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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-02-25 · 91 (25.2.1921) · p. Seite 60

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
91 (25.2.1921)
Date
1921-02-25
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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Loatzo». Einer Skeuler-Meldnna zufolge ist der Generalmajor Gr^lnt zum Direktor für öffentliche Arbeiten in Palästina — sowohl für militärische als auch zivile — ernannt worden. Berlin. In der Sitzung des Indischen Nationalrats für Palästina (Waad leumi) vom 26. Januar und in der Sitzung der Lehrervereinigung wurde zum ersten Mal die hebräische Stenographie angewandt. Die genauen Protokolle wurden von Stenographinnen ausgenommen, welche Schülerinnen des Erfinders des hebräischen Stenographensystems, Temes, waren, dessen Lehrbuch kürzlich angekündigt wurde. (Z. 8.) Brief«- {Mäffiao. Tie „Wiener Morgenzeinmg" veröffentlicht einen Brief aus Palästina, den wir nachstehend mit einigen Kürzungen wiedergeben: Tn jetzt die Chaluzimfrage akut geworden ist, scheint es nicht überflüssig, einiges über die Lage der Pioniere in Erez Israel zu sagen. Tie Chaluzimgruppen bei öffentlichen Arbeiten zählen derzeit etwa 1200 Mann und konzentrieren sich an vier Hauptarbeitsstellen in Galiläa. Eine Kewuzah (Arbeitsgenoflenschafl) von zirka 370 Mann arbeitet am Bau der Straße Haifa-Nazareth, eine zweite von 450 Mann an der Straße Nazareth—Afulah, eine dritte, 200 bis 30O Mann stark, an der Chaussee Tiberias—Zemacsi, endlich eine vierte Gruppe in der Stärke von 150 bis 2O0 Mann zwischen Tiberias und Tabcha. Tie Chaluzim wohnen in Zelten und die Zionistische Kommission verschaffte ihnen Betten und Tecken, die die Chaluzim langsam abzahlen. Tie Regierung weist ihnen Lebensmittel zu äußerst niedrigen Preisen zu: die Arbeiter- Küchen sind gut eingerichtet und bieten den Leuten ein gesundes Esten für 3 bis 3V2 Schilling pro Tag. Tie Arbeiten werden gruppenweise und meist im Akkord ausgeführt. wobei jeder Chaluz je nach Stärke und Befähigung 20 bis 70 Piaster (4 bis 14 Schilling) pro Tag bei achtstündiger Arbeitszeit verdient. Tie Gruppenleituncren verschaffen den Chaluzim billige Kleider, Wäsche und Schuhe, nach Maßgabe des wirklichen Bedarfs, gegen bequeme Ratenzahlungen. Eine Arbeiterkaste, eihalten durch Mitgliederbeiträge, beschafft das nötige Inventar (Möbel. Werkzeuge) und bekommt im Bedarfsfall Anleihen von seiten der Zionistischen Kommission: sämtliche Geldgebarungen werden vom Arbeiterausschuß (Waad) durchgeführt, der auch die Kontrolle in der Küche usw. ausübt, ebenso wie er in Hauptzügen das moralische Leben der Chaluzim überwacht. Endlich besteht eine Krankenkasse, die für erkrankte und arbeitsunfähig gewordene Mitglieder sorgt. Tie medizinische Hilfe wird vom amerikanisch-zionistischen Aerzteverband Hadasta geleistet. Tie Mehrzahl der Arbeiter setzt sich — seltsam genug — aus gebildeten jungen Leuten und nicht zuletzt aus Hochs ch ü l e r n aus aller Herren Länder, zumeist aber aus dem Lasten, aus Oesterreich, den Suk.zesfionsstaaten und aus Deutschland, zusammen. Leider können viele unter ihnen noch nicht Hebräisch. Die Arbeiterausschüste richteten deshalb allenthalben hebräische Abendkurse und kleine hebräische Bibliotheken ein, die diesem Mangel in Kür^ abhelfen werden. Bemerkt soll noch werden, daß in allen Küouzoth zahlreiche Mädchen Mitarbeiten und ganz tüchtig find. Sie arbeiten am Straßenbau gerade wie die Männer und fehlen bloß beim Steinsprengen. Eine Gruppe Haschomer Hazair (der jüdische Wächter) zählt sogar 40 Prozent Mädchen. Im allgemeinen kann man sagen, daß diese Kaonzoth einen Beginn der Lösung des schwierigen Geuossenschastspvoblems darstrllcu. Die Chaluzim leben in großen Familien, wie Brüder und Cchwchern. und bisher wurde von nirgendetwas Anstößiges über sie berichtet. EDel weniger erfmMch ist jedoch Me Lage der in den lÜJfct Monate» tmtfmmmn ChahW» Bekannt' jypSr hier «e *w überall an Geld, die geschäftliche und die Bautätigkeit jeder Art stocken, Beamte und Arbeiter werden täglich entlasten, und wenn es zu keinem stärkeren Krach nach westeuropäischem Muster kommt, so erklärt es sich nur durch die geringe Anzahl industrieller Unternehmungen. Es geht daraus mit eiserner Notwendigkeit hervor, daß eine,stärkere Einwanderung von Chaluzim, also von Äementen. die nichts als ihre Arbeitskraft allein mitbringen, unter diesen Verhältnissen zu einem starken Anwachsen der Krise und der Arbeitslosigkeit führen müßte, wenn es nicht bald gelingt, die fehlenden Kapitalien ins Land zu bringen. riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinin ITITTll III I II Von Berg und Tal g » g mm.minmmi.. Äil*. Tas Komitee der Rheinlandloge für israelitische Ferienkolonien macht darauf aufmerksam, daß Anmeldungen für die Aufnahme jüdisiyer Kölner Kinder im Erholungsheim der Zion-Loge auf Norderney umgehend beim Sekretariat. Humboldtstraße 42. schriftlich erfolgen müssen, da sonn im August keine Plätze mehr frei sind. Bon». Am 19. Februar fand die Hauptversammlung deS Tr. Falk Cohn-Vereins statt. Turch Erhebung von den Plätzen ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Vorsitzenden Herrn Höchster. In den Vorstand wurden die Herren. Wirker, Schwarz und Frau Stern gewählt, als Revisoren die Herren Baum und Dornbusch. Ter Jahresbeitrag ist einstimmig auf 5.20 M. erhöht worden. Alsdann genehmigte die Versammlung die vorgeschlagencn Satzungen und erteilte dem bisherigen Vorstand Entlastung. Ten edlen Spendern und Gönnern des Tr. Falk Cohn- Vereins wurde herzlichster Tank ausgesprochen. Bo». Vir machen daraus aufmerksam, daß die Versammlung des Eentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Samstag den 26. Februar 1921, abenvs 8 Uhr, im Borrragssaale der Fortbildungsschule stattsindet 'ünd daß Herr Rechtsanwalt Tr. Erich Kehr aus Kaiserslautern über „Tas Gebot der Stunde" svrcchen wird. Es darf tvohl aus Beteiligung aller Mitglieder und Freunde gerechnet werden. Dnisbnrg. Am Sonntag den 13. Februar fand hier eine zahlreich besuchte jüdische Arbeiterversammlung statt, die sich mit den judenseindlichen Maßnahmen der preußischen Regierung befaßte. Herr Berggrün legte den Inhalt der neuen Bestimmungen dar. Er hob besonders hervor, daß in Zukunn nicht nur alle jüdischen Arbeitslosen interniert, sondern daß auch seit Monaten und Jahren beschäftigte Arbeiter aus ihren Stellen herauSgerissen und interniert wrrden sollten. Schon sei von reaktionären Polizeiverwaltungen jahrelang in Arbeit befindlichen jüdischen Proletariern demnmhstige Internierung angedroht worden. Wenn man Schieber und Wucherer, Juden und Nichtjuden interniere, sei dagegen nichts einzuwenden. aber es sei empörend und unwürdig, solche Menschen, deren einziges Verbrechen es sei, daß sie Juden und Arbeiter seien, ihrer Freiheit beranoea zu wollen. Auch seien die neuen Bestimmungen gar nicht rum Schutze der deutschen Arbeiterschaft erforderlich, wie immer behauptet würde. Tenn gerade im rheinisch-westsälischen Industriegebiet, wo sich der größte Teil der nach Deutschland gekommenen jüdischen Arbeiter befinde, könne von einer empfindlichen Arbeitslosigkeit nicht die Rede sein. Jeder Arbeiter, der Arbeit finden wolle, könne welche bekommen. So seien denn auch niemals gegen di« jüdischen Arbeiter Klagen aus den Reihen ihrer deutschen Kollegen laut geworden, zu deren Schutz man die neuen Bestimmungen angeblich benötigte. Vielmehr seien es ausschließlich kapitalistische und alldeutsche Interessenten, die den Kampf gegen die jüdischen Arbeiter zu ihrem Propagandazwocke benötigten. Taranf sprach der Vorsitzende deS LrtsausschusteS der Freien Gewerkschaften Tuisburg, Genosse Hclbig, und erklärte, daß die deutsche Arbeiterschaft niemals irgendwelche Ausnahmebestimmungen gegen die jüdischen Arbeitskollegen zulasten werde. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Versammelten gegen die antisemitischen Maßnahmen protestierten und der Hof ff n u n g- Ausdruck geben, daß das deutsche Proletariat die jüdischen Arbeiter in dem Protest unterstützen werde. Oie Botentasche Eine niedliche Wendung übeftiesert die Familie D. ans Godesberg von ihrer „Tante Rees, olew hajcholem". 901k, yreuniBro tnxt ocnx Liunuk Der ^jcoxaf vd-

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