Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 78 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- Seite 448 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Äöln. i'lm 6. Cfrobcr hat der Landesvern>eser Herbert Samuel im früheren 2luguste-Piktoria-Stift seine Berater »in sich r>ersammelt, um ihnen Rechenschaft zu geben über das vor drei Monaten Bersprochene und desien bisherige Ausführung, soivie über seine zukünftigen Pläne zum Bohle des Landes, wclclie er zur Besprechung stellte. Da die Berater nicht aus irgend einer Volkstvahl hervorgegangcn. sondern vom Landcsvcrwescr selbst, freilich aus allen »lassen und Religionen, gewählt worden waren, konnte an heftige Mritif nicht gedacht werden; dennoch wurde der Wunsch ausgesproclicn. daß in höhere Bcamtenstcllungcn nicht ausschließlich Engländer berufen würden, sondern auch Palästinenser. Daß der Landesverweser den entschiedenen Willen hat. allen gegenüber gerecht zu sein, und daß die bereits erreichten Erfolge zahlreich sind, ist unleugbar. Zudem gibt cs hier Schwierigkeiten ganz ungewöhnlicher Art. Wie kann man z. B. Staatsschulcn einrichten, die zu gleicher Zeit Christen wie Moslimen und Juden genügen? Man ivill deshalb ganz von solchen abstehen und die Schulen den einzelnen Körperschaften uiiter staatliclrcr Unterstützung übcrlasien. („kölnische VolksJtg.") Jerusalem. „Haarez" veröffentlicht eine Übersicht über das letzte Schuljahr. Es wurden sieben neue Lehranstalten. Kindergärten und Elementarschulen eröffnet. 52 neue Lehrkräfte sind cingestesit worden. Außerdem untcrxstehen dem W a a d h a ch i n u ch die Schulen der JEA und vier Talmud-Thoroth, im ganzen I2t! Schulen mit 12 740 Schülern und 5«>4 Lehrkräften. A ch t z i g Prozent der jüdischen minder sind bereits vom hebräischen Schul>r»erk erfaßt. Die Alliance hat unter dem Einfluß der hebräischen Schulen an alle ihre Schulleiter ein Zirkular versandt, in dem sie sie auffordert, die hebräische Unterrichtssprache einzuführcn. Die Gesamtausgaben des Waad hachinuch beliefen sich im vergangenen Jahre auf 105 000 £, b. i. 9 £ "fll7va^2.M17M.> pro Kostf. Bedauerlich ist, daß der Jischuw selbst bisher noch nicht einmal zehn Prozent des Budgets zu tragen vermochte. Jerusalem. (I. E. B.) Am 5. Dezember treten die jüdischen Arbeiterparteien Palästinas zu einer außerordentlichen Tagung in Haifa zusauimen. um die Richtlinien und die Organisationsformen für eine allgemeine jüdische Arbeiterorganisation zu beraten. Die Parteien haben bereits die Delegiertenwahlen ausgeschrieben. 50 Arbeiter wählen einen Delegierten zu dieser Einigungskonfcrcnz. Jaffa. Tcl-Awiw ist die erste Stadt in Palästina, in ^welcher die öffentliche Straßenbeleuchtung mit elektrischem Licht eingeführt wurde. In der Rächt vom 21. Oktober, als die Bevölkerung von der landwirtschaftlichen Ausstellung heinikehrte, wurde auf ein gegebenes Zeichen der elektrische Strom fieigegelvii und die halbdunklen Straßen von Tel-Awiw tvnrden zum großen Erstaunen des Publikums taghell beleuchtet. In nächster Zeit schon tvird das Elcklrizitälswerk erweitert iwrbcit, so daß in Tel-Awiw jedes Haus elektrische Beleikchtung besitzen wird. Berlin. Der amerikanische Ingenieur Rutenberg, bekannt durch -seinen Pmn der Elektrifizierung Palästinas, weilte, wie die ..Jüdiscire Preßzentrale" meldet, kürzlich in - Paris. >vo er Baron Edmond de Rothschild für seinen Vorschlag zu interessieren suchte. Rutenbergs Plan ist auch von dem Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel» sowie von der Zionistiscl>en Organisation a n g e n o m m e n wordeck. Die Elektrifizierung Palästinas soll von einem Privalkonsortiuin unter Leitung des Barons Edmond Rothschild und seines Sohnes James durchgeführt werden. Die geplanten Arbeiten werden bei einem Kostenaufwand von ungefähr 800 000 Pfund gegen 0000 Arbeiter während mehrerer Jahre beschäftige». (Z. ».) Wien. Wie das Jewish Eorr. Bur. aus Jerusalem miiteilt. ist dort der Begründer der Jüdischen Rationalbiblivthek Dr. Josef Ehasanowicz gestorben. —1- Crendcrl. Eine Geschichte auS Böhmen von Leopold Sompert. lgortsetzung.s Hirsch Blaser setzte sich; er begann, dem Schlosier sogleich reinen Wein einzuschenken. Trendcrl werde eingcjehen haben, so lautete der Gedankcngang der ziemlich langen Rede, was das heißen wolle, ein jüdischer Handtverker zu sein. Der Jude sei einmal gazu gar nicht geboren. Einen Schneider oder Gerber oder Goldschmied, den lasic er sich immer noch gefallen, denn dös seien Geschäfte und keine Handwerke, da lasie sich ctlvas „verdienen" dabei. Anders sei es mit den anderen Handwerkern, für die sei der Jude einnkal nicht geboren. Wäre cs ein schweres, so ertrügen cs seine Kräfte nicht, und er werde sich doch nicht einreden, daß,, wenn er einmal eine Frau hätte, diese ihm erlauben würde, auf einen steilen Turm hinaufzukricchen, um dort ein „lumpig" Stück Eisen aufzustccken? Bedenken sollte er, daß ein Jude ein ganz anderes Gemüt habe als „sie", und genau solle er es sich überlegen, was dabei herauskomme. wenn der Blitzableiter wirklich von seiner cigex»en Hand auf dem Schuldach aufgepflanzt würde? Ob er damit die halbe Welt glücklich mache oder sich selbst? Ein Vorteil sehe dabei nicht heraus,,und dankbar solle er die Hand ergreifen, die ihm den Weg aus der Schlosiereiwerkstältc herauszeigte. Aufgeben müsie er das Geschäft, denn das sei keines, wo man an einen alten Schlüsiel oder ein verrostetes Schloß einen halben Tag verwende. um fünf Groschen zu verdienen. Gott danken solle er aus tiefstem Herzen, daß sich einer finde, der bloß aus Wohlgefallen an ihm die Mittel zeige, um ein anderes Leben zu schaffen. Tausend Gulden, ein groß Stück Geld für jeden angehenden Handelsmann! wären bereits gezählt und abgewogen, und er hätte nur ja zu sagend Aber mit dem Dachstuhlbcsteigen habe es dann ein Ende. Einem Wagehals werde man, wie gesagt, kein so groß Stück Geld anhängen; in keinem Falle dürfe er den Blitzableiter aufsetzen. Schlosier seien genug da, die für ihn sich dieser Arbeit unterziehen würden. Und jetzt Hali« er genug gesprochen, mehr glaube er, als nötig wäre, ihn ihn zu überzeugen. Das „gescheite Jüdel" hatte sich diesmal mit der sonst so klug ausgesonnenen Kriegslist getäuscht. Es hatte „Wunder" von seiner Rede erwartet und siehe da, die reife Frucht, die es dem Falle nahe glaubte, blieb noch immer auf dem Baume. Hirsch Blaser hatte eines nicht bedacht — das Ehrgefühl des Handwerkers war beleidigt worden. Als Hirsch Blaser geendigt, stand der.Schlosier mit verschränkten Armen, regungslos vor ihm. „Ihr hättet also schon einen andern Schlosier, der für mich die Arbeit macht?" sagte er nach einer langen Weile. „Hundert, wenn du willst" — „Ich soll also die Eisenstangen umsonst geschmiedet und gehämmert halwn, soll dastehen und Zusehen, wie ein anderer für mich sich abmüht?" „Und Nidnn?" Trenderl hielt einen Augenblick inne, dann schsic er, und seine Augen glänzten dabei in wilder Wut. „Ender sterb' ich, als daß ein anderer auf das Schuldach hinaufsteigt." „Bist du nicht mehr sinnedig?" rief Hirsch Blaser zu Tode erschrocken. s „Wo bin ich es nur gewesen," schrie dagegen grimmig der Schlosier. „daß ich Euch eine Minut' lang Hab' angehört habe? Hinauswerfen hätte ich Euch sollen aus der Werkstätle. jo hätte es jeder ehrliche Handwerker getan. Mir Vorschlägen, ein anderer soll die Eiscnstangcn für mich aufsctzen I" „Aber die tausend Gulden! S als so eine lumpige Eiscnstangc?" iiOseiner Seelcnangst zu bciveisen. rd die nicht mehr ivert versuchte Hirsck Blaser