Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-12-10 · 80 (10.12.1920) · p. Seite 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
80 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
Seite 466 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3947615-6435930-6437170--0901-3948435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

tiaocbcnfchau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Berlin. Ter Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat eine tfiugtibe an die preußisä-e Landcsverjammlung gelichtci. worin er. unter Berufung auf eine Anzahl konkreter Falte. die furchtbare Notlage der ihrer Stellen beraubten iüdisclwn Lehrer aus Posen, Westpreußen, Elsaß schildert, die auf Grund des gellenden Volkrschulunterhaltungs-Gejetzes an den allgemeinen Volksschulen keine Anstellung finden. Tie Eingabe sucht nachzutveisen, daß die hier angewandten Bestimmungen des Volksschulunterhaltungsgesetzes verfassungswidrig und daher rechtsungilrig sind. Wien. Bei einer Tebatte über das Tiroler Festschießen und die mit der deutschen Orgcsch verbrüderten östcrreichiichcn Eimrohnenrehren kam im östcrreichiscl^en Parlament e»i in München Vorgefundener Befehl der Lrgesch zur Verlesung, in dem cs heißt: Bei Rechtsputsclien wird der Mannschaft anbefohlen: Sozialistenführer und größere Schreier in der Wohnung gleich erschießen, die Juden festnehmen und in den vierten Resettwplatz. führcil, wo sie samt und sonders gehenkt wer- > den. Eber noch mit Sozialdemokraten Erbarmen haben als mir den Juden." Würzburg. Um den in Frage gestellten Fortbestand des für die Ausbildung jüdiscl-er Lehrer auch fernerhin so notwendigen hiesigen Lehrerseminars, daö schon so viele Lehrer in die jüdischen (Gemeinden Deutschlands und des 'Auslandes zu segensreicher Wirksamkeit entsandt hat, zu sichern, hat der nunmehrige Vorsteher, Distriktsrabbiner Dr. Manöver ein Finanzkomitce. bestehend aus angesehensten indischen Persönlichkeiten Deutschlands, gebildet, das durch ausgedehnte \2iimmclt(itiflfcit die ' finanzielle Unterlage schaffen soll. Pole«. Warschau. Auf den Landtagsveihandlungen über die Minorilätsrechie verlangten die jiibifdjctt Landtagsdepu- > lenen Zuerkennung von nationalen Minderheitsrechten für die jüdische Bevölkerung. Sämtliche Parteien stimmten gegen diesen Antrag. Der jozialistisckie Deputierte Nidzialkowski hob hervor, das Ideal eines jeden Polen sei ein einheitlicher Nationalstaat, Konzessionen können nur in den j.eiuischien Randstaaten gemacht tvcrden. Warschau. Das polnische Emigrationsamt hat. wie die „Jüdischen Emigrations- und Reise Nachrichten" Zürich melden, neue Paßl>estii»mungeit erlassen. Um einen Auslandspaß zu bekommen, müsicn eine Reihe von Dokumente» vorgelegr lvelden. Die Auslvandcrung aus Polen dürste auch noch dadurch crjchivert werden, daß die Polnische Regierung eine Ekbühr von eineinhalb Prozent von den Schissskarien vorgcschrieben hat. Ta nun diese Gebühr nur von deit in Polen gekauften Karten behoben werden kann, so ist es im Interesse des polnisä-en Fiskus, die Emigranlen ohne Karten nicht hinauszulasien, damit sie nicht im Ausland die Schiffskalten kaufen. Dies verlangsamt die Ausreise der Wanderer so. daß letztens nur 60 bis 70 täglich nach Danzig kamen . Weißrußland. Berlin. Tie Ewrüchte über Judenpogrome der Armee Balachowitsch werdet» von dem Warschauer Berichterstatter der „Vossisctx'n Zeitung" als Tatsache bestätigt. Nach der Einnahme von Mvlhr (Goutwruement Minsk, also in Weißrußland, d. Red.) kam es dort am 10. November zu shstematisllwn Plünderungen der jüdischen Wohnungen und Geschäfte durch die Truppen. Tie christlichen Wohnungen und Geschäft« wurden jedoch nicht berührt. Tie Zahl brr dabei Ermordeten konnte nicht festgestellt werden, wird aber auf etwa dreißig geschätzt. Ukraine. London. Der Verband der ^Ukrainischen Juden in London hat eine von den Abgeordneten Grünbaum, Farbstein und Podlischewski in Warschall Unterzeichnete Mitteilung erhalten, wonach in der Ukraine neuerliche, von den Bolkewisten und den Banden Peltjuras veranstaltete Pogrome stattgefunden hätten. Warschau sei von Flüchtlingen überfüllt, die auf die Ausreisemöglichkeit nach Amerika harren. Die Not sei groß, und rascheste Hilfe tue not. Sowjet-Rutzland. London. In Moskau wurde ein Zentral-Hilfskomitre für die Pogromopfer der Ukraine gegründet mit dem Zweck. die von den Hilfskörperschaftrn gelieferten Kleider und Nahrungsmittel zweckmäßig zu verteilen. Unter den Mitgliedern des Komitees befinden sich Vettreter der verschiedensten Schichten der russischen Judenheit. Tschecho-Slowakei. Prag. Gestern und vorgestern versuchten in Prag die Erzedenten wiederholt, in das jüdische Rathaus zu dringen. Im Festsaale des Rathauses sind nämlich jüdische Flüchtlinge untergebracht, die entfernt werden sollten. Der Prager amerikanische Konsul schritt deshalb ein und ließ auf dem Rathaus die amerikanische Flagge hissen. Schweiz. Gens. Herr Lucien Wolf aus London ist hier eingelroffen, um das Jntercsie der im Osten notleidenden Juden beim Völkerbund wahrzunehmen. Genf. Professor Aschkenasi, der Vertteter Polens bei dem Völkerbunde, hatte eine 1'/,stüdige Unterredung mit dem hiesigen Oberrabbiner Dr. Ginsburger bett. der Lage der Juden in Polen. Krirchralaod. Luzern. König Konstantin gewährte dem Herausgeber der „Jüd. Paßzentrale" eine längere Besprechung. Der König betonte, daß er den Juden Griechenlands stets das grüßte Wohlwollen entgegengebracht habe, erkundigte sich eingehend nach dem ihm befreundeten Rabbi Jakob Meir, dem früheren Chacham-Baschi von Saloniki, der heute in Jerusalem wohnt, und besprach die zionistischen Brsttebungen und die Leiden der Juden in Osteuropa. Fraakrelch. Paris. Tie Alliance Jsraelite Universelle veröffentlichte folgende Kommunique: Die Konferenz von San Remo hat die Schöpfung eines internationalen jüdischen Heims in Palästina sanktioniert. Obwohl das Zentralkomitee keine Veranlatung nehmen will, für oder gegen die zionisttsche Bewegung Partei zu ergreifen, hat es wiederholt seinen Willen ausgedrückt, sich nicht mit dieser Bewegung zu verbinden, aber ebensowenig sie zu bekämpfen. Als Repräsentant der Juden aller Länder und aller Meinungen hat das Zenttalkomitee stets darauf Bedacht genommen, jede Politik zu vermeiden, die den Ideen rrnd den Gefühlen eines Teils seiner Mandanten entgegengesetzt ist. Da aber das Zenttalkomitee andererseits die Gefahren kennt, die die zionisttsche Bewegung noch jetzt in sich birgt, so ist es seine Pflicht, eine neuttale Haltung zwischen Zionisttn und Antizionisten zu beobachten und eine abwarttndc Sttllung einzunehmcn. Patts. Am Grabe Adolphe Cremieux, des verstorbenen französischen Ministers, der als Mitbegründer der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.