Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 91 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gabt, jedesmal, wenn ihr etwas «zählt wurde, waS ihr als falsch oder übertrieben vorkam. mit dem klassischen Ausspruch reagiert: „Eh ich hingeh', se froge — glaab' ich's!" Auch der Mann von dieser Tome Rees hattv unter ihrer Ironie zu leiden. Wenn man ihn zum Beispiel fragte: „llnd Sie, Herr E., wo stammen Sie her?" und er dann antwortete: „Aus Bremlingshausen!" stellte sie sich mit feierlichem Kopfnicken dazwischen und sagte: „Hm — in! Da kommen de Chaschuwim her!" Die drei Religionen. j Bon Heinrich Heine. j Vir bringen unfern Lesern die köstliche Schilderung auZ den „Bädern von Lucca" durch den Hühner-st angencperüieur und Loiteriekollckienr Hirsch, der nachH! der karholi'chcn Zouh seine? famosen Herrn. deS Marchese Gumpelino. vormals Gumpel. den Namen » Hyazinth angenommen har und dem Tichler seine Anschauungen dar'.egi. Man wird durch de bittere ^anre wohl merken, aui weicher Teile die Tymparhieen dr? Tichler? sieben, ind hinter der Farce noch den rieten Eruü oen:a!er Intuition erkennen, der ibn bcieelre. .. Tie T ch r i' l I e i t u n g. Es war schon u\i:, aisich die Wodnunq des Marchese erreichte. Als ick incimmer rrat, stand Hyaciiuh allein und putzie die goldenen Sporen seines Herrn, welcher, wie ick durch die balbaeöüncw Tine »eines Schlafkabinelrs sehen konnte, vor einer Madonna und einem großen Kruzif:re auf den Kniccn lag. Tu mustr nämlich wissen, lieber Leier, daß der Marchese. dieser voinebme Mann, jetzt ein guter Katholik ist, daß er die Zeremonien der alleinseligmachenden Kirche streng ausübl und nch. wenn er in Rom ist. sogar einen eigenen Kaplan hält, aus demselben Grunde, weshalb er in England den besten Derrrenner und in Paris die schönste Tänzerin unter hielt. Herr Gumpe! tvcirichici jetzt sein Gebet — flüsterte Htiacinrb mir einem wichtigen Lächeln, und indem er nach dem Kabine:: 'eines .Herrn deutele, fügte er noch leiser binzu: So liegt er alle Abend' zwei Stunden auf den Knieen vor der Prima Donna mir dein Jesuskind. Es ist ein prächtiges Kunstbild, und cs lostet ihm sechshundert Franceskenis. klnd Sie. Herr Hpacinih. warum knieen Sie nicht Himer ihm? Oder sind Sie etwa kein Freund von der katholischen Religion? Ich bin ein Freund davon, und bin auch wieder kein Freund davon, antwortete jener mit bedenklichem Kopfwiegen. Es ist eine gure Religion für einen-vornehmen Baron, der den ganzen Tag müßig gehen kann, und für einen Kunstkenner: aber es ist keine Religion für einen Hamburger, für einen Mann, der sein Geschäft hat, und durchaus keine Religion für einen Lotteriekollekteur. Ich muß jede Nummer, die gezogen wird, ganz erakt aufschreiben. und denke ich zufällig an Bum! Bum! Bum! an eine katholische Glcck'. oder schwebelt es mir vor den Augen wie katholischer Weihrauch, und ich verschreib' mich, und ich schreibe eine Unrechte Zahl, so kann das größte Unglück daraus entstehen. Ich habe oft zu Herrn Gumpel gesagt: Ew. Erzellenz find ein reicher Mann und können katholisch sein, soviel Sie wollen, und können sich den Verstand ganz katholisch einräuchern lasten, und können so dumm werden, wie eine katholische Glocf, und Sie haben doch' zu essen; ich aber bin ein Geschäftsmann und muß meine sieben Sinne Zusammenhalten, um was zu verdienen. Herr Gum-- Pck meint freilich, es sti nötig für die Bildung, und wenn ich nicht katholisch würde, verstände ich nicht die Bilder, die zur Bildung gehören, nicht den Johann von Viehesel, den Eorrckschio, den Caratschio, den Caravatschio — aber ich habe immer gedacht, d« Cottetschio und Coratschio und E«avatfchio kömren wir alle nichts helfen, wenn niemand der mir spickt, und ich komme dann in He Patschi». Dabei muß ich Ihne» auch gestehe», Herr Doktor, bvtT»ir die katholische Rdckigion nicht emnnck Vergnügen macht, und als ein vernünftiger Mann muffen Sie mir recht gehen. Ich sehe das Plast» nicht ein, es ist eine Rckigion, als wäm der liebe Gott, Gott bewahre! eben gestorben wäre, uud eS riecht dabei nach Weihrauch, wie bei einem LeiHeubegÄHnis. und dabei brummt eine so ttanrige Begrai^nsmnfik, daß man die Melancholik bekommt — ich sage Ihnen, es ist keine Religion für einen Hamburger. Aber, Herr Hyacinth. wie gefällt Ihnen denn die protestantisch: Religion? Das ist mir wieder zu vernünftig, Herr Doktor, und gäbe es in der protestantischen Kirche feine Orgel, so wäre sie gar keine Rckigion. Unter uns «sagt, diese Religion schadet nichts und ist so rein wie ein Glas Wasser, ab» fie hilft auch nichts. Ich habe fie probiert, und diese Probe kostet mich vier Mark vierzehn Schilling — Wieso, mein lieber Herr Hyacinth? Sehen Sie, Herr Doktor, ich habe gedacht: Das ist ireilich eine sehr aufgeklärte Rckigion. und es fehlt ihr an Schwärmerei und Wunder; indessen ein bißchen Schwärmerei muß sie doch haben, ein ganz klein Wnnderchen muß ne doch run können, wenn ne sich für eine honette Rckigion ausgeben will. Aber wer soll da Wund» tun? dachf ich, a;s ich mal in Hamburg eine protestantische Kirche besah, die zu der ganz kahlen Sorte gehörte, wo nichts als braune Bänke unh weiße Wände find, und an der Wand nichts als ein sckwarz Täfelchen hängt, woraus ein halb Dutzend weiße Zahlen stehen. Du tust dies» Religion vielkicht unrecht, dacht' ich wieder, vielleicht können diese Iahten elensogur ein Wunder tun wie ckn Bild von der Mrüt» Gottes oder wie ein Knochen von ihrem Manne, dem heiligen Joseph, und um der Sache aus den Grund zu font» men, ging ich glckch nach Altona und besetzte ebar diese Zahlen in der Altona» Lotterie, die Ambe besetzte ich mit acht Schilling, die Terne mit sechs, die Quaterne mit via und die Ouinterne mit zw» Schilling. Ab» ich versichere Sie aus meine Ehre, keine einzige von den protestantische» Nummern ist herausgekommen. Jetzt wußte ich,' was ich zu denken hatte, jetzt dachf ich: Hei&t mir weg mit ein» Religion, die gar nichts kann, bei d» nicht einmal «ne Ambe herauskommt — werde ich so ein Narr sein, auf diese Religion, woraus ich schon vi» Mark und noch vierzehn Schilling gesetzt und verloren habe, noch meine ganze Glückseligkeit zu setzen? Die altjüdische Rckigion scheint Ihnen gewist dick zweckmäßig», mein Lieb»? lSchl-ß folgt.) — KlkemLsel. Folgend« 20 Silben find zn 7 Wörtern Io z» irtw, daß die A nfangSbnchfiaben von oben nach nnte». vre E»ßD«chst»Ae» W» unten nach oben gelesen den Raweu eiaes jWffa fwiilnt t» Mittelalter ergeben. Die Worte hngämm: L am ««llfche Äfeugin; 2. einen biblischen Forsten; 3. Pstaage; 4L ei» Mörder: 6. d» jüdische Königin; 6. einen kanaanitrsche» Götze»; 7. ei» biblische- Weltreich: Folgendes find die Silbe»: t, t, »». ba, beel, bei, bei, bub, gm, i, In, ja, ka, tu, n, se, »ur. thal, re. w*. Unter den Einsendern der richtige» Sbfnag loht tis PrckA auSgelost und der Ra»e hier veröffrnmcht. Dnbno»: Meneste Geschichte desilbchche» 2 «de. Ind. »erlag, «etti»1930. I» anschknrlicher, lebhafter f mit de» bewegte» SchüffWe» best Zeit befaaaL Dieses Werk ist —„„ Leser nb Wnnte »qentkch bapr beilfMger^