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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-26 · 78 (26.11.1920) · p. Seite 449

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
78 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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»Nicht um eine Million tu ich'S," rief der Schlosser. „AuS Narretei," meinte Hirsch Blaser nun wirklich zomig, „nuS purer Narretei/' „Besier, als aus Schlechtigkeit," entgegnete Trenderl. „Gott Lebendigerl" schrie Hirsch Blaser verzweiflungsvoll. „Hat sich denn die Welt duf den Kopf gestellt? Ich versteh die heutigen Menscyen gar nicht. Zu meiner Zeit, wenn man jemandem zu einem Geschäft hält' tausend Gutden leihen wollen, was hätt'' der dafür nicht getan? Bor Freud' von Sinnen kommen war' noch das.wenigste gewesen." „Ich laß' tum keinem andern den Blitzableiter aufsetzen," sagte der Schlosser bestimmt. „Du willst dich also nicht glücklich machen lassen?" „So nicht," entgegnete Trenderl mit flammenden Wangen. Da überlief das gescheite Jüdel der lang' verhaltene Grimm; mit einer heftigen Gebärde sprang er vom Stuhl auf und war schon an der Türe. „Ich Hab' schon genug geredt," schrie er gellend, „mich bekommst du nicht mehr zu sehen." Als er fort'war, fühlte der Schlosser einige Reue darüber, daß er ihn so böse habe sich entfernen lassen. ES fiel ihm ein, daß er doch hätte fragen sollen, von rvem deirn eigentlich die tausend Gulden herrührten? Dann aber dränget sich ihm die Schamröte ins Gesicht» daß das gescheite Jüdel bereits auf einen andern gedacht hatte, der für ihn den Blitzableiter aufsetzte. „Da oben auf dem Dach," §ollte es in ihm, „muß ich stehen, denn auf einer jüdischen chul' muß ein jüdischer Schlosier zu tun haben." Der Schlosier hatte sich in seiner Natur wicdergcfunden. Emanuel hätte seine Freude an ihm achabt! iJortsrpung folgt.) TTTI »,>>,>> »TTTTTTTTTTra: Kon Kerg und Tal. ttti n rrrrm m i f i tttttt Köln. Die iih Anschluß an den am 20. Septeinber stattgefundenen Klotzeljchen«Vortrag gegründete Knabenabteiluirg (von 8—14 Jahren) des Jüdischen Turnvereins umfaßt heute schon eine Mitgliederzahl von za.80 Schülern, von denen'niehr als 50 regelmäßig turnen. Das Turnen dieser Abteilung findet jeden Donnerstag von 5'/z bis 7 Uhr in der Turnhalle der Volksschule, Frankstraße, statt. Anmeldungen lverden dortselbst entgegcngenommen. Bonn. Am Samstag, den 20. November, fand' die diesjährige Generalversammlung des I. I. B.-Kameraden statt. Der bisherige Vorstand wurde entlastet und neu gewählt. Der Vorstand setzt sich jetzt wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Ludwig Gunz; 2. Vorsitzender Günther Sklarek; 1. Schriftführer Alfred Herrmanns; 2. Schriftführer Suse Lisiaucr; Beisitzer Lotte Stein, Else Simon; Beirat Dr. Weis. — Der bisherige Vorstand wird Elternbeirat, demgegenüber der Vorstand Rechenschaft schuldig ist. Außerdem wurde der Versammlung mitgeteilt, daß sich am Sonntag, den 14. November, eine Kameradengruppe Köln gebildet hat. Der Verlauf der Versammlung ließ erkennen, daß alle Mitglieder bis zum letzten von rechtem Kameradengeist beseelt waren und ließ die schönsten Hoffnungen für die Zukunft offen. Beuel. Bei der hiesigen Trauerfeier des Reichsbunds der Kriegsbeschädigten am letzten Sonntag hielt unser Lehrer, Herr Koschland, eine bemerkenswerte Ansprache, indem er als Vertreter unserer Synagogengemeinde vom Wochenabschnitt ausgehend, dem Andenken der Gefallenen stimumngsvolle Worte weihte und den Pflichten der Lebenden stärksten Ausdruck gab. Die Rede machte auf alle Anwesende tiefen Eindruck. Siegburg. Im hiesigen Jugendbund begann am 18. d. M. unter starker Beteiligung ein LehrkursuS für jüdische Geschichte, welcher voraussichtlich 10 Abende umfassen wird. Herr Lehrer Seeliz hat sich in liebenswürdiger Weise zur Abhaltung dieser Vorträge bereit erklärt. — Am 5. Dezember d. I. findet im. großen Saale de- Herrengarten eine Chanuka-Feier statt. Die Mitglieder der Nachbarvereine sonne alle Freunde deS Vereins sind hierzu herzlichst eingeladen. Auf die Anzeige im Inseratenteil der heutigen Nummer wird besonders hingewiesen. Altenkirchen im Westerwald. Am Mittwoch, den 17. Nov., fand hier die Gründung einer kombinierten zion. Ortsgruppe „Westerwald-Sieg'^ statt, der gleich 16 Mitglieder beittaten und die auf baldige weitere Verstärkung hoffen darf. Zum vorläufigen Vorsitzenden wurde Herr Referendar Julius Simon aus Altenkirchen, in den Vorstand außerdem noch die Herren Arthur Michel aus Selters und Walter Berstein aus Hachenburg gewählt. Selters'-im Westerwald. Vor gut besuchter Versammlung sprach am Sonntag, den 31. Oktober, Herr cand. med. Hermann Simon aus Altenkirchen hier, über dgs Thema „Antisemitismus und Zionismus". Dem. Vorttag, der durchlveg beifällig ausgenommen wurde, schloß sich eine rege Diskussion an, in der -Herr Rechtsanwalt Dr. Löb-Fulda die Behandlung des Themas unter dem Gesichtspunkte des Zenttalvereins unternahm, jedoch durch Herrn Referendar Julius Simon aus Altenkirchen und dem Referenten, die den zionisttschen Standpunkt vertraten, eine treffliche Erwiederung erfuhr. Trotz alledem verlief die Versammlung durchaus harmonisch und zeigte der Westerwälder Jugend einen Weg zu den das Judentum behandelnden Problemen. > Die Kcttestasche. E gpaoitiiDü Tnaooao.'uJUi-tnn.i Chanukageld. Bon Schalom Alech« in. Chanuka ist der schönste Festtag. Man. bedenL nur: acht Tage hintereinander nicht in die Schule gehen, Pfannkuchen mit Schmalz esien, den Kreisel dxehen und von allen Leuten Chanukagcld kriegen. Kann es ein schöneres Fest geben? ' Es ist Winter. Draußen herrscht Kälte. Schneidender Frost. Die Scheiben sind zugcfroren, mit dem schönsten Eisblumenmuster verziert, — im Hause ist es aimenehm ivarm. Die silberne Chanukalampc wartet schon snt Mittag. Der Vater geht, die Hände auf dem Rücken, im Zimmeren» her und sagt das Abendgebet; nachdem er „achtzehn Segenssprüche" gesagt hat, nimmt er diö dickste Wachskerze — den „Diener" aus dem Tischchen und ivendet sich, ohne sein Gebet zu unterbrechen, an uns — meinen jüngeren Bruder und mich — in hebräischre Sprache. (Jiddisch zu sprechen ist während des Betens verboten!) „Jh! Oh! Nu! Na!" Wir verstehen nicht, was er will und fragen ihn: „Was, ein Zündholz?" Der Vater zeigt mit der Hand auf die Küchentür. „Jh! Oh! Oh! Nu!" „Was? Das Küchenmesier?? Die Schere? Die Bank?" .„Ach, Oh . . . nu . . .! Pfui!" Nachdem er noch einige ähnliche unartikulierte Laute ausgestoßen hatte, die angeblich hebräisch sein sollten, sagte er nmnnehr deutlich, da auch sein Gebet inzwischen zu Ende war: „Die Mutter, die Mutter sollt ihr rufen I" Ich und mein Bruder Mottl rennen um die Wette zur Mutter. „Mama! Rasch! Die Chanukalichter!" „O weh mir!, Chanukalichter!" ruft die Mutter, läßt ihre ganze Küchenarbeit liegen — die geschlachteten Gänse, aus denen das Fett ausgelassen und für den Pfannkuchen-

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