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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-19 · 77 (19.11.1920) · p. Seite 440

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
77 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
Seite 440 (sequence 4)
Language
German
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fj I . *• üdksche Cptimiömukl, der irdem Juden sein'treuer Lebenät. weckt in uns Hossnungen duk eine wffcx« Zeit und so. Wullen »vir denn diesen einen Tao strllstehen, wollen einen Augent'liff halimachen, eine Atempause holen nnd Rückschau Hallen, uns' Rechenschas« oblegen was w-or. »nd Aiisscha» halten was wir erhokien. Ua war mcht leicht, den Grundstein zu legen zum Bau dieses Hauses. Tanseud Hindernissestanden >m 'Wege, die Lchtvarzscher glaubte» nicht a» die Verwirklichung. die Allesbesserwisser versuchte» die Arbeit zu hindern, aber alle Widerstände ivurden beseitigt dank der Tatkraft lciniger beherzter Männer, die keine Cpscr schenlen. um bas Werk zu vollbringe». C ft drohte eine Krise, drohte ein Riedeigang, drohte eine Zerstörung, aber immer tvseder sandcn sich Mensche», dir ihr^lesics late», das Ganze zu erhalten. Tie jüdische Genicinde i» <iöl» darf das Perdienst sijr sich in Anspruch nehmen, als erste auf den Plan getreten z» sei», um zu Helsen, beizusteucrn mit Geld lind Tat und jrilie aller Arr.^. Tie Hai richtig erkannt, daß,hier der Keim gelegt ward zu etwa» Großem. znm Bau für die Zitkuiist, zum Bau eines Tempels, der. arvßs geivvrden, ei» Legen für die Gemeinde zu werden versprach. Und be Hai sich nicht getäuscht. In de» zehn Jahren des Bestehens der Machsike Thorah ist so maüche Laal gereist für die jüdisck-e (Gemeinde.Ao niauche Hossnnng. verwirklicht, so mancher Legen snr die Gemetnde erstanden. Trei Tinge waren es, die wir bei der Gründling erhoff». Cr» gantsieriing der hier lebenden Cstjiiden, Belebung des religiösen, althergebrachten Gottesdienstes für Alt »nd Jung itnd schließlich eine Annäherung der Cstzu dei, Wesijnden. ES ziemt sich heute darüber zu sprechen, tvas in der >’,m verwirklicht tvordcn ist. Tie Organisation ist noch nicht vollzogen. Wohl sehe» wir, daß allenthalben Leben pulsiert, das; aiiS den, Rahmen der Machsike Thorah iiiaucherlei erstand, dasi „Iüdischleit" und WvhltätigleitSsinn sich »lehrte, daß die Jugend sich iiuiner ünd immer mehr aus sich selbst besinnt, aber noch viel mehr bleibt zu in» übrig. Eine restlose Craanisatie» der Cststide» ans neiiiralei» Bvd>» ist vonnöten. In der Iet'izeii. >00 die Tsijuden wie Parias behandelt werden, Ivo jeder -ituuiersiiik von Zeitungsschreiber über uns herfällb, uiv wieder Au-»reikungen »ud Ehikaiieit aus der Tagesordnung stehe», ist es ' nul;v t.'iui i>' eine uuuuigängliche Rviivendigleit, daß wir ziisammcnl.ilitii.wie ein Mann, damit toir den Jeindeii de» ossene» wie den verst.'lkis» ein paroli bieten können. -Wen» also der erste Teil unjeres Wollens noch nicht ganz geglückt, aber verlpiß»»gsvvll in 'Aiesückit steht, so darf man wohl von dem zweiten sagen: es ist ge- : liiug^n. Ter religiöse Tin» ist erstarkt: gewiß, er brauchte nicht sehr geweckt zu werde», aber er ist in geordnete Bahne» gelenkt. Wo hätten die vielen 'Beier eine Aiidachlsslätle gesunden, wo einen Tri. >vo Thorahstndiuin gepflegt, wenn nicht »userc Machsike Thorah wäre. Unser Haus tvard zu klein, es mußte eriveitert. vergrößert leeide». damit alle, die mit Gott Zwiesprache halte», Platz finden. Und wen» tvir beule die Ire »de erlebte», daß eine Leser Thorah von einet» Mitgliede des Pereins anläßlich des zehnjährige» Bestehens .unserer Ehewrah gespendet tvnrde, so mögen Lie daraus erk.'tineii. welche Berbnndenheit zivischen Machsike Thrah und seine» Mitglieder» besteht. .''.weüellos. Iüdischleit nnd Tkn» für Traditio» sind erstarkt. Meine lieben Irennde! Es käme dann »och das Tritte in Jrage; uar e-> möglieb. eine 'Brücke zu schlagen zwischen Cst- und Westjnde»? <‘5nV n en.ches hat sich in de» letzten zehn Jahren geändert, gar manches sehen wir Heine mit ande.re» Augen an. T e Zahl unserer Brüder hat sich vermehrt »nd der Einfluß i» der iv,,» .»de ist'zweiseüvS stärker als früher. In »rauchen Crganitaiioi.. ”l'citi-n Cst »nd Westinde» einträchtig znsanime» und gar oft l>e>>ichi ein sege.iieieicher Wetteifer, wenn es gilt, Rot zu lindern und Jammer zu stille». 'Ab>e meine liel>en Ireunde: seien tvirchenie offen, noch immer beherrscht ei» nnbegründ.«es Boruneil, »och immer wird di» Gesamtheit kür d-e Taten Einzelner veraniioortlich gemacht, noch immer b lischt die Meinung, als ob. her Cstjnde »lindrrwrrliger sei als die anderen hier Irrenden Juden. Und wen» vorige Woche in der ..'töliiischtii Zeitung" ein Tr. Ranman» es wage» durste, zu schreile». daß dem nationaldeiitschen Jude» der Csljnds so fremd sei „wie der Ehiiiese". „er ist ihm geiühlssrenid, geistessrei». körperlich iieind". so ist das ein Lymptoi». Ich weiß, daß die Beste» der deutsch.» Itidenheti Tr. Raninann Lügen slrase», ich weiß, daß ihre Handlnitge» ihn desavouieren, ich iveiß, daß es eine grobe, nnerhörte Lüge ssi. aber es'schmerzt, daß sich keiner fand, der ihm erwiderte. der ihm »nzweidentig sagte, daß er ein Verräter a» der siidische» Tache.se, „nd daß er sich antzerlpilb des Gesaniijudenttims stellt, wen» er so denkt sind, tva-S noch viel gesährlicher ist, so schreibt. . Aber wir seiern ja heute ein Jubiläum. Wir wolle» ja Hosfi'i'.iig pilanze». trollen t'ioii danken, daß uns das Werk erhalte» blieb und ititii.ter wieder.ansgebant werden konnte. . Wollen Tank sagen al>>». bi, niUgearbditet habe», Tank de» Vorsteher», Tank dl» Mttglildrni. Tank tnr ikroßgenieinde, Tank der Adas; Ieschu- »I-N! Gemeinde. Tank de» Rabinnern und alle», die mitgewirkt haben?.»»> Gelingest des Ganze». - In eine große Zeit sollt unser Jubiläum. Ist das Indenleih auch niiiinießlich. ist die Inden not auch katastrophal, so darf man doch sog,»: siche. es schläii nnd schlninineri nicht der Hüter Israels. Tos. was wir seit nreiianseiid Iahreir-verheißen und ersieht, wofür >i( Graß.eo nild Besten des südischeir Volkes gekänipst nnd gestritten. jetzt wird'» zur Tatsache. Erez Israel ist erstände» und r»sl seine Löhne heim. Ruit sie zurück zur Ackerscholle, ruft sie zurück in das Land, wo jede- Stückchen Wh geheiligt, wo trafctr Erzväter gewandelt, wo unsere Thorah beheimatet ist. Und »renn auch noch nicht alle, die nach Palästina lechzen, heimkehren können, so'sei doch ein Trost, daß di« Beste» hingehen, Pionierarbeit dort zu leisten und das Land vorbrreiten zur Ausnahme von Millionen bedrückter, unglücklicher, heimatloser Brüder. Vielleicht werden unsere Enkelkinder unS um diese Zeit beneiden. vielleicht werden Lir die Zrit preisen alS die größte und weltbeivrgendste. Vielleicht! Heute aber an unserem Iubiläumstagr wolle» wir uns geloben, noch treuer, noch inniger, noch verbundener zum Judentum z» stehen alS bisher, wollen nnS geloben, die Jahne Israels hochzuhalten allezeit und immerdar, wollen im Geiste und im Zinne der Chewrah Machsike Thorah handeln, wollest lehrt», daß alle Juden füreinander verantwortlich sind, daß unS all« Anseindlingen »nd Mißachtungen nicht anfechten, daß all unser Tun und all unser Handeln einzig unS allein unserem so heißgeliebten jüdische» Volke gilt, das hoifentlich bald von Leid und Not, von Jammer und Elend erlöst wird. Das walte Gott! ' Eine Geschichte au? Böhmen van Leopold 8 oinpert. sJorisetzung.) „Trenderl." begann er. „sind tausend Gulden ein groß Slück Wclb?" „Es hat'S nicht jeder." „Schenkt man die dem ersten^besben Hergelaufenen?" ..Rein." „Wofür ivill man dir tausend Gulden borgen?" „Weiß ich's?" „AKr ich." „Also." „Man will, daß du zivei-, drei- und zehntausend Gulden daraus machst." ‘v „Das versteh' ich nicht." „Gott Lebendiger! Geht denn das noch nicht in deinen älopf?" schrie Hirsch Blaser nun in der Tat erzürnt. „Die'Schlosserei muß du aufgeben!" . „Wer?" - . „Und auf dem Dach darf der Ableiter nicht aufgerichlet lveideü." ' „Alles lvegen der tarisend Gulden?" ./Alles lvegen dein. Ich mein', ich Hab' mir die Lung' schier herausgeredt." Deiil Schlosser' stand der Schlag des Herzens still, er starrte das „gescl>eite Jüdel" mit gläsernen Blicken an. Als dieser die augenblicklick)e Wirkung sciirer feinen Kriegslist io glänzend eingetrcten sah, brach er plötzlich auf, einem klugen Feldherrn gleich, der über nicht allzu große Streitlräfte gebietet und-zu dem-Siege bloß durch die Verblüfftheit des Gegners gekommen ist. Mit den Worten: „Ich denk', du überlegst dir das über Nacht," nmr er blitzschnell aus der Werkstätkr entschwunden. -Es war das eine merklvürdige Nacht für Trenderl. Zum eisten Male seit langen Jahien, daß ihn dick Müdigkeit der Tägcsarbeit schlaflos allckn Mächten des Nachdenkens überlieferte. Immerfort klingelten ihm die tausend Gulden in den Ohren; er wußte nicht, tvie sie herausbringen! Es irar unstreitig ein saurer Tropfen in des Schlosiers Seele gefallen. Das erste Gefühl, das lebendig in ihm aufwallte, tvar — Zorn gegen das „gescheite Jüdel", tveil das ihm „etwas in den Kopf gesetzt habe". Er ballte die Faust gegen den Abtvesenden. daß ihm die Finger schmerzten. Dann kamen andere Ststninen, tückische einschmeichelnde Stimmen, jene dunkeln, immer tvachen Mächte, die ül>er des Menschen Sein regieren und denen die Reinheit seiner Seele ein ivciter Kampfplatz für ihre Gelüste und Verlockungen ist. Ob es nicht undankbar sei, raunten ihm diese Stimmen zu, auf einen Menschen zu zürnen, der eiucm ein so groß Stück Geld aufdrängen wolle? Was- Hirsch Blaser eigentlich Schlechtes von ihm wolle? Glücklich machen wolle er ihn, nicht anders als reich und uNab-

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