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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-26 · 78 (26.11.1920) · p. Seite 446

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
78 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
Seite 446 (sequence 2)
Language
German
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|te angehören — umfassen, welche ihrer geistigen Struktur nach die reinsten und ursprünglichsten Energien des Judentums verdeutlichen. Unter anderem werden auf dem (^cvbiete bei bildenden Mmtft Lriginalc von Israels, Struck. Slcinhmdi. Budko. Lcfser-llrti, Mcidner ujw. gezeigt. Tie Lileicuur des Judentums wird von den alt« uftaiiicuttid.cn Schriften an bis zn den jüngsten Erzeugnissen jüdischer Tichkunst vertreten sein. Der äußere Nahmen der 'Ausstellung wird durch die geschmackvolle Ausstattung der Ausstellungsräume an und für sich und durch die gewählte Auslese der literarischen und künstlerischen Werke (Vorzugsausgaben. Lurusdrucke) erhöht. Jin einzelnen erstreckl sich die litcrariscisc Abteilung der Ausstellung auch auf solche Werke, die sich nicht nur in bellettistiid/cr Form mit dem Judentum auseinandersetzen und beschäftigen. sondern,auch die historisci)en. politischen, wirtschaftlichen, cihnographisclwn und kulturellen Eigenarten des Judentums betreffen. Erwähn wird noch, daß die Ausstellung noch durch musikalische Werke (Jargonlieder usw.), kunstgeiverblicl-e Arbeiten und Bühnenbilder zu dramatischen Werken der jüdischen Literatur (llrtel Acosta, Esther. Jeremias) ergänzt wird. Tie Ausstellung ist auch Sonntags geöffnet von 10—1 und 3—7 und dauert vom I. bis 15. Dezember. Hamburg. Ter Zciuralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstältete am Sonntag. 31. Oktober. im großen Saale des Patriotischen Gebäudes eine wegen ihrer Aktualität bcmerkenswerlc Kundgebung. Landesrabbiner Tr. Nieger-Braunschiveig sprach über das Thema: „Tic Juden in deutschen Landen (Gastvolk oder Heimalsberechtigtc'O". Er wies an der Hand bedeutsamer Legenden, vor allem aber an einwandfreien geschichtlichen Urkunden das Borhandsein blühender jüdischer Siedlungen in deutschen Landen schon in frühesten, ja biblischen Zeiten nach. Urkunden Konstantins aus dem Jahre 321 im G'.ex Theodosianus. der Kommentar des .Kirchenvaters Hieronl>inus zum Jejaias, die Hinterlassenschaften eines der ältesten Bischöfe von Metz, Simion. ferner des Priscur» am Hofe Ehilpcrichs zu Soifsons, sie alle bestätigen das tätige Dasein starker jüdischer Gemcintvcsen. die nicht nur als Träger des damaligen Welthandels, sondern vor allem auch als Reeder, als Seeleute und im Lande als possessores (Grundbesitzer) lebten. TaS Jnteresiantc sei, daß unter diesem Gesichtspuirkre die sogenannten arischen Bölkerschafien erst viel später, nämlich zur Zeit der Völkerwandeiung, und zwar aus Asien, eingewandert seien. Rordhauscn. Im hiesigen Gericht trug ein deutschnationaler Nichier während der Berhandlungen ständig das Hakenkreuz als Krawanennadel. Auf die Beschtverde eines Mitgliedes wollte der LapdgerichtSpräsident zunächst nicht einschieiten, da ihm nicht bekannt sei, daß das Hakenkreuz als Symbol des Judenhasses gelte. Auf den Hintveis, daß das Tragen des Hakenkreuzes den Beamten der Sicherheitspolizei und den Schülern verboten sei. ersuchte der Präsident den betressenden Nichier, das Hakenkreuz in -.dienstlichen Verhandlungen nicht mehr zu tragen. Berlin- Tie Gesellschaft zur Förderung der^Vissenschafwdes Judentums hält am 28. Dezember eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht neben einem wissenschaftlichen Vortrag von Herrn Rabbiner Professor Tr. Bloch, sowie den üblichen geschäftlichen Berichten ein Antrag auf Eintragung der Gesellschaft ins Vereinsregister und ein Antrag auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Ten Mitgliedern geht eine bespndcre Einladung zu, die dem soeben versandten Höst 7/9 d^r Monatsschrift beiliegt. Österreich. Wien. Hier starb im Alter von 65 Jahren an Hungerödem der Physiker, Meteorologe und Chemiker Dr. Max Margules, einer der bedeutendsten Meteorologen der Welt. Er bezog als ehemaliger Beamter der Zentralanstalt für Meteorologie eine Pension von 5000 Kr. , Budapest. Nach einer Proteftverfammlung, welche von der Organisation des „ErwaclMden Ungarn" gegen die Ratifikation des Friedensvertrages veranstaltet wurde, zog eine mehrtausendköpfigc Menge durch die Cttaßen der Stadt, drang ins Iu denv i eitel ein und insultierte und mißhandelte viele Personen. Die Rettungsgesellschaft gewährte in 17 Fällen Hilfe. Eine Person wurde tödlich verletzt. Die Pestcr Kultusgemeinde, die schon mehrere Tage vorher Kenntnis von dem Plane eines Pogroms hatte, hat den Minister des Jnnem rechtzeitig um Schutzmaßregeln gebeten. Trotzdem erließ der Minister keine Verfügungen zur Verhinderung des Pogroms. Die Zahl der Verwundeten ist auf 400 gestiegen. Der 17jährige Student Lazar Nußbaum, der schwele Verletzungen erlitt und sterbend in das Rochusspital gebracht wurde, ist dort seinen Verletzungen erlegen. Budapest. Angesichts der durch die tcrroristtschen Ausschreitungen der letzten Tage hervorgelufenen Erregung hat sich die ungarische Regierung endlich zum Vorgehen gegen die Anarchie aufgerafft. Nach einem außerordentlichen Aufebot von Militär und Polizeitruppen und unter persönlicher Leitung des Ministerpräsidenten, des Ministers des Innern und des Äriegsministers wurde die im Hotel Britannia versammelte Bande des berüchtigten Leutnants H e j a s, bestehend aus diesenC selber mit 42 Offizieren und 12 Zivilisten, ausgehoben und in Gewahrsam geschafft. Zugleich wurde gegen einzelne Gruppen des „Vereins der er- (wachenden Ungarn"" vorgegangen, wobei es in einem Falle zu einer förmlichenSchlacht mit vierToten und einer Anzahl Verwunderen kam. Der Vnein wurde für aufgelöst erklärt. Sein Präsident ist von seinenl Posten als Vizepräsident der Nationalversammlung zurückgetrcten. Wien. Wie' die „Wiener Morgenzeituug" berichtet, befindet sich Hejas nach wie vor in Freiheit und wird abtvechselnd vom Tivisionsgcricht und von der Polizei verhört. Hejas leugnet, mit den Britannia-Leuten irgend tvelche Verbindung gehabt zu haben, behauptet, die mit der Britannia-Affäre im Zusammenhang genannten Personen überhaupt nicht zu kennen und stellte es in Abrede, daß das Pronay-Detacl-ement sein Werk,, sei. Auch die übrigen im Hotel Britannia verhafteten Offiziere und Zivilpersonen sind bis auf Karl Kmetth und Franz Tökes wieder auf fieien Fuß gesetzt worden. Budapest. Der Anklagesenat des Budapester Strafgerichtshofes hat heute in Angelegenheit der verhafteten Mitglieder des Vereins der Erwachenden Ungarn die Freilassung der Verhafteten verfügt, da Fluchtverdacht nicht vorliege und die Anklage nicht die entsprechenden Beweise beibringe. \ Budapest. ^Gideon Szöke, Stephan Hajdu und Johann Hajdu, die als Anführer einer Räuberbande di« Juden in Dömsed überfallen und ausgeraubt hatten und vom Standgericht zum Tode durch den Sttang verurteilt worden waren, wurden durch eine Entschließung des Reichsverwesers begnadigt.. Die Sttafe des Szöke wurde in fünfzehn Jahre, die der beiden Hajdu in zwölf Jahre Zuchthaus umgewandelt. Paris. (I. C. B.) Der Botschafterrat hat der ungarischen Regierung ein« gleichlautende Note wie an Österreich überreichen lassen, wonach die alliierten Mächte entschlossen sind, nach Ratifizierung des Verttages von Trianon, die Durchführung der Verttagsbesttmmungen betreffend den Schutz der religiösen und Rassenmrnderheiten g < - n aut st zu kontrollieren. Tschecho-Slowaki.! Prag. Bei den letzten deutschfeindlichen Kundgebungen kam es auch zu antisemitischen Ausschreitungen. Starke Haufen von Vorstadtelementen drangen in das söge- 1 nannte Judenviertcl ein, in welchern sich zahlreich« j ü d i - t

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