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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-12-10 · 80 (10.12.1920) · p. Seite 467

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
80 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
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Alliance Uraelite Universelle sich große Verdienste um daS Judentum erworben hat. fand am 24. November, dem Tage der SO. Wiederkehr des Einbürgerungsdekrets der algerischen Juden, eine imposante Feier statt. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Minister. Diplomaten und Abgeordnete, nahmen an der Feier teil. In einer Ansprache wurde aus di« Bedeutung des Tages aufmerksam gemacht, der die algerischen Juden aus verachteten Parias in gleichberechtigte französische Bürger verwandelte. Das Gesetz wurde am 24. Oktober 1870 von der „Regierung der nationalen Verteidigung" angenommen. Straßburg. Der eigentliche Begründer der Zeitung „Le. Juif", Herr Renö Metzger, ist im jugendlichen Alter von 22 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. In warmen Nachrufen wird von verschiedensten ©eiten sein kurzes, aber inhaltsreiches Leben, dem allzufrüh ein Ende gesetzt wurde, geschildert. v Dänemark. Kopenhagen. Entgegen vielfachen Gerüchten über Austveisungen von ausländischen Juden aus Kopenhaben erklärte Justizminister Ritter einem jüdischen Pressevertreter: Dänemark Knut keine Judenfrage und auch die Mitteilungen über Austreibungen ausländischer Juden entbehren jeglicher Unterlage. Wohl wurden Ausländer ausgewiesen, die sich gegen die Staatsgesctze vergingen oder keine genügende Ausweise hatten. Unterschiede nach Konfession wurden dabei nicht gemacht. Amerika. Buffalo. (I. C. B.), Hier wurde der jährliche Kongreß der amerikanischen Zionisten in Anwesenheit von 2SV Gelegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten erössnet. ES wurden Begrüßungsreden gehalten von M.Polakow. dem Vorsitzenden der Zionistischen Organisation in Buffalo, von Mr. Leo Goldmann, namens der Kanadischen Zionisten und von Mr. Josef Cowen. namens der englischen Zionisten, gehalten. Letzterer hat hierauf eine lange Kabeldepesche des Direktoriums des Keren Hajesiod, gezeichnet von Bertold Feisel. H. Jabotinskh, M. Naiditsch. H. Zlatopolski und Dr. Weizmann an die amerikanischen Zionisten verlesen, in welcher den anwrikanischen Zioniswn der Tank für die Erhaltung des Palästinensischen Siedlungstverkcs während des Krieges und für die zahlreiche freiwillige Beschickung der jüdischen Legion ausgesprochen wird. New-Uork. (I. C. B.) Die Erekutire der amerikanischen zionistischen Föderation veröffentlicht eine von Tr. Haas gezeichnete Erklärung, worin die durch das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitete Meldung der Londoner „Morning Post" über eine angebliche Spaltung im Zionismus und Trennung der amerikanischen Zionisten von den europäischen als absolut falsch und aüs der Lust gegriffen bezeichnet wird. Nem-Aork. (I. C. B.) Nach Angaben des American Joint Jcar Book für das Jahr 5681 ist die Zahl der Juden in Groß-New-Iork von 3500 im Jahre 1918 auf 1'/, Millionen im Jahre 1920 gestiegen. England. ' London. Auf Antrag Lord Rothschilds hat der Board of Deputies in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich mit m Anglo-Jewish Asfssociation und der Äague of British Jetvs (entspricht der Tendenz nach ungefähr dem „Zentralvercin Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens") zwecks geineinsamer Abwehr der antisemilischen Angriffe zu einem Presse-Komitee zusammenzuschließen. Eine starke Minderheit nationaljüdischer Mitglieder des Board wollte von einer Gemeinschaft mit der ihr Engländertum stark betonenden Liga auch bei dieser Gelegenheit nichts wissen, wurde aber überstimmt. Auch andere Organisationen, wie Bene Berith usw. sollen noch herangezogen werden. Jerusalem. „Doar Hajom" meldet, daß Herr Peter Schweizer aus New-Aork 5000 Dollars zur Errichtung eines Spitals in Tiberias gespendet habe. Die Leitung übernimmt der bekannte Hygieniker Tr. Rubinow. der sich t>erpstichtcte. noch zwei Jahre zur Ueberlvachung des Baues und der Einrichtung in Erez Israel zu bleiben und sein Hauptaugenmerk auf die Bekämpsting der Malaria und die sanitäre Ueberlvachung der Jmigianten zu richten. Jerusalem. (I. C. B.) Der High Commissioner. Sir Herbert Samuel, beschloß, eine spezielle palästinensische Münze zu emittieren und beauftragte auf Empfehlung der ( Londoner Zionistischen Organisation und des Waad Hazirim in Jerusalem Mr. S. Rafael, den Verfasser des bekannten Wecks „Tie Münzen der Juden", entsprechende Entwürfe hierzu vorzubereiten.? ^renäerl. < g Eine Geschichte auö Böhmen j; 5 von Leopold Sompert. < j ' (Sortfe&ung.) Hirsch Blaser wußte am andern Tage nicht Worte des Zornes genug zu finden, als er der wackern Frau Mindel Bericht über seinen zweiten Gang abstattete. Der da drüben sei in Grund und Boden hinein verloren: wenn inan fünf Groschen für ihn ausgebc, so wären die wie ins Feuer geworfen. Er habe geredt, ivie nur Gott reden möcht': alles sei umsonst gewesen, und lvenn man ihm selbst eine Kiste mit Perlen und Gold vorletzte, so würde er auch nicht dazu greifen^um noch einmal zu dem „Unmensch" zu gehen, der ein f<Tgroß Stück Geld ausschlüge, um auf ein Dach hinaufzusteigen. „Er wird also ivirklich hinaufsteigen." jammerte Mindel trostlos, „hat man das je gehört, und Juden sollen das zugeben können?" „Helfen Sic sich, Mindelleben," meinte das gesckw'iie Jüdel mit Achselzucken; „mich kriegen Sic nicht mehr da hinüber." Das gescheite Jüdel war auch um alles in der Welt nicht zu bewegen, den Gang in die Schlosserwerkställe noch einmal zu wagen — und Hirsch Blaser war doch sonst keiner von den Reichen. Wenn Mindel gesckeil sein wolle, meinte er. so solle sic den „Unmensch" nur auf das Dach hinaufstcigen und Gott versuchen lassen. Wenn er mit zerschmetterten Glicdeur unten liegen werde, da könne cs ihm dann freilich nicht einfallen, daß tausend Gulden „kein Spaß" seien. Das aber war cs eben, ivas die gute Frau wahrhaft unglücklich machte. Sie sah das feingesponnene Ney ihrer geheimen Instruktionen .^rissen und fand zu ihrem Schrecken, daß sie keine neuen Fäden zu verwenden hatte. Wenn erZchon dem Gelbe wideistand, womit konnte er denn gebändigt werden? Dem Doktor konnte sie ihre Qualen nicht anvertrauen. der hätte sie ausgelachi; ihrem Manne konnte sie sich auch nicht entdecken; er gehörte ja auch zu dem „Vereint" und verstand sie nicht. So durchlebte diese wackere Frau mehrere Tage, die zu den traurigsten ihres Lelens gehörten; ivachend und träumend sah sic den Schlosser zwischen Erd' und Himmel schweben, sie sah ihn fallen und mir zerbrochenen Glieder» da liegen. Dann freute sic sich kindisch, wenn sie aus der Werkstatt« herauf die frische Stimme Trcndcrls vernahm. ihr zum lebenden Beweise, daß er noch nicht ans das Synagogcndach gestiegen war. Zu ihrem Schrecken vernahm sie eines Tages von ihrem Manne, daß Trenderl den Blitzableiter binnen drei Tagen aufsetzen werde. Rcbb Scholem tat diese Meldung mit so kalter Ruh«, daß Mindel vor ihnr fast zurückbcbte.

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