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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-29 · 75 (29.10.1920) · p. Seite 423

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
75 (29.10.1920)
Date
1920-10-29
Page
Seite 423 (sequence 3)
Language
German
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(UHU, B«i . bkewoork. Laut einem Telegramm aut Litauen von dem Abgesandten des People Relief Committee (Sus Newyork) befinden sich in Kvwno und Umgegend 50 000 jüdi. sche Flüchtlinge aus Wilna, Die lokalen Wohlfahrtsinstitutionen find nicht imstande, um die Leiden der Unglücklichen ^u lindern. Deshalb veUangt der Delegierte größere Geldmittel. — Bei den Exzessen in Wilna sind 30 Juden getötet worden. Es wird behauptet, daß die jungen Leute in Wilna zwangsweise in die Armee SeligowSkis eingereiht werden. - Frankreich. Paris. Auf eine Eingabe der Miance Jstaelite Universelle an die Regierung um eine Intervention zugunsten der Juden in Polen antwortete diese, daß es sich bei den Mißhandlungen in Polen nur um Einzelfälle handle, daß ferner eine Verständigung in die Wege geleitet sei und daher keimGrund zur Einmischung vorliege. ' Italien. Triest. Ein polnischer Auswanderungshafen soll hier eingerichtet werden. Es soll der gesamte Auswanderungsverkehr aus Polen nach Palästina und Amerika und der Rückwanderungsverkehr aus Amerika nach Polen in Triest konzentriert werden. Der polnische Auswanderungs-Verkehr nach Palästina dürfte in naher Zeit einen außerordentlich großen Umfang annehmen. Bei pen polnischen Behörden haben sich bereits 250 000 Staatsbürger jüdischer Konfession gemeldet, welche sich dauernd in Palästina ansiedeln , wollen. Die italienische Regierung hat sich, um diesen Ver- ' kehr zu ermöglichen, bereit erklärt, Polen eine größere Anzahl von Lokomotiven und Waggons zur Verfügung zu stellen. Berlin. Die jüdische Gemeinde einer Stadt Oberitaliens will eine Sägerei auf genosienschaftlicher Grundlage einrichten und ist bereit, zu diesem Zwecke etwa 30 jüdische Schreiner aufzunehmen. Jnteresienten werden gebeten,- unter ausführlicher Angabe der vorhandenen Papiere sich sofort an das Jüdisch eArbeitsamt. Berlin, Monbijouplatz Nr. 1, zu wenden. Bedingung sind strenggläubige Juden, die Schabboth halten. Schweiz. . Basel. Hier fand am 10. Oktober eine von allen Parteien besuchte Konferenz zur Regelung der jüdischen Wanderung durch die Schweiz statt. Es wurde beschlosien. das Hilfswerk in der Schweiz zu zentralisieren und die in verschiedenen Städten arbeitenden Komitees zu vereinigen. Zürich. Tie in Engelberg versorgten jüdischen Kinder auS Deutschland (79 Knaben und Mädchen) sind alle gut erholt in die Heimat zurückgekehrt. Es bleiben noch 25 tuberkulöse Kinder zur Pflege zurück. ' Bulgarien. Sofia. Hier wurde, laut „Haolam", eine bulgarischpaläststtenstsche Bank gegründet, die den Zweck verfolgt, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bulgarien und Palästina zu pflegen und sich finanziell und kommerziell in Palästina zu betätigen. Halland. Den Haag. Die Gesamteinnahme des jüdischen Nationalfonds für i>ie ersten neun Monate des Jahres 1920 beträgt 21 860000 M. Amerika. Newyork. In den letzten Wochen sind fast 90 000 jüdische Immigranten in Amerika gelandet. Da zahlreiche Farmer ihre Arbeiter gern unter den Einwanderern rekru. tfeven möchten, will der EinwanderungSkommiffar den beim Einwanderungsbüro bestehenden Arbertsnachweisdienst ausbauen und auf die Immigranten einwirken, sich statt der Fabriksarbeit den landwirtschaftlichen Arbeiten zuzuwenden. . ' V BaUHHim. Jerusalem. Die Frage der Amtssprachen in Palästina ist bereits dahin gelöst worden, daß Hebräisch. Arabisch und Englisch als gleichberechtigte offizielle Sprachen zu betrachten sind. In Verbindung hiermit hat nun Oberkommissar Herbert Samuel den britischen Staatsbeamten die Pflicht auferlegt, binnen 6 Monaten die Elemente der beiden Landessprachen (Hebräisch und Arabisch) zu beherrschen und im nächsten April ein amtlickies Examen darüber abzulegen. Tie Prüfungen in Hebräisch tverden von der von den Zionisten gegründeten hebräischen Sprachakademie (Waad Halaschon) abgenommen, welche amtliche Anerkennung gefunden hat. Die hebräisch-arabische Aufschrift tragen auch die Eisenbahnfahrkarten, Ctationsjchildex usw. Berlin. Seit dem 1. Oktober n>erden, wie die „Zionistische Korrespondenz" mltteilt, auf allen Bahnhöfen der palästinensischen Eisenbahnen Fahrkarten mit hebräischen Aufschriften verkauft. Zürich. Aus dem aussührlick>en Auszug der I. P. Z. von dem palästinensischen Clesetz über Bodentransaktionen geht hervor, daß die Beschränkungen des Bodenkaufs und Verkaufs jederzeit vom Lberkommisiar ausgehol>en norden können. Er kann jede Bodentransaklion gestatten. tvenn er davon überzeugt ist, daß dies zum Wohl der Allgemeinheit geschieht, zum Beispiel eine solck-e Transaktion, die der Karasterverivalter an sich nicht durchführen kann, sei es wegen des Wertes oder der Größe des Bodens, oder tveil der Käufer kein palästinensischer Bürger ist. Jerusalem. Um das Schulnierk in Palästina zu fördern, haben, da öffentliche Mittel zurzeit nicht in genügeifl dem Maße zur Verfügung stehen, die jüdischen Lehrer Palästinas beschlosien, Freistunden im Werte von 1000 engl. - Pfund monatlich zu geben. Jeder Lehrer überniinnu zivei Wochenstunden, die nicht honoriert irvrden. Auf diese Weise können/ noch einige Klassen eröffnet werden, und diese Klasien sollen vor allem den neueingewanderten Arbeitern zugute kommen, um ihnen die Erlernung der hebräischen Sprache und der für die Arbeit im Lande notwendigen Kennmisse zu ermöglichen. Jerusalem. (I. C. B.) Einen großen Ernduck machte hier die Ankunft einer großen Zahl von Zionisten aus Sibirien, die nach unsägliclwn^Leiden und Schwierigkeiten so- >vie nach Turchwanderung der ganzen Wüste Gebi und China endlich das ersehnte Land'erreicht haben. Sie brachten mit sich bedeutende Mittel, die sie in Industrie-Unternehmungen in Palästina anlegen wollen. Jüdische Kauflcute Im deutschen Wirtschaftsleben. ' l«chl"ß.> Heute liegen die Dinge schon ein wenig anders. Tie fortschreitende Konzentration, die die Spargelder des Publikums und die flüssigen Mittel der CieichäftsN'elt immer mehr von den Privatbankiers fort in die Kassen der sich ständig dehnenden Aktienbanken leitete und auch in anderen ErN>erbszweigen die Zusammenballung des Kapitals zu Aktiengesellschaften brachte, drängle auf den meisten Gebie len die Tätigkeit selbst des weil ül»er das Durchscluüttsma'', hinausragenden Einzelkaunnannes zurück. Tie Höhe de» Cieschästskapitals begann die persönlickie Note auszugleichen, der Prozeß der Sck>emolisierung begann. Es kam hinzu, , daß allmählich auch der deutscl)e Kaufmann vom jüdischen gelernt hatte, daß der ^ube vielfach, nachdem er seine Rolle als unfreiwilliger Lehrmeister - ausgespielt haue, als ein behrlich bei Seite geschoben wurde. Überall da. wo der Schematisierungsprozeß schon loeiH'r fortgeschritten nur..

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