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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-19 · 77 (19.11.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
77 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ta kam er a» einen Ort n»d übernachtete da, den» die Sonne war nntergegangen, und er nahm ' einen von den Steinen des Ortes und tat ihn unter feinen »topf und entschlummerte dort., Ta träumte er und siehe, eine Leiter stand aus der Erde, und'ihre Spitze reichte an den Himmel und die Engel Gottes stiegen ans und nieder, Gott aber stand oben ui\6 sprach: „Ich bin der Ewige, der Gott deines Paters Abraham »nd der Gott Jfaks, das--Land, auf dem du ruhst, will ich dir »nd deinem Sdinen geben. Ttine Nachkomme» sollen zahlreich werden, wie der Staub der Erde, . . . und mit dir »nd deine» Nachkomme» werde ich segne» alle Geschlechter der Erde . . . Und ich werde dich nicht verlassen, bis ich erfüllt, was ich ' dir verheiße» habe." Ta erwachte Jakob aus seinem Tchlase und ries: Wahrlich, Gott ist an diesem Orte, itnd ich wußte cs nicht!" . ' ■ 1. Mose, 2«, 11—Ui. Manche wandern durch manchen Tag und erleben nichts, als was die Stunde ihnen aus dem feilen Marktkorb derAlltäglichkeiten reichte Manche brauchen nureinenSchritt hinauszutun auf die Gasse der Welt und werden mit Fruchten und Blumen aus dem Füllhorn der Wunder überschüttet. Sei's, daß es an ihren tieferen klugen liege, sci's, daß sie unter glücklicherem Stern gebo^n, das Außerordentliche ist einmal ihr Tisch- und Weggenoß, und jedesmal kehren sie reicher heim. Aber auch unter diesen wieder gibt Aus uorcne, deren Art zu erleben so einigcinzig ist, daß. ivas sie sehen und hören an Zeickserz und Wundern, für alle Zeiten und Geschlecht-r stehen bleibt als ewiges Erlebnis. Ein solctser Erleber lvür der Stammvater Jakob. Träumen tut manck-er, mit geschlossenen und offenen Augen. Sein goldener Leitertrauin aber init den Engeln, die auf- und niedersteigen, und dem Glanze des verheißenden Gottes drvben, ist den Weltmillionen zum ewigen Bilde gelvorden. Ein Bild, das ferne Geschichte l-at. Vom rauhen Bogt Jeroleam an, der die Stätte des Jakobstraunies seinem Volke zum Heiligtum lveihtc, über die Meister der Malerei, die es im Bilde festgehalten, bis zu den leuchtenden Augen der Kinder in der Schule, die gus dem Elend des heimatlose» Wanderers Jakob und der rauhen Wirklichkeit des harten Steins unter feinem Haupte noch heule dieses wunderbare Traumleben in bebender Spannung erblühen sehen, — ist die Stätte Bethel ein wahres Himmelstor für fühlende Herzen geblieben, wie sie Jakob ein Himmelstor tvar. ° „Und hob' ich kein Herberg. . So lieftj ich zur Nach! Wohl unicrm blaue» Himmel, Tie Sterne halten Wacht. . Jül Winde die Linde, t, Tie wiegt mich ein gemach, Es küsset in der Frühe - DaS Morgenrot mich wach!" Geibels Mailieö schildert auch eine Nacht unter freiem Himmel, und wer wollte oder könnie sich dem Zaulvr solcher Empsindungen entziehen. Das aber ist pure momaiuik. Was Jakob erlebte, ist mehr, tveil in seinem Erlebnis sich dem Zauber der Empfindung der Zauber des Göttlichen paarte, und Mil sein Erlebnis'— und das ist das Großartige aller biblischen Erlebnisse — zur Teulung des ganzen Lclw'irS wird. d. h. gar nicht für sich allein zu empfinden und zu begreifen ist. Abrahams Sternezählen, Jakobs Leitertrauin und Engelskampf. Josefs Lonne, Mond und Stellte lasten sich von einander nichr trennen und sind im Grunde nichts anderes als der starke Gedanke der Anscrwählung, der das Leben der Väter erhöht und geadelt hat. In diesem Sinne ist — umgekelm gesagt — auch Auserwählung nichts anderes als die große Gabe des göttlichen Erlebens, und auch der Sinai erhält seine lewe Teulung nur durch die Gollesschali der Fünsmalhunderitä.lfend, das Erlebnis eines ganzen Volkes. So loird Erlebnis zu einer jüdischen Sache und Wiedererlebnis zur Pflicht der A'achgeborenen. Alle Erneuerung, des Juden gehl durchs Erlebnis, und was nicht durchs Erlebnis'gehl, bleibt in der Neuerung stecten, die von Übel ist. Ja, es ist ein Unterschied zwischen Neuerung und Erneuerung, zwischen Neform und Reformation. Reformen einsühren ist ein Kinderspiel der Ungebildeten; wer ein Reformator'werden will, muß erst einmal r>erjncht haben, ob er an, Steinen schlafen und doch den-Himmel offen sehen kann »nd goldene Birgel, die aus,und nieder steigen. E m ilEo h n. » «i»afliTaiai«anBSPKiisisiiaiBK%a» i«* ««ssmsrl» i 31 i ü {Hocbenlcbau. L I ü .1 j ® Tatsachen und Ergebniste. « , Ä q B?St>SSZ8U»IWSSVl»SKS W» IkLSSLW Et» J>£5> Int* l»L!S Deutschland. Berlin. In der lepten Sibu.ng der Repräjenianlenvcrsaininlung der Berliner jüdischen b>>eineinde forderte ei» Vertreter der. liberalen Fraktion Auskunsl über den Stand der Verlstindlungen mit der sogenannten „R e s o r m - g e in eint) c" in Berlin »egen deren Eingemeindung. Bekanntlich halt diese Gemeinde ihren Haupigviiesdienst am Sonntag ab, verrichtet die Gellte unbedeckten Hauptes und genügt auch sonst In ihrer Liturgie de» radikalste» Forderungen des äußersten linken Flügels. Tie thefa^mgriiieinde möchte feir langem aus'finanziellen ('Hüii den in die große jüdische (Gemeinde ausgenommen iverde». hat aber bisher einen Erfolg damit nicht erzielt. Tie Vertreter der jüdischen Volkspariei (Tr. Klee und Vrosessor Tr. Löir-e) bekämpfte» die Aufnahme, weil die Reform-

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