Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 82 (25.12.1920)
- Date
- 1920-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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<bf4*hM ft»« gntta«. ‘ »nt» 2.50 «. Miiatl. Z, »<|i«|ra ' »«*4 st»ilich« P»ßü»1«r «rr M »« BtftamU« ta Hui. VOM RHEIN Jüdiflohes Volkßblatt 1.60 fltflt!«(». fttitjcUe. Dft trat« •«Ut aaftft MO £«{{«. Piftschükkiir» ••tMMrfag 8ra,Clteltf. 74747, kstrauagegeben von Rabbiner Dr. Arnit Koy«, Bonn. Schrift leitnnz und S«sch6ftast»lle: Bon«, Brüdergafle 52. zl«»rr 88 | FSonn, 25. Aezernber-1980. —13 Feveth VY81 I 8. z«tzrpm^ / ... . . ' lxjlj > W»che»«dsch«itt 'w, 0er letzt« \Dllle. Er nahm aber beide, und' zwar. Ephraim mit der Rechten — also zur Linken Israel» — und Manasse mit der Linken — also zur Rechten Israel» und führte sie wieder zu ihm bin. Da legte Israel sein« Recht« auf da» Haupt Ephraim», des Jüngeren, und seine Link« auf da» Haupt Manasse». Er legte sein« Hand« mit Bedacht, obwohl Manage der Erstgeborene war. — Al» aber Josef sah, daß sein Vater seine rechte Hand auf Ephraim legte, mißfiel e» ihm. Er saßt« daher die Hano seine» Vater», um sie von dem Haupt« Ephraim» auf da» Haupt Mawasse» zu lenken, und e zu seinem Vater: „Nicht also, mein Vater, denn ist der Erstgeboren«; lege Deine Rechte auf fein Haupt I" Sein Later aber weigerte sich und sprach: „Ich weiß, mein Sohn, ich weiß. Auch dieser wird zu einem Volke werden, auch er wird groß sein. Aber sein jüngerer Bruder wird größer sein al» er." — < --:- 1. Mose 48,18—10. ,,E» gibt im Menschenleben Augenblicke, Wo er dem Weltgeist näher ist al» sonst Uyd eit»« Frage frei hat an da» Schicksal!" Dieses Wort ist wohl wahr. Was aber der scheidende Jakob mit letzter, zäher Kraft vollbrachte, beweist, daß es . mindestens einen Augenbli/ tot Menschenleben gibt, wo er dem Weltgeist so mch ist,-daß er nicht mehr nur eine Svage ans Schicksal, frei hat, sondern das Recht hat, selbst chicksal zu werden den anderen. Das ist die Stunde seines Sterbelagers, wo er, umgeben von den Seinen, den letzten Willen sagt, der den Zmückbleibenden zum Schicksal wird. Dieser letzte Wille ist bei alle«; Völkern heilig und unanfechtbar. als käme er vom Himmel selbst. Was der Mensch in dem Augenblicke sagt, wo Gott seine Seele in seinen ewigen Atem zieht, das soll gelten. Der letzte Wille ist beinahe schon'Gottes Wille. Jeder vernünftige Mann wird sich bemühen, ein vernünftiges Testament zu machen, allen und j^dem einzelnen .gerecht zu werden, um Streit und Habet seiner Erben zu vermeiden. So sehr das aber auch gelten mag und auch ftcher das Normale ist, — eine Pflicht für den Scheidenden ist es nicht. Nur der Erbe hat Pflichten und der heiligsten eine ist es» dem Sterbenden das letzte Recht nicht zu bestreiten, das Recht auf die Freiheit seines letzten, schicksalgleichen rmd, wenn es sein muß, schicksaldunklen Willens. Auch nicht nach dem Tode zu bestreifen und zu hadern und zu rechten, als wäre der Vater nür^estorben, um ihm zu einem Lebensrechte zu verhelfen. Wer stirbt, verläßt die Welt rmd hat fürder nur noch seine Sache mit Gott. Streitet euch untereinander, ihr Erben, Wenns euch Spaß macht, aber laßt dem Toten seine Ruhe. Euer Fluch ins Grab hineiü tut ihm nichts mehr, sondem beweist nur, daß ihr selbst betrogene Betrüger seid. ' Der letzte Wille ist gewöhnlich nicht der letzte. Tr ist das Ergebnis eines Lebens, und seine Wurzeln find wett und tief. Wer will emdringen in daS Dunkel eines Lebens? W« vermißt fick, hinabzuleuchtrn in die Geheimnisse..der fremden Seele? Fühlst du dich enterbt, übergangener Erbe? Du brauchst es noch lange nicht zu sein. Wenn du dir abgewöhnst zu glauben, daß dir zu Liebe der Tote starb, wirst du dich nicht mehr enterbt und-beleidigt fühlen. Keiner hat ein Recht ans fremde Leben» jedes Leben aber hat ein heiliges Recht auf sich selbst und sein eigenes Dunkel. Watz hatte der kleine Manasse stimm Großvater getan, daß er ihn. enterbte, da er doch der Erstgeborem war? Nichts. Und dennoch bekam Ephraim mit der rechten Hand den besseren Sogen. Josts mißfiel es, aber der alte Jakob blieb dabei. Warum? Wir wissen es nicht. Aber ahnen können wir es hier einmal. War es nicht die Schuld seines arg verstrickten Lebens gewestn, daß er, stlbst der Jüngere, dereinst den" Alteren um Erstgebmt und <Ägen gebracht? War es nicht der Kampf stimr Nächte gewesen, vor allem jener eimn, da er den Engel nicht lassen wollte» bis er ihn gestgmt? Jetzt starb Jakob. Da er aber nun selbst erblindet, wie einst sein Vater Jsak, segmn soll, die vor ihm-, stehen, kreuzt er die Hände und wird den Enkeln zum Schicksal, allen kommenden Geschlechtern zum Gesttz. Es ist das Gesetz des eigenen, mm vollendeten Lebens, das er hier bestätigt. In diesem Augenblicke war sein Gewisstn -an ersten Male wieder frei und rein: „Mcht das Recht der Geburt soll gelten, sondem das Recht de- Geistes, um» —ich habe Recht gehabt!" — Das Recht, dunkel zu stin, ist das Recht der Könige. Aber keiner ist so niedrig geboren, daß er sterbend nicht den Königen gliche, und stin Königsrecht in Anspruch nehme, aus dunklen, lang verhütteten Tiefen das Letzte quellen zu lassen, unbekümmert um die lauernden Erben. Dieses Recht aufs eigene Leben ist niemals größer als im Sterben. >Es ist der Respekt vor dem LebenJder deshalb vom Erben verlangt wird, nicht der Respekt vor dem Tode. Wer sich um eine Erbschaft kränkt, «in Erbe — sofern nicht der letzte Spille selbst an den Tatsachen scheitern muß — anficht, vergißt die Ehrfurcht vor dem heiligen Leben. Keiner weiß von keinem was, und schließlich geht stder als ein Rätsel von hinnen. Aber der Jude zum mindesten sollst um dieses Rätst! vom heiligen Leben wissen, denn als Sohn des alten Volks ist er der geborene Erbe, und die Ehrfurcht vor dem Tode ist ihm nichts anderes als die Ehrfurcht vor dem Leben. E m i l C o h n. ttocbcnlcbaii.g Tatsache« und Ergebnisse.. Li Äö DeutsHlaad. . München. Der Herausgeber bei' Münchener antisemitischen Wochenschrift „Auf gut deutsch", Dietrich Eckart» hatte in seiner Zeitschrift einen Preis von 1000 Mark