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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-19 · 77 (19.11.1920) · p. Seite 441

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
77 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
Seite 441 (sequence 5)
Language
German
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ig. - Sei « nicht schändlich, st gÄen müsse, an die man gar nicht denken dürfe — wenn man sie auch noch so gerne habe? Was Hüsten andere Leute voraus als das Geld? Und die dürfen kühn ihre Blicke erheben zu allem, was sie reizt? Ter Arme aber sei ausgeschlosien von allem. Hören, sehen und riechen dürfe er alles, aber danach greifen? — Wenn, ihn schon der Doktor ausgelacht habe, was würden erst andere Leute tun? Trendcrl fühlte sich sehr unglücklich. Hirsch Blaser hatte sich äm folgenden Tage frühzeitig bei Mindel Brandcis eingestellt, um ihr Meldung zu tun, wi« seine.Sendung in die Schlosieriverkstätte ausgefallen. Das gescheite Jüdel erzählte den ganzen Hergang und verschwieg auch nicht den kleinsten Umstand. Die wackere Frau fühlte sich aber durch diese Mitteilungen nur wenig beruhigt : wenn man ein Haus umreißen wolle, sagte sie, dürfe man nicht alle Jahr bald eine Tür. bald ein Fenster ausbrechen, gleich müsie das geschehen, wogegen Hirsch Blaser freilich bemerkte, cs sei immer besser, bald ein Fenster, bald eine Türe abzubrechen, als zuletzt gar kein Haus ju haben. Sie solle ihm nur alles überlassen. Das „gescheite Jüdel" erhielt neue,,Instruktionen", die wir für jetzt verschweigen müssen; seufzend entließ ihn Mindel. Beim Abschiede rief sie ihm'nach: „Eile tut not, denn eine lange .Kränk"' (Krankheit) ist ein gewisser Tod." Hirsch Blaser versprach das Unmöglichste. Das „gescheite Jüdel" hatte eine Taktik ersonnen, die seiner Klugheit und Beobachtungsgabe nicht wenig zur Ehre gereicht. Er berechnete, daß sich die tausend Gulden in des Schlossers Gemütc erst „setzen" müßten, und^arum l»esuchte>er ihn auch am folgenden Tage nicht. Das erste Fenster tvar,ja bereits ausgebrochcn! Aber mit tausend Augen spähte er um die Wcrkstätte herum; keine der Brn>egungen'des Schlossers entging ihm. Schon konnte er bemerken, um wieviel lässiger das Tun des Meisters sich an diesem Tage ausnahm! Trenderl sang auch nicht, und schon das ntar ihm ein Zeichen, daß sich die tausend Gulden „gesetzt" haben mußten. Er sah ihn auch oft vor dem Amboß stehen und gewaltig hämmern — aber es ging der dritte Streich immer daneben, und dieses träumerische Gebärden lvar ihm ein neuer Beweis, >vie tief bereits der sauere Tropfen in die unschuldige Seele Trenderls gedrungen war.. Am zweiten Tage, spät an?Abend, stellte sich Hirsch Blaser wieder in der Werkstätte ein. Ter Schlosser stand init verschränkten Armen vor der Schmiedeesse und starrte in die dunkle Glut hinein. „Der Schlosser tvär gefunden", schrie Plötzlich die heisere Stimme Hirsch Blasers. — Trenderl fuhr mi^; vor ihm stand die kleine verwachsene Figur des „gcsche,ten Jüdcls". „Was für ein Schlosser?" rief er. „Fragen kann er auch noch!" meinte Hirsch Blaser mit merkwürdigem (gesichte. „Ter 4vas den Blitzableiter auf der Schul wird aufrichten", setzte er mit aller Bestimmtheit einer' vollendeten Tatsackie hinzu. Trenderl sprach anfangs kein Wort, dann sagte er lang- , sam: „Bin ich verrückt? oder seid Jhr's. Rebb Hirsch? Soll denn ein anderer beit Blitzableiter aufstcllen, als ich?" „Narr", ineinte das gescl>eite Jüdel. „glaubst du denn, man wird ei nein tausend und mehr Gulden anhängen, der imstande ist, auf ein Dach hinaufzukriecl>en und da sein Leben zu versuchen?" Der Schlosser starrte den kleinen Sprecher mit großen Augen an, schüttelte dann den Kopf, als faßte er gar nicht den Sinn des Gesagten. Mit funkelnden Augen betrachtete Hirsch Blaser diese neue Witkung seiner nierkwürdigcn Kriegslist. „Da setzt Euch. Rebb Hirsch", sagte er tief aufseufzend. „und erzählt mir ordentlich, Ibas cs mit den tausend Gulden eigentlich ist; denn mir will das nicht in den Kopf eingehen." ,Fortsetzung folgt.) Bon«. Wir machen unsere verehrten Leser auf den Sonntag den 21. Nov. hier im Saale der Fortbildünasschulc Bornhsimerftraße stattfindeilden Vorttag des Herrn Nathan Goldmann aufmerksam. Goldmann ist bekannt als glänzender Redner, der leidenschaftslos mit großer Klarheit und wirklicher Sachkenntnis die jüdischen Probleme erörtert. Gerade im gegenwärtigen Augenblick, wo iw weiten nichtjüdischen Kreisen heftig über die Judenfrage gestritten wird, wo in allen Stäuben der Antisemitismus stärker als je sein Haupt erhebt, lvo noch andererseits die Juden vor der größten Aufgabe ihrer Geschichte, hem Aufbau Palässtnas, stehen, dürfte es willkommen sein', einen solchen Redner zu hören. Die. anschließende freie Aussprache gibt jedem Gelegenheit, seine Meinung zu äußern und Fragen an den Redner zu richten. Siehe Anzeige. Essen. Am 1. Oktober trat Herr Rektor Siegfr. Graf, der Leiter der israelitischen Volksschule, in den wohlverdienten: Ruhestand. 53 Jahre stand der nunmehr 74jährige. immer noch rüstige Senior der Essener Lehrerschaft im. Schuldienst. Mehreren Generationen der . jüdischen Gemeinde hat er in unermüdlickser, gewissenhafter Pflichttre«< den Weg ins Leben gewiesen, ein gewaltiges Stück der Entwicklung des Essener Schulwesens spiefwlt sich in seinem 50jährigen Wirken. Viele Jahre hatte ihn das Vertrauen seiner Kollegen an die Spitze des jüdisclM Lehrervereins für Rheinland und Westfalen berufen. Seinen Posten als erster Kantor der Synagogcngemeinde bekleidet der rüstige Greis noch in Frische und mit Wohlklang der Stimme. Möge ein friedvoller Lebensabend sein Lebenswerk krönen. Krefeld. In den künstlerisch ausgestatteten Räumen der Heimgcstalstritg G. in. b. H. Krefeld, Breitcsttaße 68, findet in der Zeit vom 1.—15. Dezember 1020 eine Ausstellung jüdisci)er Buchkunst. Literatur. Graphik. Malerei und jüdischen Äunstgcwerbcs statt. Die OKsamtleitung liegt in den Händen des Herrn Walter Woog, des bekannten Jntcipreten jüdischer -Kunst. Der Urrrtutbole. Serlln. Jüdischer NaiionalsondS r. V. Postsclw-Ilontv Berlin NW. 7 Nr. 28 247. Bo» de» im Jahre 1920 aiisznbringende» 4 Millionen sind bis znm 9. Noveniber 1 409 592.29 M. cingezah» worden. veuel. Am I I. Dezember fiubct hier ein (lhanuka-Ball flau. Sonn. Jitdischer Jo,e,d»»r«i, „Die Kameraden". Vorsitzende: Frau .NechtSanivalt l)r. (lohn. LamStag, de» 20. November. »achniitlags 4 Uhr, 0>e»»/indehanS: (Yciicralvrrsamnilnng. Alle Mitglieder über 12 Jahre haben zu erscheinen. Jülldi. / Jüdischer Jngenddrrein. Vorsitzender: Hugo Boß. Lonntag, den 5. Dezember: (lhannkafeier nnd Ball. Neuenadr. Jüd. Jngendbund des Rheinnnd Atzrtale«. Lonntag, den 12. Dezember: (5han»kaseier »nd Ball. Näheres folgt durch Anzeige. Remagen. Am 5. Tczeinber findet hier ein llhannka-Ball statt. rmpick,. J Ai» 4. Dezember findet hier ein Vhannka-Ball statt. Gottesdienst. ' Bonn. Freitag, den >9. November: Abendgotlesdienst 4,80 Uhr. LamStag, den 20. Ngvember: MorgenqotteSdienst 9 Uhr. Minchah 3,30(Uhr. Labbaiausgang 5,35 Uhr. WerklagSgotleSdienst morgens 7'/, Uhr, abends 5 Uhr. Fahrzeiten. Bonn. Dienstag, den 23. November: tberländer. Mittivoch, de» 24. November: ü. Willstädt; B. Friedman». Freitag, den 20. November: Wrbr. 2evy. Nebst Vorabend.

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