die man sich etwas zugute halten kann. Demgegenüber muß festgestellt lv-erden, daß Neutralität allein noch keine Gesinnung ist. Neutral ist ein Boden, auf dem man sich trifft, und zlvar mit dem Manne nicht gleicher, sondern gerade entgegengesetzter Gesinnung. NeutrÄ kann auch ein Verhalten im Einzelfalle sein, und zwar wieder ein Verhalten nicht zwischen gleichgesinnten, sondern gerade zwischen zusammenstoßenden Elementen. Nun und nim- . mer aber ist Neutralität jenes „Garnichtsmeinen" der vernünftigen Leute, die jedes klare Bekenntnis, jede Ausgesprochenheit, jede programmatische Festlegung scheuen, weil sie nreinen, daß man mit dem berühmten Eiertanz des Zlvar und Aber so viel weiter komme. Nur nicht anstoßen, nur nicht durch gegenteilige Meinung verletzen, nur nicht sich festlegen, weil man nicht weiß, ob der Wind nicht doch einmal umschlagen wird, — iwr dies für Neutralität hält, der gehe seiner Wege. Neutralität auf Kosten der Gesinnung ist nichts anderes als eine Lumperei. Neutralität ist nicht eine spanische Wand, hinter der man sich verstecken - darf, sondern im Gegenteil die Aufforderung, hinter allen Wänden vorzutreten, sich offen zu zeigen und zu äußern und eben das Freigeleit zu haben für jede Ueberzeugung. sei sie noch so mutig, und jedes Bekenntnis, sei es noch so kichn. *. Ja', man'muß sogar sagen, daß, um wahrhaft neutral zu sein, man ein entschiedener und ausgesprochener Mensch k>.. sein muß. Nur, wer selber eine feste Meinung hat,-bringt - lenes Maß von Selbstsicherheit und Souveränität des Geistes auf. das allein befähigt, über den-Dingen und also, auch über den Parteien zu stehen, nicht nur bw Gleüh-, «ondern auch die Andersdenkenden in sein GerechtigkeÄgembl. seine Artigkeit, seinen Respekt einzuschliehen. Die Neuiraluäi eines Blattes besteht nicht darin, daß es sich ürner eigenen Meinung begibt, sondern gerade dowin, daß es aus dem Boden eines klaren, unzweideutigen Programms denjenigen Geist der' Gemeinsamkeit zu pflegen versteht, der die Einigkeit aller zu verbürgen imstande ist. Fn diesenr Sinne wird zwar Neutralität nicht zu einer Gesinnung oder gar einem Programm, wohl aber zum Ausfluß einer tüchtigen Bekenntnistreue und damit auch zu einem Stückchen Gesinnungstüchtigkeit werden können. Diese Ausfirhrungen sind recht zeitgemäß, nicht nur angesichts der vielen jüdischen Vereine, die sich mit Ueberlegung neutral genannt haben, sondern auch in einer Zeit, da die deutsche Judenheit sich einheitlich zu organisieren begann und, wer weiß, vielleicht gar bald in einer geistigen und religiösen Synthese höherer Art sich finden wird. Da roll jeder einzelne und die Gesamtheit wissen, daß Mut dazu gehört, sich neutral zu nennen. Am besten E es, anstelle dieses Schlagwones datz. Wort Respekt zu setzen. Dann wird man nicht dahin kommen, etwas in ihm zu ivcben, was nicht in ihm steckt, vor allem aber nicht in ihm die „Nüchternheit und Mäßigung derParteilosen" zu sehen, oie ihr „Schifflein zwischen der Scylla und Charybdis von ' Fa und 9!ein in den Kanal des Garmchtsmeinens hinabcsieiren lasten". Gott schütze uns vor solcher NeutrMtät! Emil Cohn. Wochenschau Tatsache« unb Ergebnisse ÖVÖVÖ ooooooo ooooooooo ooooooooooooooooooo KolO^ToIoVoToIoIoToIoIo'olpToIoVoVojo'o^o OO ooooo o o o oo c o Deutschland. KA» «. Rtz. Seit einigen Monaten arbeitet der ^Hilftausschuß für jüdische Durchwanderer" mit Aufgebot aller Kräfte daran, den beladensten und ärmsten seiner Glauben-genoffen, den. oftjüdischen Flüchtlingen zu helfen. Ununterbrochen treffen diese schwerbepackten Auswanderer in größeren und kleinere« Grippen in dem hier eingerichteten Durchgangslager in L-ln- Deutz ein. Hier werden sie — etwa 250 bis SOO Mmsche» tchMss — verpflegt und bis zu ihrer Weiterreise beherbergt. Gräzist die' Arbeit, die geleistet werden muß. Pässe müssen vifiert, Mpuku ' gekauft »nd Gepäck weitergeschickt werden. Jeden Tag sstslwst» Ich. unter ihnen völlig mittellose Familien, denen der ausschuß für jüdische Durchwaaderer" die Mittel zur VefterWsset geben muss. Dazu gehört viel Veld. Äst verweisen <mfjoc» Aufruf m der he»tigen Äummer, der eindrichMhst «Hl das gelindert.werden muß, hjnweist. Jede Gaste tv ' ■tittefa mA kst wo^s kam» «o« z»r «iftulig der uagOßMikktH.