Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 77 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- Seite 439 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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«MMf. ' rikanischen Kongreß wurden 6et den jetzigen allgemeincn Dahlerr folgende gewählt:. Mr. Bachrach für New» Jersey. Mr. Rosenblum für Virginia, Mr. Gartenstein für Illinois, Mr. Cahan, Kalifornien, und die Herren Siegel, Perlmann, Volk und Meyer London (sozialistischer Kandidat) für Newyork. Der Richter Nathan StrauS jun. wurde in den Senat gewählt. Rewqork. Es sind hier interesiant« Zifsem veröffentlicht! Worden, die über die Beteiligung der Juden in der amerikanischen Armer während des Krieges Aufschluß geben. Danach haben die Juden, die bloß 3 Prozent der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen, 250 000 Soldaten der amerikanischen Armee gegeben, also um ein Drittel mehr, als man nach ihrer prozentuellen Zahl hätte erwarten können. Damit hat die amerikanische Judenheit.einen Rekord unter allen Rasten der Vereinigten Staaten erreicht, was.die Opfer unter den jüdischen Soldaten betrifft, so haben 3500 ihr Leben verloren und 18 000 wurden leicht oder schwer verwundet. Die genaen Materialien wegen Beteiligung-der Juden in der amerikanischen Armee während des Krieges werden in einem speziellen Buche durch M. Julius Levit, den Direktor des Büros für jüdische Kriegsstatistik, in kurzem veröffentlicht werden. ßK>Ul««tz. London. Im englischen Unterhaus gab auf eine Anfrage Unterstaatssekrctär Harmsworth günstige Auskunft über die Entlvickelung Palästinas und führte dann weiter aus: Behufs Durchführung der Deklaration der englischen Regierung vom 2. 11. 17-wurdcn bereits die ersten Schritte unternommen. So z. B. die Regelung der Einwanderung im Sinne der crlastenen Einlvandernngsl»erordnung. Juden, deren Ansuchen durch die Z i o n i st i s ch e Organisation unterstützt werden, erhalten bis zur zulässigen Zahl von den britischen Konsularäintern der ganzen Welt die Paßvisa für die Einreise nach Palästina, wobei die Zionistische Organisation die Vcrantwortung für das Verhalten der Einlvandcrer, im Falle diese keine Arbeit finden, übernimmt. Es kommen monatlich einige hundert Einwanderer in Palästina an, die beim Straßenbau, bei der Bodenvcrinestüng und in den jüdischen Kolonien Arbeit finden. Tie hebräische Sprache ist als der arabischen und der englischen Sprache gleichgestellte Amtssprache anerkannt worden. London. Daily Telegraph behauptet, daß die palästinensische Anleihenicht, wie bisher mitgeteilt, 2,5 Millionen. sondern 10 Millionen Pfund betragen solle und im Januar zur Ausgabe gnlangcn tverde. Der Erlös ist fih Straßen- und Häuserbautcn, sowie zur Erweiterung des Eisenbahn-, Telegraphen- und Telefonnetzes bestimmt. London. Die Meldungen über die Budapester Pogrome haben in der hiesigen Presse eine einhellige Verurteilung gefunden. Mit Rücksicht auf hier eingelangte diplomatische Nachrichten aus Budapest, die ausführlich darüber berichten, daß die Regierung die Pogromeunterstützt und der Polizei verbietet, cinzugreifcn, haben einflußreicl>e parlamentarische Kreise beschlossen, das englische Auslvärtige Amt aufzufordern, eine Aktion durchzuführen, durch die Horthy gezwungen tverde» soll, unter Kontrolle der Entente in Ungarn wieder europäische Zustände einzuführen. (Wiener Margenzeitung.) London. Nach einer Reutcrineldung erklärte Harinsworth, daß er bereit sei, den Vorschlag einer Untersuchung über die Militärhcrrschaft in Ungarn durch den englischen Bevollmächtigten in Budapest in Erwägung zu ziehen. Berlin. Nach einer von der Zionistischen Korrespondenz weitergcgcbenen Meldung des -„Haarez" (Jerusalem) teilte Bonar Law, im Unterhause mit. daß zu Vertretern Englands im Völkerbunde die Herren Balfour. Burnes und Fisher ernannt sind. Alle drei Herren bezeichnet das Blatt als bekannte Zionistenfreunde, was mit Rücksicht auf die bevorstehende Fertigstellung des Völkerbundsmandats für Palästina von besonderer Bedeutung sei. (Z. K.) Berlin. Der Oberkommistar für Palästina, Sir Herbert Samuel, hat die jüdische Abgeordnetenverfannnluna und daS jüdisch« Nationalkomitee in Palästina, deren Zweck die Durchführung der jüdisch-nationalen Autonomie innerhalb des palästinensischen Gemeinwesens ist, anerkannt unter der Voraussetzung, daß dadurch die Mandatsbestimmungcn deS türkischen FriedenSvertragrs nicht verletzt werden und daß nur eigene Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung Palästinas behandelt werden sollen. Das Nationalkomitee (Waad leumi) beschloß, eine Besteuerung der Juden Palästinas vorzunehmen. (Z. K.) Jerusalem. Die Regierung hat die Mobilisierung von 600 Mann fiir ein neues Regiment der jüdischen Legfon angeordnet. v Jerusalem. Am 3. Oktober besuchte der Generalgouverneur Sir Herbert Samuel das Jerusalemer „Schaare-Zedek- Spital", das «ine Gründung der deutschen Judenheit ist (der Sitz der Verwaltung ist Frankfurt a. M.) und äußerte sich sehr befriedigt, über die schöne Anstalt. Er schrieb folgendes nieder: »Das bewundernswerte Werk dieses Hospimls, das in Jerusalem eine äußerst nützliche Tätigkeit ausübt, hat großen Eindruck auf mich gemacht. Es ist würdig, in ausgedehnter Weise allerseits Unterstützung zu finden." Berlin. Die hebräische Sprachakademic in Jerusalem hat, wie die Zionistische Korrespondenz meldet, auf Wunsch der Rechtsschule die Ausarbeitung einer hebräischen Terminologie für die Rrchtswisienschaften übernommen. Jerusalem. „Haarez" schreibt: Am 25. Oktober kamen in Jaffa zwei Schiffe des Lloyd Triestino mit Chaluzim am Besonders fällt eine Gruppe auf: die deutschen Chaluzim. Sie stechen sichtlich von den anderen durch ihr Auftreten und durch ihre Arbeitswilligkeit ab. Meist handelt cs sich um Studenten, die "die deutschen Universitäten verlasten haben, um in Palästina landwirtschaftliche Arbeit zu leisten. In ihrem Idealismus erinnern sie vielfach an die alten Bilu, sie haben aber noch den Vorzug, daß sie sich längere Zeit in Deutschland für die landwirtschaftliche Arbeit vorbereitet haben. Berlin. Der Verein,palästinensischer Beamten hat, wie die Zionistische Korrespondenz mitteilt, in Jerusalem «inen Kursus für hebräische Stenographie eröffnet. Die Stenographie wird nach dem System von Ben-Jsrael-Zelmann unterrichtet. 0«t und West. Red« zum tvjährigen Jubiläum der Machsike Tauroh in Köln von Ma; Boidrei ch. Ein Jahrzehnt hat seine» Kreis gerundet, seitdem ich am Marienplatz anläßlich der Einweihung der Machsike Tauroh di» Eröffnungsrede hielt. Für uns alle »vars ein großer Tag; wir sollten damit nicht nur ein Beihaus, nicht nur einen Bersammlungsort, nicht nur eine Ttätte der Andacht und Belehrung finde», ne>», es war gedacht als das einigende Mvment der hier in Köln lebende» Lstjudcn, es war gedacht ais der ruhende Pol in der Erscheinung Flucht. Teitdem sind zehn Jahre vergangen. Waren eS wirklich nur zehn Jahre? Ist es möglich, daß'in'zehn Jahren soviel Leid zi'sammcngehäust werden kann, ist eS denkbar, daß zehn Jahre di» oanzc Struktur der hier wohnende» und der mit uns verwandten Juden ummodeln konnten? Der Krieg, „das Ttahlbad". „der Jungbrunnen" hat uns Jude» hart, härter als alle andere» Völker ' getroffen. Was sind die Leiden der spanischen Jude» ims Jahre 149:! gegen die heutige Judenwauderung. waS vedeuten die Scheiterhaufen im Mittelaller gegen die heutigen Judcnschlächtereien in der Ukraine, Polen und Ungarn. waS die Dualen der Juden in Mainz. Speyer und Worms gegen die heute ausgeklügelten, rassinierten JudenmassakreS. Dill man die letzten Jahre schildern, muß man buchstäblich „Kinoth" sagen und es müßte ein neuer Jeremias erstehen, der das entsetzenerregende Elend auch nur einigermaßen zu schildern ver. möchte. Und in diese Zeit fällt unser Jubiläum, das zehnjährige Bestehen unseres mit so großen Hosfnungen und Lpsern errichteten Heims, in dem wir unsere Bitten und Bebele zum Schöpfer des i HimmclS richten konnten auf unsere alihergebrachie Art, wie wirs , von unseren Bätern ererbt und gelernt haben. Tollte» wir »»» von | der so grausamen Zeit abhallen lasten uns zu freuen, daß wir dielen Tag «rieht haben?