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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-12 · 76 (12.11.1920) · p. Seite 432

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
76 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
Seite 432 (sequence 4)
Language
German
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Gleisanschlüsse zwischen der Eisenbahn und' dem -ukünftigen Hafen zu legen. Der dmch den Verkauf der trocken, gelegten Plätze erzielte Betrag wird fast die gesamten Kosten dcS Hafenbaus decken, so daß der Hafenbau billiger sein ivird als derjenige der anderen palästinensischen Häfen. So« bald die Finanzierungsfrage. über die gegenwärtig noch Bcrliandlungen gepflegt »»erden, erledigt ist, wird man — wohl noch in diese», Winter — mit der Arbeit beginnen.' ■ S» Crendcrt Eine Geschichte auS Böhmen von Leopold Somprrt. lJortsetzung.) Trenderl bis; sich nach diesen höhnischen Worten grimniig in die Rippen, es juckte in seiner Faust, sich an dem iH'riulnci seines.Handwerkes zu vergreifen; doch unterließ c, .aus Ebrfurcht gegen das „gescheit Jüdel" jede tätliche Widerlegung. Al»cr das Blut flammte in seinen Adern. »Ein anderer dsirfie mir das nicht sagen, Rebb Hirsch," subr er ihn kurz, aber tief entrüstet an. ..Ein Jud' darf dem andern alles sagen," Meinte Hirsch Blaser, den die gehciinen „Instruktionen" von Mindel Brandeis nickn ruhen-ließe». „Hätten sie mich nur gefragt, >vie sie dich »ach Dien in die Schlosicrei geschickt-haben! beider Gvll's hat aber der arme gemeine Mann bei-uns »ick,is z» sagen. Jetzt wärst du schon ein reicher Mann, wenicistcus einer, der auf die Tasche schlagen und sagen könnte, da flingt's." „Und n ie hättet Ihr das angefangen, Rebb Hirsch?" mußte der Schlosser trotz seines früheren Grolles gegen ihn lachend ausrusen. „Man muß ja doch einmal wisien, wie »>a» zu Geld kommt?" „Wie ick, das augefaugen hätte?" cntgegnete Hirsch Blaser, „Tas sollst du gleich hören. Zuerst hatt' ich dem, der,von der Schlosserei geredt hat. die Zähne eingeschlagen; das >oär' vor allem andern geschehen. Dann hätte ich dich lnrgenoinmeh und hätte dich gefragt: Trenderl, kannst du mir sagen, wieviel zn»ci mal ztvei ist? Und »>enn ich gehört baue, daß du drauf nicht fünf sagst, hätt' ich fünf Gulden berausgezogen und zu dir gcsagtt Trcnderl, das sind fünf Gulden. und die gehören dir ganz an, du kannst damit schallen und Milten wie cS dir cinfällt; du kannst dir Zündl'ölzck-en dafür kaufen und sic wieder Erkaufen, du kannst sie auch vernaschen. Sieh dir sic aber gut an; diese fünf Gulden sind für dich jetzt eine Million! In Wien da ist vor Glichen sechzig fahren ein Miiib mit Pfeifcnschwamm und Lialll gestanden auf der Brück', wo man in die Leopoldßad! hinausgeht, und im vorigen Jahr, da haben sie in Wien einen Mann begraben — wie die dessen Testament aufmache». da sind zehnmal soviel Millionen da, als'ich dir jetzt fünf Gulden zeigen Sieh dir sic daher genau an — und jetzt geh in Frieden. So hätt' ich mit dir geredt! Meinst du, das lväre ein schlechterer Rat gewesen, als der, dich in die Schlosserei zu stecken?" Trenderls Kopf begann von dieser Rede wirr zu tverdeu: u gs das „gescheit Jüdel" da vorbmchte, hatte gewistermoßen einen Sinn; auch stand Hirsch Bläser nicht in dem Ruse, daß er etiras sagte, worüber man nicht nachzudenken hätte. Der junge Handuerker war in der Kunst, die manche' io vortrefflich verstehen, nämlich Schlag auf Schlag'dem Gegner zu versetzen, bis er am Boden liegt, nur »venig erflchreu. Ja! trenn cs mit den Fäusten hätte abgemacht >norden können! So aber hatte er daS „gescheit Jüdel" vor sich, und dieses ragte in seiner Kleinheit und Unbedeutendheit weil über die breiten Schultern des Schlosiermeisters hinaus. » v Als Hirsch Bsicher die Wirkung seines ganzen Kriegs- Planes, >rie sic so augenfällig in den gekniffenen Lippen Trenderl» und dessen in Kulten gelegter Stiriie hervorümt, bemerkte. schwieg auch er «ine kurze Weile; dann um das Eisen nicht ,^u»kühlen" zu lassen und dem Handwerk« nicht die Zeit zu gönnen, sich von der Wucht seiner Beweisgrüüde zu^erholen, rief er: „Eilsen Schlosser haben sie aus dir gemocht, und' was' heiter? fragt man sich. Gib du einem Schlosser fünf Milden in die Hand und frage ihn am Ende vom Jahre: Schlosser, was hast du mit dem Gelbe getan? Entweder er hat sie nicht angerührt oder sic sind tot in seiner Hchod ge- > blieben. Das Kind, dem man auf der Leopoldstädter Brücke Pfeifenschwamm und Stahl-abgekauft hat, das Kind hat Millionen hinterlassen l Nimm aber an, man hätt' das Kind in eine Schlosserei gesteckt," Trenderl. Wie der gestorben wär', hätt' man müssen die Mäuse aus allen Löchern herausjagen, um zu sehen, ob etwas dort versteckt ist. Mit Lichtern hätt' man suchen müssen, um einige hundert Gulden zusammcnzuklauben, damit die Witwe und die Kinder nicht verhungern. Warum ist er auch ein Schlosser ge- „ worden?" Der Schlosser zog um diesen Augenblick aus der feurigen Glut das längst bereite Eisen hervor, um es auf den Amboß zu ttagen. Während deit Hämmerns schien der Geist seines Handwerks wieder mächttg in ihm geworden. Plötzlich hielt er inne, und übel, launig, fast bitter gereizt, sagte er: „Geht, geht Rebb Hirsch, mit Euren Reden; man kann schier den Kopf davon verrückt bekommen, hött man Euch lange zu. Wenn es nach'Eurem Sinne ging, so hätte ich das Gescheiteste getan, tvenn ich die ganz« Werkstätte da auf die Gasse hinauswerfen und mir alte Westen und Schnupf- ' tücher drin aufhängen möcht'." ' „Und wenn?" meinte Hirsch Blaser mit merkwürdig schlauem Gesicht, „dein Unglück wär's vielleicht? Sei du nicht blind und mach die Augen weit auf und werde fehedig.' Himmelhoch bitt ich dich, schlag du dem Glück nicht aus; das kommt nur einmal und nicht wieder." „Was für ein Glück?" rief Trenderl, verwundert über den sonderbaren Eifer des „gescheiten Jüdels". Da stellte sich Hirsch Blaser kcrzengrade hin, un.d sein Gesicht zeigte einen Ernst, der das Wichtigste verkünden sollte. ' „Trenderl," rief er feierlich/ „tausend Gulden, und wenn du mehr brauchst, noch mehr will dir einer borgen und brauchst dich dafür picht einmal zu bedanken. Man hat niich hergeschickt, dir das zu sagen." „Mir tausend Gulden!" schrie Trenderst „und für was und von tvem?" „Für was?" höhnte das gescheite Jüdel nach-,"„hat der Hahn sagen können, der einen Edelstein auf dem Mist gefunden hat! Aber einer, besten Vater m seinem ganzen Leben keine fünf Groschen im Sack hat gehabt, soll das fragen? Und von >vem? Das geht dich nichts an. -Einer hat sich den Spaß ausersonnen und will aus Trenderl Schlosser etivas machen, woran Gott und die Menschen ihre Freud' haben — wenn er nämlich will?" „Wer wird nicht wollen?" rief der Schloster unbedacht. „Es gibt schon Leut' in-for Welt," meinte Hirsch Blaser tückisch, „die lieber alte Schlüssel Herstellen und aufs Dach hinaufsteigen und einen Blitzableiter auftichten." „Wie heißt?" fragte Trenderl verblüfft. „Soll ich vielleicht keine Schlüssel machen? Und ist mir nicht aufgetragen Wörden, den Blitzableiter auf dem Dach der Schul' aufzurichten?" „Hör' an, Schlosser," sagte Hirsch Blaser ernst, „bloß ivegen einem''Spaß wird man dir nicht ein so groß Stück Mld anhängen. Da dafür muß man sich zu etwas hergeben. Ein Narr wird einer sein! Geld aus seiner Tasche nehmen, damit es wie ein Stück Eisen da im Ofen' zusammenschmilzt? Wo Geld ist, muß Geld dazukommen." „Ich versteh' Euch nicht', Rebb Hirsch," sagte der Schloster ganz verwirrt. „Trenderl, verstell iiich nicht!" rief das gescheite Jüdel mit geheucheltem Zorn. „Du weißt sehr gut, was ich will."

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