Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 82 (25.12.1920)
- Date
- 1920-12-25
- Page
- Seite 482 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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\ (Ar fen 9Uwü «-gesttzt. daß efnt jüdische Familie »Sh» rrnd des Krieges drei Woche« lang <«K nur d'rei Söhne oerm kämpfenden Teil einer Kampstruppe oder im Schützengraben gehabt habe. Rabbiner Dr. Freund von Hannover legte daraufhin Eckart eine Liste von zwanzig Familien feiner Gemeinde vor, auf die diese Voraussetzungen allerdings zutrafen, und stellte, da Eckart diesen Rachweis nicht gelten lassen wollte, beim Landgericht München Klage auf Grund des 8 657 B.G.B. (betr. Auslobung) auf Zahlung des ausgrsetzten Preises. Nach Durchführung der Belveisaufnahme, in der der Kläger ein Verzeichnis von weiteren fünfzig jüdischen Familien aus andern Gemeinden vorlegte, di« bis zu sieben und 4 ch t Söhne im Felde hatten, und von denen einige sogar den V e r l u st von drei-Söhnekl zu beklagen haben, erkannt« der Beklagte den erbrachten Nachiveis an rmd zahlte an den Kläger den ausgesetzten Preis von 1060 Mark. Dr. Freund überwies seinerseits den Betrag an jüdische Organisationen für gemeinnützige Zwecke. - Nürnberg. Die hiesige Ortsgruppe des Zentralveroins erließ in den hiesigen'Zeitungen eine öffentliche Erklärung gegen die in antisemitischen Versammlungen ausgesprochenen Lügen und Verhetzungen des jüdischen Volkes. Ganz besonders wandte sie sich gegen einen Professor Bohneberg, der die bekannten „Geheimnisse der Weisen von Zion" den gierig lauschenden Zuhörern als Wahrheit hinstellt,und außerdem das.gesamte Judentum für Handlungen einzelner Bolschewisten jüdischer Abstammung haftbar macht. Die -Ortsgruppe hat daraufhin zwei Preise von je 5000 Mark für den Mchtveis ausgesetzt: 1. der Wahrheit der in obengeirannten« Pamphlet vorgebrachten Beschuldigung der Juden, 2. daß „bei dem Münchener Geiselmord irgend eine jüdische Organisation, eine jüdische.Stelle oder eine jüdijd* Persönlichkeit, di« als Vertreter der jüdischen Bevölkerung anerkannt wäre, direkt oder indirekt beteiligt >iw/' Wilhelmshaven. Nach Mitternacht wurde hier ein Trupp von zehn Soldaten beobachtet, wie er an die Häuser der Gökerstraße.von der Bismarckstraße zur Kaserne Mühlenweg antisemitische Plakate klebte. Mehrere angesehene Bürger unserer Stadt stellten dieses Treiben fest und wand» ten sich an die Station, damit diese hier eingreif«. Wie ihnen jetzt nntgeteilt wurde. ist der Führer der 10 Mann ermittelt worden und sicht seiner Bestrafung entgegen. Weimar. Ueber das Gesuch des Deutschvölkischen Schutzbundes Gera umVerhinderungderJudenci n Wanderung berichtete Abg. Bennert (Soz.) und ivandte sich in scharfen Ausführungen gegen das Verlangen. Er empfahl, cs durch Uevergang zur Tagesordnung zu erledigen. Abg. Fräulein Tr. Schulz (Dem.) sprach gegen ( den Geist der Eingabe. Er bedeute eine unerhörte Grausamkeit und diese habe schon die Jugerrd ergriffen. Man müsie die Menschen danach beurteilen, ob sie-anstandig seien oder nicht. - Darauf tvurde die'Eingabe durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Österreich. Wien. Robert Stricker, Präsident der zionistischen Partei Oesterreichs und ehemaliger Abgeordneter, hat an die Hüter der' Wissensdwft in Oesterreich ein Schreiben gerichtet, dessen nesentlichster Passus folgendermaßen lautet: „An den österreichischen Hochschulen werden die jüdischen Hörer und Hörerinnen mit größter Mißachtung behandelt. und die Dinge sind so weit gediehen, daß auf akademischem Boden jüdische Studentinnen tätlich mißhandelt, die Juden von dem Genuß allgemeiner Wohlfahrtsinstitutionen ausgeschlossen und jüdische Hilfseinrichtungen demoliert wurden. Die Studentenschaft hat wiederholt beschlossen. Juden vom Besuch der Hochschulen, gewaltsam sernzuchalten oder ihren Zutritt durch Einführung «incS Numerus clausus zu beschranken. .. * >;. '<• Man hat es hier, bas muß ausbrstMch hemnychoven werden, nicht mit Aktionen einer irregeleiteten Jugend zu tun, welche gegendemauSgesprochenen Willen ijaStr Lehrer handelt. Nein! Die beschämenden, auf Ausschaltung der Ostjuden und Slawen und Beschränkung der oflrrreicÄschrn - , Juden gerichteten Beschlüsse wurden in offiziellen Versammlungen im Beisein und unter dem Ehrenvorsitz der Rektvrev gefaßt. Keine Stimme des Protestes ist. aus Kreisen der akademischen Lehrer laut geworden. Im Gegenteil! Die Beschlüsse sind von den akademischen Behörden ausgeführt worden, unter den nichtigsten Vorwänden hat man jüdischen 'Studenten die Aufnahme verweigert!" Ukraine. Warschau. Der nach der jüngsten Pogrommelle in de/ Ukraine nach Warschau geflüchtete Sekretär der jüdischen Nationalversammlung in Kiew, Leiserowicz, hat in einem öffentlichen Vortrag ein schaueüiches Bild der seit zwei Jahren fast ununterbrochen wütenden Judenpogrome entworfen. Herr Leiserowicz stützte sich in seinen Ausführungen auf eine zuverlässige Statistik, wonach bisher 280 000 Juden ermordet wurden. Die Zahl der Krüppel und Verwundeten übersteigt eine halbe Million, die der geschändeten jüdischen Frauen ist unübersehbar. London. Der Bund ukrainischer Juden in Englands, erhielt von Herrn Salzmaim, dem Vertreter des Brmdes, der auf dem Wege in die Ukraine ist, folgendes Telegramm: Dreizehn Warenzüge lanytin in Moskau an und würden sofort weiter nach Kiew spediert: Der nächste Transport verläßt Reval nächste Woche. Sendet Waren und rettet das Leben unserer leidenden Brüder. Geld hat keinen Wert. Nach dem Berichterstatter der aus der Ukraine zurückkehrenden Delegierten ist die Lage dort fürchterlich. Sorget für sofortige weitere Sendungen, besonders für Kinder und Hospitäler Geeignetes. Auswanderung zu Berwandten^gestattet, wenn Mittel vorhanden und die Erlaubnis des AufnahinelanLes vorliegt. Zürich. Die Holland-Amerika-Linie, gegenZvelche letztens verschiedene Vorwürfe wegen der Behmikung der x Juden erhoben worden waren, hat nunmehr ihr Vochehen geändert und will durch Einführung koscherer Küchen auf den Schiffen den Juden das Reisen mit diesen Schiffen angenehmer machen. Um Ausgaben zu sparen, soll die ganze 3. Klasse koscher gespeist werden, da von diesen Passagieren ca. 90 Prozent immer Juden sind. (I. E. K.) Schweiz. Zürich. Die Genfer Korrespondentin der I. P. Z. Wandte sich an Lord Cecil in seiner Eigenschaft als Obmann der Konnnission fiir die Aufnahine von weiteren Nationen in den Völkerbund mit der Frage der eventuellen Aufnahme , der Juden in den Völkerbund. Sie wies in ihren Ausführungen unter anderem darauf hin, daß nun; nachdem die Judenheit Palästinas sich im Nationalkomitee organisiert hat, welches deren Vertretung nach innen und außen bildet, es wohl an der Zeit wäre, an die Aufnahme der Juden in den Völkerbund zu denken. Lord Cecil gab darauf die kürze Antwort: „Aber die Juden Palästinas haben ja noch gar nicht um eine Aufnahme angesucht." Auf die weitere Frage, ob sich aus der geschilderten Sachlage irgendwelche Schwierigkeiten für die Aufnahme der Juden in den Völkerbund ergeben würden, erklärte Cecil ausweichend: „Das kann «nan nur von Fall zu Fall beurteilen. Wir können uns nur mit Ntn uns bereits vorliegenden Aufnahmegesuchen befassen." Argentinir«. Berlin. Mairricio Zoireff, ein aroentittif$er Zionist, der auf dem Wege nach Palästina in Berlin weilte, bersch.