Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 76 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■Jtofün foir %!*!fcfa*rfe Kr tzchftWk. . .. „WirAich nichts mrinft HirsL Blaser mitleidig. „Man muß dir wirftich mit Km Löffel in Kn Hals? Gut! ich will dir'S, sagen." Der Schlosser legte das Eisen wieder ins Kohlenfeuer ima jtemmte die beiden Arme in di« Seite, um die Aufschlüsse des gescheiten Jüdcls besser anhören zu können. (Fortsetzung folgt.) Die Kolenlasche. DaS Geschäft Fines polnischen Juden'). Bon llhaji» Bloch.- Byron Manteuffel und Baron Rothschild gerieten einmal in einelt eigentümlichen Streit. Manteuffel behauptete, ein polnischer JuK würK des GolKs wegen sogar seltnen Glauben verschachern. Rothschild widersprach und sagte, daß sogar aus Kn Unarten Ks polnischen JuKn seine Vorzüge Herborleuchten, -und möge er aucst geldgierig sein, so stehe er, was Kn GlauKn anKtrifft, auf Kr höchsten Sittlichkeitsstufe. Die beiKn EKlleute Kschlossen nun, Kn erstbesten polnischen JuKn, Km sie im Wiener Ghetto Kr Leopoldstadt Kgegnen würden, diesKzüglich zu prüfen, und sie wetteten um einen KdeutenKn Betrag. Sie begaben sich in die Leopoldstadt und trafen eitlen ostgalizischen JuKn, Ksfen auffallenKs Außeres sofort seine Nationalität erraten ließ. Manteuffel, der Kn jüdischen Jargon Kherrschte, sprach ihn. an: „Friede mit euch, Vetter! Von wo seid ihr? Und welches Geschäft möchtet ihr schließen?" Der halKrschrockene JuK erwiderte: „Ich bin aus Brodny und kam nach Wien, um mir eine Nahrungsquelle zu suchen, K ich zu Hause ein Weib und' neun Üeine KirKr haK. Ich hoffe hier durch Hausieren oder Trödlerei Kn Lebensunterhalt für meine Familie zu finden." - . Manteuffel erkannte an Kn Gestikulationen des JuKn seine Geschäftigkeit und ftagte ihn: „Und reich werKn möchtest du nicht?" Der JuK erwiderte: „Dies kann nur auf eine wunderbare Weise geschehen; bei Gott ist nichts schwer." Manteuffel lud Kn Mann < in seine Wohnung. Als sie dort anlangten, legte Manteuffel 50 Tausendkronennoten auf-Kn Tisch und sagte: „Du kannst diesen Betrag gleich bekommen, wenn Kt an drei Dinge glaubst." Der JuK bebte vor FreuK; auf einmal würK er Kr reichste Mann in seinem Heimatorte sein! Und er dachte, Kr fremK Herr sei kein geringerer als der Prophet Elias. Ohize viel Erwägen sagte der gänzlich außer sich geratene JuK: „Ich glauK an eure drei Dinge und bitte um die fünfzigtausend Kronen. Ich werK als Reicher in meine Heimat zurückkehren und mich von nun an Km Thorastudium und der Wohltätigkeit widmen." Manteuffel und Rothschild lachten und der erstrre sprach: „Ihr sollt zuerst die drei Dinge wissen, an die ihr zu glauben habt, dann erst werK ich euch die Summe allszahlen." Ungeduldig und etivas mißtrauisch crlviderte der JuK: „Gut, dann sagt schnell eme drei Dinge, ich nmß sollst meines Weges gehen." „Die drei Dinge, die du glauKn mußt, um die fünfzig Tausender zu bekommen, sind folgende: Erstens daß Jesus Christus der Sohn Gottes war. zlvcitens daß die Enchfängnis Mariä, der heiligen Jungftau, vom Heiligen Geist kam, drittens daß Jesus starb und nach Km ToK in den Himmel hinaufstieg^ Nun sage: „Ich glauK", und hier sind die fünfzig Tausender." Der JuK wurK totenbleich, schwere Schweißtropfen begannen von seinem Antlitz zu rinnen. Nach einer Weile 1) Unter dem Titel „Ostjhdischer Humor" im B. Harz-Ver- , lag, Berlin, demnächst erscheinenden Sammlung von Anekdoten «nd Parabeln von Chajim Bloch. -'Vi' T «s . . * ‘ * •«• » ' Krr: Größewßrvlknr mkr verlangt; 1km ein Ä Geschäft ftu Machen, muß ich Bedenkzeit haben." Rothsimld schaute halb triumphierend seinen Freund an. 'Dem Juden wurK eine dreitägige Bedenkzeit bewilligt. Schon am nächsten Tage erschien dieser zur bestimmten Stunde Ki Manteuffel und ftagte, ob er zu diesem Geschäft einen Kompagnon nehmen dürft. Maisseuffel wähnte, er werK nun anstatt eines JuKn zwei bekommen. und er willigte ein. Nach einigen Augenblicken erschien Kr JuK in Begleitung eines nichtjüdischen Landsmannes und er sagte: „Der ist mein Kompagnon. Wir haKn verein, bart, daß jeder zur Hälfte an die drei Dinge glauK, und . teilen die fiinfzigtausend Kronen. Ich glauK mm erstens, daß Jesu» ein Sohn war — an Gottes Sohnschaft glaubt er, zweitens glauK ich an die Empfängnis Mariä — daß diese vom Heiligen Geist war, glaubt er, drittens, daß Jeslls Christus gestorben ist — daß er nach dein ToK in den Himmel hinaufstieg, glaubt er. Und nun bitte ich, uns die fünfzigtäusend Kronen auszuzahlen." 9 Scherzfrage. Wer war Kr erste Antisemit? — Äll, denn er gab dem „Kahn" einen Trittt * Vor Km Tefillenlegen morgens darf nichts genossen luerKii, das weiß jeder. Kr schon einmal Tefillen gelegt. Wie schlau, philosophierte da einmal ein Melamed. wie schlau, hat doch Gott es eingerichtet, daß alle Juden müssen am TischohKw fasten! Hat er einfach gesagt, sie sollen nicht Tefillen legen an Tischohbaw! Und nun versuch' mal einer zu essen, Kvor er Tefillen gelegt! — E. C. Mißverstanden. Geheimrat X., Kr berühmte Kliniker, führt im Kolleg seinen StuKnten Kn Krankheitsfall eines annen polniscKn JuKn vor und Kmerkt zum Schluß: „Sic seKn. meine Herren, Kr Fall ist nicht hereditär (erblich). Die Eltern Ks Patienten sollen leKn und gesund sein:" „Sie auch, Herr Professor!" cnvidcrtc gerührt der Patient. Silbenrätsel. Bon S. Löb, Köln. Auü nachstrhcnden Silben sind 12 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen AuSspruch und den Namen eineberühmten (jüdischen) Belehrten ergeben: «, al, es, de, de, che, chl, do, e, ga, heb, 1», lau, jaw, II, lisk, lu, mie, na, nau, ne, ni, o, sei, slm, son, ta, ti, tik, aet. Die Wörter bedeuten: I. all« Wissenschaft, 2. gesistrauh, ». Dichter, 4. Prophet, b. sranzös. Fluh, 6. bibl. Held, 7. Land in Asien, 8. Säule, 9. Wisienschaft, 10. Komponist, 11. König in JSrarl, 12. Borstadt Volk Konstantinopel. Kücherfchau'). . Jndeustreik. Roman von Mac Mcricn. Buchtunstvcrlag, Bad Rcichcnhall. Das Buch ist zur (Zeit der Hochflut des Anliseniitismus (1919) .geschrieben und soll ein« Mahnung an daS dcuiscke Volk sei», de» so ^..segensreichen EinschnielzungSprozeh" dcr deulschen Hilden nicht zu stören. Ter Verfasser spielt mit dem Gedanken eineS >» Berlin auSgebrochencir Pogroms. -Zur Abwehr trete» die Juden in gan» Teutschlaiid auf de» Ausruf eines junge» Itüusliers, der plötzlich wieder an sei» Judescin erinnert wird, i» de» Generalstreik ei». Tie Folgen dieses Streiks, a» dem sich znletzt die Jude» der ganzen Welt beteilige», zwingen die deutsche Regierung, de» Jniwn Genngtuung und Sicherheit für die .'Zukunft z>k gewähren. Ter Traum deS BerfäsierS. der in leichtem Unterhaltung«)?» die schtverfte» jüdischen Probleme, streift, steht im krafscsten Gegensatz zur Wirklichkeit. Gegen die Pogrome in Polen »nd Ungarn erhebt sich kein streik und nicht einmal ein Protest der übrigen Judcnheit. I. H. Das Jüdische Jugendbuch, herauSgegebe» von M'. 2 lei »Hardt, Heinrich Loen>e und 15.. >j. itlötzel. Wcltverlag, Berlin 1920 — 5681. Preis 25 M. 1) Alle hier besprochenen Bücher sind durch den Bolcnverlag zu beziehen