Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 81 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—,— k. A) «kmKche jMWm Vtzanisätionen Amerikaveröffentlichen ^1u« gemeinsame Erklärung gegen di« berüchtigten „Protokolle der Aeltesten von Zion" und gegen die vom Autofabrikanten Ford systematisch geführte antisemitische Hetze. Die gesamte Presse schenkte dieser Erklärung große Aufmerksamkeit und die führenden Tageblätter befürworten.sie in eingehenden Leitartikeln. Berlin. Auf eine Anfrage im Hause der Lorderteilt« der Earl of Crawford für den Staatssekretär des Aeußern die Antwort, daß die Annahme de- Hebräischen als einer offiziellen Sprache in Palästina einer der ersten Schritte zur Verwirklichung der Balfour-Deklaration aetvesen sei, d. h. zur Schaffung eines nationalen Heims für die Juden in Palästina. „Bei der Anwendung der Deklaration'/, führte Earl t>f Crawford aus, „wird mit Recht darauf gerechnet, daß die Belebung der hebräischen Sprache eine wichtige Rolle spielen wird. Ich bin beauftragt, zu erklären, daß die hebräische Sprache, welche'offiziell anerkannt wurde, das klassische Hebräisch ist mit 'den Anforderungen, wie sie die modernen Notwendigkeiten erfordern." (Z. &•) •N Manchester. (I. C. B.) In der hier stattgesundenen Keren Hajeffodkonferenz ergriff das Wort der englische Arbeitsmiyister Sir Alfted Mond und führte aus, er spreche hier nicht als britischer Minister, sondern als britischer Jude. Die britischen Juden haben mehr Grund als alle anderen Judest, den „Keren Hajeffod" zu unterstützen. Britannien nahm das Mandat über Palästina an rmd gab den Juden Gelegenheit, das Land als ihre rrationl« Heimstätte aufzubäuen. Das Land benötige Häuser, elektrische 'Kraftauellen, Jrrigationswerke usw. Ein Teil der in Zentral- und Osteuropa darbenden jüdischen Bevölkerung muß nach ' Palästina hinübergelcitet werden, wo sie sich ihren Lebensunterhalt N'erdc begründen können. Das jüdische Volk dürfe nicht erivartcn, daß jemand ihm den goldenen Schlüssel einhändige, der ihm die Tore seines nationalen Heinres öffnen würde. Es sei auch kein anderes Volk in Palästina, das in der Lage wäre, den Wiederaufbau zb leisten. Die ganze Last müsse daher auf den jüdischen Schultern ruhen. London. Hier fand kürzlich eine kleine Kontroverse zwischen dem Justizministcr Lord Rcading und einem höheren Richter Sir Erncst Wild statt. Herr Wild sagte in eurer Gerichtsverhandlung von einem Zeugen, der als Geldverleiher bekannt war. „sicher ein Jude", ein Wort, das der höchste Richter Englands aufs schärfste tadelte. Sir Wild sah nun ein, daß er sich deshalb entschuldigen Püffe. Palästina. V Jerusalem. Am 9. und 10. November fand.unter Vorsitz des High Commissioners Herbert Samuel die zweite Tagung des Advisory Council statt. - Der erste Punkt der Verhandlung betraf den Städtebauplan. Dr. Salim stimmte den vorgeschlagenen Plänen zu, wünschte aber, daß, sie auch auf Haifa und Jaffa ausgedehnt tvürden. Der Oberkommiffär erwiderte, daß dieser Plan zunächst nur Nablus (Sichem) umfassen würde. Bei der Behandlung der Bodenfrage teilte der Oberkommiffär mit, daß er mit Aegypten, England und Amerika wegen Gründung von Agrarbanken in Verbindung stehe. Auf Antrag'des arabischen Ratsmitgliedes Jsmacl Bey All Huffein wurde in Uebereinstimmung sämtlicher anderen Mitglieder an den Oberkommiffär die Forderung gerichtet, die Nordgrenzen Palästinas so fcstzusctzen, daß das Land keinen Mangel an Waffer für Bcwäfferullgs- und Elektrizitätsanlagen erleiden solle. Bezüglich der Erziehungsfrage teilte der Oberkommiffär mit, daß die Regierung alles aufbieten werde, um schon in wenigen Jahren sämtlichen Kindern die Möglichkeit zum regelmäßigen Schulbesuch zu gewähren. Es kam auch, außer der Frage der Volksschulen, die der höheren und der inoffiziellen Schulen zur Behandlung, tvobei David Aellin bemängelte,^ daß die jüdischen Schulen bisher der SkÄff-lmlerstützung «nttrhrell vmtzdar. riK&tw . den arabischen gewährt wird, obwohl di« Juden ebenso zu den Steuem herangezogen werden wie die andern. Die arabischen Vertreter, Dr. Salim und Tokan Bey, teilten dies« Ansicht nicht, indem sie au-führten, daß di« jüdischen Kinder die allgemeinen Regierungsschulen besuchen können, Religionsschulen aber nicht unterstützt werden sollen. Nach der Erwiderung des Herrn Arilin, daß esich nicht um jüdische Religionsschulen handle, vielmehr um Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache, da die hebräische Sprache algleichberechtigt mit der arabischen anerkannt wurde, erklärte der Obcrkommiffä, daß söwohl di« jüdischen wie die christlichen Gemeinden, die ihre Steuern zahlen, ein Anrecht auf Unterstützung haben. Zuvörderst müssen aber dort, wo keine Schulen sind, solche gegründet werden. Berlin. Der orthodoxe Oberrabbiner Kuk in Jerusalem veröffentlicht, wie die „Zionistische Korrespondenz" mitteilt, im „Doar Hajom" einen offenen Brief, in dem er sich gegen die Gerüchte ausspricht, daß er Gegner des Zionismus sei. Kein Mann in Jerusalem — so schreibt Oberrabbiner Kuk — habe das Recht, sich Rabbiner zu nennen, wenn er Gegner des Zionismus sei. „Jeder traditionelle Jude glaubt, daß unsere nationale Wiedergeburt, die vom Völkerbund und von Großbritannien anerkannt wurde, der Wille Gottes sei, der Israel-im Heiligen Lande wieder aufleben lassen will." Berlin. In Jaffa wurde kürzlich, wie die „Zionistische Korrespondenz" mitteilt, die erste landwirtschaftliche Ausstellung Judäas eröffnet. Etwa 90 Prozent der ausgestellten landwirtschaftlichen Erzeugniffe waren von jüdischen Landwirten ausgestellt, zum großen Teil von Kolonisten, zum Teil auch von Arbeitergenossenschaften. Die jüdischen Aussteller erhielten die weitaus größte Zahl der Preise. _ ..■< .. Hak«nhr«uzhomödle. Seit Monaten geht in Deutschland der Kampf um das Hakenkreuz. Tausend treudcutsche Männerbrüstc und abertausend verschwiegene Oertchen sind damit geziert worden. Tausend jüdische Gemüter haben sich über beides erbost. Allerhand Gelehrte haben nachgewiescn, daß dieses Zeichen das einzig würdige Symbol des rassereinen Ariertums ist. Andere Gelehrte haben dem gegenüber dargetan, daß die Antisemiten mit Nichten ein Recht haben, das Hakenkreuz für sich zu reklamieren. „Jeder echte Deutsche trage ein Hakenkreuz", riefen die Antisemiten und taten danach. „Jeder Jude trage ein Hakenkreuz", rief Herr Scheidemann, und einzelne Juden taten danach, cs waren aber nicht allzu viele. So tobt der Streit um — ja. worum eigentlich ^Gegen" ein Abzeichen, mit dem sich eine bestimmte Schicht geistig Minderbemittelter zu kennzeichnen wünscht, ist doch eigentlich nichts einzuwenden. Laßt sie doch ihr „Hakenkreuz" tragen! Man »veiß dann wenigstens gleich, woran man ist. Vergeffcn >vir doch nicht, daß in Deutschland im Rahmen der Gesetze jeder das Recht hat, sich so lächerlich zu machen, wie er will und kann. Und tvenn die Antisemiten rnit ihrer Hakenkreuzcrei diesem Ziele znstreben, so ist es nicht unbedingt notwendig, daß bestimmte jüdische Kreise ihnen darin folgen und sich ebenfalls blamieren, so gut sic >cs nur verstehen. Glücklicherweise sind die Dinge jetzt schon so grotesk geworden, daß men ihnen nur noch mit einem fröhlichen Lachen bcgegircn kann. Die Höchster Farbtverkc, die .Hersteller des von dem Juden Ehrlich und dem Japaner Hata erfundenen Svlvarsans, Hab«;» als Schutzmarke dieses Heilmittels das „Hgkenkreuz" eintragcn laffen. Sicherlich ohne jede Nebenabsicht. Aber das glaubt ihnen keiner, nwiwr die Antisemiten, noch die Juden. In jüdischen Blättern stand zu lesen, die Wahl dieser Schutzmarke sei ein unerhörter' Affront, denn >vic dürfe man es »vagen, das Erzeugnis des berühmten jüdischen Gelehrten unter dein antisemitischen Zeichen in die,Welt zu schicken. Die Antisemiten hingegen