Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 88 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437189--0979-3948503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
c 3« arbeitet, ist zweifellos. Die Wertschätzung -der praktischen, produzierendeix Berufe ist fortwährend steigend in dem Maße, wie die der Studierenden sinkt. Darum rufen wir auch den Eltern zu: Führt Eure Kinder hinein ins Leben der Arbeit. Wir stehen erst am Anfang einer wirtschaftlichen Umwälzung, aus die sich beizeiten gerade wir Juden einstellen sollten. Bonn. Es wird hierdurch nochmals daraus hingewiesen, daß der jüdische Frauenverein in Bonn am Mittwoch, den 9. Februar, um 4 Uhr im Gemeindehause eine Mitgliederversammlung abhält, in der u. a. der Vortrag von Sidonie Werner, Hamburg: „Tie Frau in der Gemeinde" vorgelesen und besprochen werden wird. — Außerdem veranstaltet der jüdische Fraucnverein eine Sammlung getragener Kleider, Wäsche, Schuhe usw., um die unbeschreibliche Not der armen ostjüdischen Turchwanderer in Köln ein wenig lindern zu helfen. Es wird aufs innigste gebeten, hierzu nach besten Kräften beizusteuern und die Sachen cntiveder ins Gemeindehaus oder nach Weberstr. 31 zu schicken. Auf besonder» Wunsch werden die Sachen nach vorheriger telef. Benachrichtigung Nr. 190 sFrau Herrmannss auch gerne abgeholt. David Reuden!'). An einem Februarmorgeu des Jahres 1524 erwartete die jüdische Gemeinde von Venedig in tiefer Erregung und Ungeduld ein Schiff, das aus. Alexandrien kommen sollte. Seltsame Mär war diesem Schiffe vorausgeeilt. Einen Mann sollte es bringen, von dem man sich seit Monaten so merkwürdige und geheimnisvolle Dinge erzählte, daß das Gerücht von ihni von Mund zu Mund flog, in kurzer Zeit ganz Südeuropa durchlief und überall, wo es in jüdische Ohren klang, Hoffnungen und Erwartungen nackte. Dieser Mann war David R e u b e n i, eine der geheimnisvollsten Gestalten der jüdischen Geschichte. Noch heute ist nicht völlig erwiesen, ob dieser Mann nur ein Abenteurer und Schwindler war, der mit den Hoffnungen der europäischen Juden ein schändliches Spiel trieb, oder ein Schwärmer, der fest an seine Sendung und Berufung glaubte. Dieses aber war die Kunde, die ihm voraufging: die zehn verloren geglaubten Stämnre Israels hätten ihn, der ein Bruder ihres Fürsten Josef war, nach Europa entsandt. Sie lebten als mächtiges und angesehGies Volk in der Landschaft Chaibar in Arabien, geehrt und gefürchtet von den umwohnenden Völkern und Stämmen. Ihr Fürstenhaus gehöre zu den Nachkommen Davids. Reubeni sei der Ankömmling genannt, weil er aus dem Stamme Rüben sei. Über das Ziel seiner Reise und über den Ziveck seines Kommens war nichts bekannt; nur wurde erzählt, daß seine Reise durch Nubien und Ägypten bereits zwei Jahre lvährte, und daß er monatelang als Moslern verkleidet gewandert sei. Man darf sich nicht wundern, daß die Juden in Güdeuropa all diesen Gerüchten Glauben schenkten. Es waren seltsame Zeiten damals. Die bekannte Welt, bisher so eng und klein, wurde plötzlich groß und weit. Welch wundersamen Erdteil hatte doch Columbus entdeckt, welch merkwürdige Beschreibungen von den seltsamen Pflanzen, Tieren und Menschen, die dort lebten, kamen zu den Ohren der Leute! Wie wir heute nicht mehr über Luftschiffe und drahtlose Telegraphie.erstaunt sind, sondern es nur begreiflich finden, wenn immer wunderbarere Maschinen und Jn- ... ftriimentc erfunden werden, so konnten die Leute der damaligen Zeit nicht genug bekommen an neuen Entdeckungen - in fernen Ländern. Für die Juden aber kam noch etwas anderes hinzu. Die Zeiten waren für sie bitter und hart damals, so hart ' und so bitter, daß sie.innig glaubten,-- mehr Not, Verfol- 1j AUS dem Jüdischen Jugendbuch. Welt-Verlag. Berlin 1920. Preis M. 2v.— gung und Pein könnte es nicht geben, und Gott toerbe bald seinen Erlöser senden. Darum lauschen sie mit besonders sehnsüchtigem Herzen auf jede Kunde aus dem Orient, von wo doch der Maschiach kommen sollte. Und als nun David Reubeni im Hafen von Venedig an Land stieg, er, der der Abgesandte der zehn verlorenen Stamme Israels sein sollte, da kannte die Erwartung der Juden keine Grenzen. Reubeni aber befaßte sich zunächst gar nicht mit den Juden. Er lvar ein finsterer Mann mit drohenden Gesichtszügen. der zu niemandem ein Wort sprach. Um so mehr schwatzte sein Diener, den die Juden von Venedig ausfragten. Er deutete geheimnisvoll an, daß sein Herr an die größten Hpfe Europas reise, um einen Krieg gegen die Türken zu entfachen und Erez Israel zu befreien. Und was David Reubeni Holzschnitt von Hans John H^tcr sich begab, schien all das zu bestätigen. Reubeni reiste nach Rom, ritt, von Dienern und Dolmetschern begleitet, auf einem lveißen Hengst vor das Schloß des Papstes Clemens YII. und wurde von diesem auch sofort empfangen, — eine Ehre, auf die Fürsten und Könige oft lange und sogar vergeblich warten mußten. Er bot dem Papste an, das Zehnstämmereich wolle mit dveißigtausend erlesenen Kriegern die Türken angreifen, nur sollte man ihm hinreiä-end Kanonen und Flinten mitgeben. Der Papst war von diesem Plane hocherfreut, und über ein Jahr lebte Reubeni an seinem Hofe in höchsten Ehren. Auf die Juden machte das den tiefsten Eindruck. Plötzlich war ihnen ein Helfer aus ihrem eigenen Blut erstanden, der mit dem Papst, dem höchsten Herrscher der Christenheit, wie mit seinesgleichen verkehrte. Die Verfolgungen wurden mit einem Schlage seltener, die Mönche und Geistlichen wagten weniger oft, Juden zwangsweise zu tausen, die Scheiterhaufen hörten auf zu rauchen, — schien nicht wirklich der Erlöser, der Mann aus dem Hause Davids, gekommen zu sein? Aber es kam noch erstaunlicher. Der Königtum Portugal, damals wohl der mächtigste Fürst unter dem Kaiser, ließ Reubeni feierlichst enckaden, zu ihm zu kommete M. mit ihm dett'Kneysplmr zrrMhtechSr? GKibe «PWugal