Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 78 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE «»sch»«»» je»,, Srrtt»,. »ret» 2.60 M. Z» beziehe, »»rch sämtliche Pehämtee itn durch kta B»te»»rrl«i i» B»»». VOI1 RHEIN >»jii>r»prrit: 1.50 Vt.fftt kU»tet« »efp. PrtitjrUr. Dir |»|( 6tWi ,»f«ßt 360 ZrUr». P«sischrckk»»t» TüäLsotiss Vol^slrlstt «,»,»»,, «,,, a»l, *t. 74747. q«rausgegeben von Rabbiner vr. Knrik Kohn. Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaff« 52. Kummer 78 | Wonn. 26. Wovernber 1SSO. — 15 Aiskew S681 2. Iahrgaug okilioooolikiooooriooovoooooooooooookikZookik»»! 0 0 0 a g MocheuadschaiU nrv'i - g □ ' d □ □ , □□□aDDDaaaaDaaaaaiaDaaaaaaDDDaanoaaooaDa Beten und Beten. Ta betet« Jakob: „Tu Gott meines Vaters Abraham! T» Gott meines Vaters Jsak! Herr, der z» mir sprach: Kehre zurück in dein Land und deinen Geburtsort und ich will dir wohltun! Zu gering bin ich vor all den Gnaden und all der Treue, die du deinem Unechte bewiesen! Tenn mit einem Wanderstabe allein habe ich diesen Jordan überschritten und nun ward ich z» ztvei Lagern! Rette mich doch vor meinem Bruder, vor Esau, dcnti ich fürchte ihn, dag er nur nicht komme und die Mutter erschlage mitsamt de» Kindern. Und du hast doch verheißen: Ich will dir wohltun und deine Nachkomme» machen wie den Sand des Meeres, dcffcn Fülle nicht gezählt werden kann!" I. Mose, 32, II)—13. Ein Gebet, groß in seinem Gehalte, leidenschaftlich in seiner Inbrunst, klassisch in seiner Form! Beginnend mit dem schnüren Atemzug eines Anrufs aus tiefster Rot, rollt es in Erinnerung, Reue und Demut eine ganze Vergangenheit auf, breitet den wild durchwirktcn Teppich eines in Schuld und Fehle arg verstrickten Lebens vor dem Wäger aller Herzen aus und schlägt mit dröhnender Faust.an die Tore einer Verheißung, die cs plötzlich zugeschlagen sieht. Wenn je ein Ztveifel an dem höheren Rechte Jakobs gegenüber seinem Bruder Esau entstand, dieses Gebet tilgt ihn aus. Denn es ist das (hebet eines Menscl-en, der ein Kämp- - fer lvar, und somit das Urbild eines wahren Betens. Denn jedes wahre Beten inuß Vergangenheit und Gegenwart zusammenreißen zum Augenblick einer leidenschaftlich erlebten Inbrunst. Das scheint nicht nur gegen das Gcn>einschaftsgcbet unserer Gotteshäuser, sondern auch überhaupt gegen jedes vorgeschricbcne und überlieferte, vor allem ober gegen das hebräische, d. h. unverstandene Beten zu sprechen. Und so kommen auch die Leute mit ihrem berühmten „stillen Kämmerlein"» in dem sic so viel besser beten könnten, — sie behaupten es, und nachprüfen lassen sie sich nicht —; oder die GottNaturverchrcr, die sich den'grünen Wald als Temj»el erkoren, oder die Rcformjuden, die das deutsche Webet bevorzugen. Sie alle vereinigen sich zu einem einzigen Chore, in dem die Vernunft die erste, die Eigensucht die zweite, Kritik und Spott ober die dritte und vierte glimme singen. Denn Folgendes ist^u sagen: Ein Gebet wie Jakobs ist immer nur, kann nur etwas Seltenes, ja, Einzigartiges sein. Wollte jeder Mensch immer nur in solchen Momenten, wie der Stammvater damals einen erlebte, sich zum , Webetc bequemen, ich ztveislc, ob er mehr als einmal ini Fahre zuin Beten käme. Betet er dann so persönlichst und innerlichst, so kann freilich nur die Muttelsprachc den Mittler abgeben zwischen ihm und Gott, das haben schon die russisch-polnischen Chassidim erkannt, als sie für ihre tiefste Inbrunst und Entflammung das „Jiddische" verlangten. Das Gemeinschaftsgebet, die zcrlejcne Tefillc in unserer Hand will mehr: — will das Gebet zum täglichen Brote; machen, und hat es deshalb entwicklungsmäßig festgelegt, i hat es festgelegt nicht in der Sprache der Mutter, sondern! in der Sprack)e oer Väter. Warum t | „Aber, Frauck-en, ihr versteht doch gar nichts von dem, was ihr da betet!" sagte einmal ein Spottvogel zu einen, alten Mütterchen, das mit wiegendem Kopfe, unverständliche und unverstandene Worte murmelnd, über ihrer ganz zerbeteten Tefille saß. Da antwortete die Alte: „Verstell' ich auch nicht. Gott wird schon verstellen!" Wie tvahr und tveise ist das gejagt! Es kommt nicht darauf an. daß der Jude alles ganz genau verstehe, ums er betet. Gänzlich unverstanden ist ja keinem lotenden Juden sein Büchel. Halbverstanden aber ist bei diesem Beten manchmal mehr als ggnzverstanden. Die Worte kommen zum jüdischen Beter in den Schleiern alter, ihm etwas dunkler Laute, geben ihm Ahnung statt Gewißheit, Seele statt Geist, Empfindung statt Verständnis. Ja, es kommt nicht auf das spezifische Gewicht dieser Worte,'sondern lediglich auf ihr jcclisck-es Gcwscht an, und das ist mit der feinsten Wage nicht zu eriviegcn. Und wenn von all dem hebräischen Unterricht, den ich als jüdischer Lehrer meinen Schülern gebe — und ich gebe sehr vielen und sehr eindringlichen Unterricht — wenn von all dem nichts bliebe als das Verständnis jener geheimen Schwingungen, die in einem elauhcnu welauhe aivaujenu oder einem b'chcn. b'ckressed uiv'rachamiin zittern und leben, so tväre das zivar nicht viel, aber es wäre das Beste, was. übrig bliebe, die Brücke zu Gott. Bete deutsch, wenn dein Herz am Brechen ist! Aber wenn du eine Tefille mit deutscher Ueberjetzung hast, sieh immer nur auf die rechte und nicht auf die linke Seite. Denn was dort steht, ist öde. dürr, langweilig, ja. einfach ' gräulich. Denn es sind Worte ohne Schleier, und mit solchen Worten kommt man seinem himmlischen Vater nur nahe, tvenn sie unmiltelbar aus dem Herzen strömen mit der Leidenschaft ihrer neugeborenen Nacktheit. Ein gedrucktes Gebet in der Muttersprache, noch dazli ein durch Ueb!crjetzung entstandenes, ist grell wie die Sonne, ohne zu wärmen wie sie. Zu ihm, der nach dem Bibclwon „gesprochen hat. im Dunkel zu thronen", führen nur die schattigen Wege, die Wege des Schweigens noch eher als die Wege des Redens, und eher als die Wege des Wissens, der Ahnung göttlichste Gegenwart. ' Emil E o h n. I WMSWMsWNUS I Qlocbcnfcbau. Z n m ® Tatsachen und Ergebnisse. ® « __ _ m s aamasinliasnHsm ««««»« iiheesbekdibi « «busud Deutschland. .Krefeld. Zu der schon erwähnten jüdischen Kunslansstellung in den Räumen der Heiingestalumg W, m. b. H. Krefeld, Breilestraße (>8, wird noch ergänzend bemerkt: Die Ausstellung verspricht im jüdischen Kunstleben ein Ereignis zü werden. Sie wird alle Werke jüdischer Kunst und Literatur — gleichgiltig, welcher Zeit und welcher Richtung