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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-11-12 · 76 (12.11.1920) · p. Seite 431

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
76 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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IfrfeL Zürich. In Konstantinopel harren nwhr als 1000 Emigranten auf Einschiffung nach Palästina. Hauptsächlich Flüchtlinge aus Südtirol und dem Kaukasus, darunter auch spaniolische Juden, die vor Kemal Paschas Banden geflüchtet sind. England. Lo-don. In der vergangenen Woche haben hier jiuei Versammlungen stattgefunden., in denen Ehajitn Weizmann zugunsten des Keren hajefsod über die zionistischen Fragen gesprochen hat. Eine dieser Veranstaltungen — ein Massenmeeting der English Zionist Federation — wurde von (Sir Alfred Mond, dem englischen,Verkehrs»iinistcr. geleitet, der bei' dieser Gelegenheit zum ersten Mal in breitester Öffentlichkeit sich an einer zionistischen Aktion in leitender Stellung beteiligt hat. Anläßlich der Aussprache. welche den Reden folgte, gab Weizmann einige wichtige Erklärungen-ub. Danach^ wird das Mandat folgende Punkte enthalten: 1. den Beschluß von San Remo, \ 2. die Verpflichtung Englands, mit'allen Mitteln die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu fördern, 3. die Bestimmung, daß bei der Regierung in Palästina eine stälrdige Vertretung der Zionistischen Organisa-' tion sowie der anderen am Aufbau beteiligten jüdischen Organisationen eingesetzt wird. Außerdem Norden in einem besonderen Vertrage die Beziehungen zwischen der Zionistischen Organisation und der Mandatarmacht festgelegt, insbesondere betreffs des Einflusses der Zionistischen Organisation auf die Besetzung des Postens des Oberkommissars. .London. Die Konstituierung des .Hauptbüros des Keren Hajessod in London ist nunmehr erfolgt. Es ist beschlossen worden, die Legalisierung des Keren Hajessod sofort in die Wege zu leiten. Ein Direktorium ist bis zum nächsten Zionistischen Kongreß eingesetzt worden. Die Herren Dr. E. Feitvel, W. JabotinsÜ), I. Naiditsch und H. Zlätopolsky wurden zu Direktoren ernannt. Sekretär des Direktoriums ist Herr Lew Herrmann. Tos Hauptbüro für Organisation und Propaganda befindet sich in 75 Great Russell Street, London, W. C. 1. Cejnc Tclegrainniadrcsse ist: Kerjessod London. London. In einer Rede in der Asscmbly Hall in London teilte Professor Weizmann, Vorsitzender der Zionistischen Exekutive, mit, daß die palästinensische Negierung die Urbarmachung von zunächst einer Million Tunam Boden zu Kolonisationszwecken der Zionistischen Organisation übergeben wird. Diese Arbeit wird ungefähr 3 Millionen Pfund kosten. Weiterhin soll ein großer Plan zur Ausführung kommen, -ey die Bewässerung des Landes und gleichzeitig die Schaffung von Elektrizitätsquellgnaus den im Lande vorhandenen Flüssen bezweckt, Ferner soll, sobald die Fragt des Hppgthekarkredits geregelt ist, der Wohnungsbau mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse in die Wege geleitet rverden. Palästina. y Jerusalem. Die erste Sitzungsperiode der Aßcfath Niwcharim (Jüd. Nationalversammlung) ist geschlossen. Es wurden eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, in dcucn sich die Versammlung u. a. als-die höchste Jnstarzz für alle öffentlichen^und nationalen Angelegenheiten des jüdischen Volkes in Palästina und seine einzige Vertretung nach außen und innen proklamiert. Die nächste Session soll iin Mai stattfinden: ihre Tauer in der Session selbst bestimmt werden. Inzwischen führt ein von der A. N. gelväbltcr Nationalrat, bestehend aus etwa dein 10. Teil des Plenums, die Geschäfte. Er soll für die Legalisierung der A. N. und der von ihr geschaffenen Institutionen sorgen, bis zum Mai einen allgemeinen Steuerplan für die Bedürfnisse «©fcnWäk bk ». 9?. W bk kommunale und Kolonievertretung und ein Gemeindestvtut ausarbeiten und sämtliche Projekte der nächsten Session vorlegen. Das Budget wird von der A- N. selbst l>estiinivt und der Nationalrat beauftragt, es auszübringen. Tie Frage der Beteiligung der Orthodoxen ist in der Art geregelt, daß deren Nachwahlen mit de» Stimmen der Rechten und des Zentrums, bei Stimmenthaltung der Linken, anerkannt ivurden. London. Tie ersten Bürgerpässe im neuen Pilläsrina lrvrden jetzt in den drei Landessprachen ausgestellt. Ter Paßinhaber wird darin als ».Palästinian Subject" mit Angabe seiner Nationalität (Jude;' Araber, Deutscher usw.) oder auch ohne diesell>c gekennzeichnet. Er steht'unter könig- . lich britischem Schutz und seine'Interesse»'werden im Ausland durch die diplomatischen Vertreter Großbritanniens wahrgcnvmmen. Diese neue Ordnung der Tinge hat eine große Vereinfachung in den Lieiiesormalitäten gebracht: wer Nachweisen kaum daß/er im Moment des Einzuges der britischen Truppen kn Palästina oder vor dem Kriege im Lande ansässig war. erhält ohne Rüclsscht auf seine frühere Rationalität oder Staalszugehörigkeit einen Palästinapaß. Der Hafenbau in Jaffa. V Ter ..Haaiez"-Jcr»salem schreibt: Bereits während des alten türkischen Regimes not die Rivalität zwischen Jaffa und Haifa zutage, von denen jede Stadt der zukünftige Hasen Palästinas werden wollte. Tie rasche Entwicklung des Landes, die mit der Übernahme der Zivilverwaltung durch Sir Herbert Samuel eingetleieu ist, hat die Frage „Jaffa oder Haifa" akut.gemacht. Bei seinem letzten Besuch in Haifa versprach Samuel zwar. den doktigen Hafen erweitern zu lassen, doch scheint er geneigt zu kein, Jaffa zum giößten Hasen Palästinas ansbauen zu lassen. Tic Jaffaer Kaufmannschaft hat eine» Verein gegründet. der sich mit der Frage des Hasenkrues in Jaffa beschäftigt und Schritte unternommen hat. »in sich nicht von Haifa überflügeln zu lassen. Ter Vorsitzende dieses Vereins, dein jüdische wie arabische Kaufleute angehöreu. Herr Tolkowsk». erklärte dem Korrespondenten des ..Haare.;", daß dieser Verein sich mit einer großen Hasenbausirma in Verbindung gesetzt hat, die auf dem Gebiete des Hafenbaus im Mittelmccr große Erfahrungen hat und bereits einen Plan für den Jaffaer Hase» entworfen hat. Tie «Gesellschaft hat ihre Ingenieure nach Jaffa entsandt, um die notwendigen Vermessungen vor",»nehmen. Rach diesem Plan wird in Jaffa vorläufig ein mittleier Hasen angelegt, der 10 große Schiffe von je '>000 Tons fassen kann.. Ter Hasen wird 30 Fuß tief sei» und eine besondere innere Mole für Segelboote und tleincre Barken haben. Tie Arbeit wird zirka 3 Jahre dauern. Nach einem Jghre wird die Mole für Segelboote und Barken seriiggestellt sein. Tie Gesellschaft bringlFacharbeiler aus Europa mit. doch werden auch 300 eingeborene Arbeiter, Juden üud Araber, beschäftigt imbc». Ter Plan ist derart, daß bei der Steigerung des Verkehrs der Hafen erweitert werden kann, ohne daß. irgend welche Zerstörungen nvttveiidig sind. Ter Hasen wird nach den neueste» technischen Methoden gebaut und mit den modernsten Maschinen und Hebewerke,mini verleben. Tie Gesellschaft will dafür sorgen, daß wahrend der Bau-eit der anliegende Teil der Stadt sich im besten saniiäreu Znslande befindet. Ferner, werden Vorkehrungen getroffen, daß bei der Ausschiffung von Personen, wie bei der Löschung der Ladungen, die Schissrralten. die bekanntlich Kraukheiulräger sind, nicht ans Land kommen können. Ein besonderer Platz wird für Raphtabaisins reserviert, trelcbe die.mit R'aphta hei-enden Schisse versorgen sollen und die. nachdem die in Palästina vorbaudene-t Roplnagnellen erbhlosse» lei» werden, durch direkte Rohrleitungen das-Ravh'a wgeiülirt erhalten. Durch deir .Hasenbau wird ein Slüch des Meere-? bodens trocken gelegt', wo inan Pack- und Lagerhäuser sowie sonstige Gebäude wild aussühren lönneu. Ter Verein hat von der Regierung bereits die Erlaubnis erhallen. .V

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