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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-19 · 77 (19.11.1920) · p. Seite 438

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
77 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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MW^WWWWWD gmehttiie sich durch die PrAßtzabe der hebräische» Sprache und de- Sabbat» aus dem Aldentum auSgefchlöffen habe. Ebenso ttot von der konservativen Fraktion Herr Moritz A. Loeb der Fortführung von Verhandlungen mit der Reformgemeinde, entgegen. Von liberaler Seite legte demgegenüber Prof. Ti. Türk dar. daß ein prinzipieller Unterschied zwischen Reformgemeinde und Berliner jüdischer Gemeinde durchaus nicht vorhanden sei, da die Mitglieder der Reformgemeinde genau wie alle anderen Gemeinde-Mitglieder an allen jüdischen Bestrebungen lebhaften Ante i l n e h m e n. ES sei im höchsten Grade ungerecht, diese Gemeinde, weil sie in manchen Thingen einer anderen Auffasiung huldige, zurückzustoßen. Ebenso protestierte Rechtsanwalt Dr. Stern dagegen, daß die Repräsentantenversammlung sich das R « ch t a n m a ße, festzustellen, wer zum Judentum gehöre und wer nicht. Von besonderem Interesse war eS, daß Profesior Löwe für die Volkspartei erklärte, sobald die Berliner jüdische Gemeinde keine R «l i g i o n S gemeinde mehr, sondern eine Volks gemeinde sei, werde jede Richtung, auch diejenige der Reformgemeinde. die Möglichkeit haben, sich religiös Im großen Rahmen der konfessionslosen Gemeinde frei auszuleben, nur heute sei dicS noch nicht möglich. München. Die bayrische Regierung veröffentlicht folgenden Erlaß: „Staatsministerium des Jrrnern. Nr. 2304 6 28. München, den 5. 10. 1920. An die Herren Regierungspräsidenten als Staatskommisiare. Betreff: Antisemitische Bewegung. Die Einladungen zu den Versammlungen der national-sozialistischen Arbeitctpartei sind in letzter Zeit wiederholt in einer Form ergangen, die aufreizend auf die Oeffcntlichkeit wirken mußte. Auch die , in den Versammlungen gegen das Judentum getriebene Agitation überschreitet erheblich die Grenzen. Es ergeht daher die Weisung, dafür Sorge zu tragen, daß die Plakate für solche Versammlungen stets einer gründlichen Prüfung unterzogen werden und daß darin alles ausgemerzt wird, was aufreizend wirken kann. Ferner ist dahin zu wirken, daß in den antisemitischen Versammlungen die aufreizende Agitation gegen das I u d e n t u m unterbleibt. Etwa trotzdem vorkommendcn Ausschreitungen ist energisch enrgegenzutreten. I. A.: gez. Unterschrift? Wien. Wie die Wiener Morgcnzeitung berichtet, befinden sich in der Umgebung Berlins in mehrereil Kriegsgefangenenlagern 16 000 jüdische Kriegsgefangene, »velche Hunger und Not leiden. Danzig. In der Zeit von Januar, bis Oktober 1920 passierten die Auswandererzentrale Danzig 35 000 jüdische Ausnimderer. ^oleo^ London. Daily Expreß meldet, daß die Truppen des Generals Zieligowski in Wilna einen große nPogrom unter der jüdischen Bevölkerung veranstaltet haben. Außer 30 Toten sind über2000Verwundetezu verzeichnen, ferner haben die Soldaten die ganze Bevölkerung Wilnas und seiner Vororte ausgeplündert. Zieligotvski ztvingt die Bewohner Wilnas zur Annahn« von Bank- ,n o t c n seiner eigenen Emission. Wilna. Am 11. Oktober wurden die Vorsteher der jüdischen Gemeinde vom kommandierenden General der Besatzungstruppen Zieligowskis in Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit überreichten ihm die Delegierten ein Memorandum über die Fälle von Mord und Plünderung, die während der letzten Besetzung wiederum an der jüdischen Bevölkerung verübt wurden. Der General ordnete die Einsetzung einer Ausforschungskommission an, die all den angeführten Fällen auf den Grund gehen soll. Der Kommission gehören von jüdischer Seite an Herr Rabbiner Rubinstein und Rechtsanwalt Gordon. Warschau. Die polnische Regierung erließ an ihre Konsulate Instruktionen, die Auswanderung n»ch Palästina durch Gewährung von Paffen womöglich innerhalb 7 Tagen von der Einreichung an zu gewähren. Zürich. Anfang Oktober wurde das Wische Lyzeum in Großwardein mit einem feierlichen Gottesdienst durch . Oberrabbiner Kecskemeti und den Direktor des Lyzeums. Dr. Aipad HegedüS, eröffnet. Die Zahl der Schüler beträgt 200. darunter auch Nichtjuden. Untetrichtssprache ist vorläufig Ungarisch,-nach zehn Jahren wird jedoch, laut Ministerialerlaß, die hebräische Sprache eingeführt werden. (I. P. 3.) Minsk. Stach in Warschau eingetroffenen Meldungen veranstalteten in Minsk bolschewistische Truppen einen Pogrom und plünderten hierbei eine große Anzahl jüdischer Läden und Privatwohnüngen vollkommen aus. v Türkei. Berlin. Dr. Jsaac Ferrara, Redakteur der in Konstantinopel erscheinenden zionistischen Zeitschrift „La Nation", wurde zum Unterstaatssckretär im türkischen Justizministerium ernannt. (Dr. Jsaac Ferrara entstammt, wie die Zionistische Korrespondenz meldet, einer Konstantinopeler sephardischcn Familie. Er ist der Sohn eines Rabbiners Dr. Ferrara, studierte in Paris, wo er das juristische Examen ablegte. Obwohl er als Zionist in der Zeit vor dem Kriege in der Türkei großen Schwierigkeiten in seiner Karriere begegnete, brachte er es doch infolge seiner außergewöhnlichen Tüchtigkeit unter dem jungtürkischen Regime bereits mit 30 Jahren zum Procureur general (Oberstaatsanwalt). Sein anerkannter juristischer Ruf hat ihn nunmehr in eine noch höhere Stellung hineingeführt.)- Gens. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir ^Eric Drummond, hat bald nach seiner Ankunft in Genf in Begleitung seiner Sekretäre dem Obcrrabbiner von Genf einen Besuch abgestattet. Nach einer warmen Begrüßung seitens des Oberrabbiners sprach Sir Eric Drummond seinen Dank aus und erinnerte an die Taten Englands und Palästinas und an das Wirken Sir Herbert Samuels. Er hege die feste Zuversicht, daß der Völkerbund seine Pflichten gegen die Juden erfüllen tverde. Hollands y Amsterdam. Die folgenden Hilfsorganisationen: das „Komitee für die Pogromopfer in Ost-Europa", der vereinigte Verband der.„Amsterdamer Hilfsaktion für hungernde jüdische Kinder im Auslande" und die „Kommission für jüdische Transmigranten und Flüchtlinge in Holland" haben sich unter dem Namen „Amsterdamsch Hulplmrk voor Buitenlandsche Joden" unter dem Ehrenvorsitz des Ober- . rabbiners von Amsterdam, Dr. .Ondcrwyzer, vereinigt. Das Büro des Verbandes befindet sich zu Amsterdam, Beurs voor Den Diamanthandel, Wdesperplein 4, Kamer 22, und wird von Dr. Wdore Hen geleitet. Alle Zuschriften aus dem Auslande sind dorthin zu richten. Amerika. Newyork. Eine Abordnung zahlreicher großer jüdischer Organisationen Amerikas ist auf Einladung des polnischen Gesandten in Newyork, -Fürst Lubomirsky, mit diesem zu einer Konferenz zusammengetretcn, um über die Lage der polnischen Juden und diefSicheruNg ihrer Rechte zu verhandeln. Gleichzeitig ist auch eine Intervention beim amerikanischen Auswärtigen Amt geplant. Die Ta- , gring, in welcher die Deputation geivählt wurde, nahm ferner einen Bericht über di« Lage in Ungarn entgegen und beschloß eine scharfe Protestresulution gegen die ungarischen Greuel. Die amerikanische Regierung wird aufgefordert, in Ungarn zu intervenieren.

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