Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-29 · 74 (29.10.1920) · p. Seite 415

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
74 (29.10.1920)
Date
1920-10-29
Page
Seite 415 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3947615-6435930-6437162--0844-3948384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

dijch« USchtlinge befinden sich, trotz-«Ser Sinretfive»b»te. in Brstarabien undhauptsächlich in Kischinew, wo sie Größtenteils infolge deunaeheurete Wohnungsmangels obdachlos sind. Es bildete sich ein spezielles jüdisches Komitee. i»n die Unglücklichen in jüdischen Privathäusern untcrzubpingen. Litauen. r Kowno. Ter Minister für jüdische Angelegenheiten, Soloweitschik,' und der Präsident des jüdischen Nationalrats. Dr. Rosenboum. haben sich nach England begeben? und ztrar, wie verlautet, um tragen der von der pcklnisckw» Armee gegen die litauischen Juden neuerdings verübten Ausschreitungen und Verfolgungen zu protestieren. bowjet-Rutzland. Paris. (Jeiv. Corr.-Bi) Zufolge einer im-emopäijchen Büro des American Joint Distribution Committee eingelangten Nachricht aus Washington gewährte die amerikqnisck)« Negierung die Betrelligung, die jüdische Hilfsaktion in Sowjet-Rußland aufzunehmen. Aus diesem Anlaß hat der Vorsitzende der in Reval wartenden Joint- Mission die Weiterreise nach Moskau angetreten. , Krim. Odessa. (General Wrangcl hat die zionistisckic Organisation in der Krim anerkannt und Befehl gegeben, den Auswanderern nach Palästina alle Erleichterungen zu geir ähren. Frankreich. Paris. Das Komitee der jüdischen Delegationen beim Friedenskongreß hat an die zuständigen Stellen ein Comnruniqur gerichtet, in tvelchem die Aufmerksamkeit der. Mächte auf den Rechtsraub gelenkt wird, den die ungarische Regierung mit Hilfe der Nationalversammlung an den Juden Ungarns tagtäglich begeht. Insbesondere wird auf das Gesetz hingewiesrn, durch welches hinsichtlich der Zulasiung der Juden zu den Hochschulen eine Prozcntnorm festgesetzt wird. „8 3 dieses Gesetzes", heißt es in dem Communique, „durch welchen bestimmt wird, daß die Juden eine besondere Nationalität därstcllcn, beziveckt nicht, den jüdischen Masten die nationalen Mindcrheitsrechte zu sichern, sondern sie im Gegenteil aller üycr bereits besessenen Rechte zu berauben und den Fremden gleichzustellen." Nack)- einem Hinweis auf die arttiscmilisckwir. stellenweise offen zu Pogromen aufreizenden Reden des MinistcrsxHaller und anderer Abgeordneten schließt das Communiquc: . v „Ungarn ist das erste europäische Land, welches die Juden auf gesetzgeberischem Wege ihrer Bürgerrechte beraubt. Dieses des Mittelalters würdige Gesetz enthält eine der schwersten Verletzungen des in Trianon geschloffenen ^Vertrages zwisck)en Ungarn und den Großmächten, im Sinne dessen alle ungarischen Staatsbürger vor dem Geich gleich sind und die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte ohne Einschränkung hinsichtlich der Raste, der Sprache-und der Religion genießen. Wird der Völkerbund es zugeben, daß in Ungarn eine mittelalterliche Politik der Unduldsamkeit und der Finsternis Getrieben werde, und daß Ungarn den Vertrag von Trianon tvie eine» Fetzen Papier betrachte und behandle?" Paris. (I. C. B.) Wie t»erlautc, soll Baron Edm. Rothschild demnächst eine Reise nach Palästina unternehmen. uin die neuen Möglichkeiten für den Wiederaufbau an Ort und Stelle zu studieren und auf Grund eigener Beobachtung sich ein Betätigungsfeld zu wählen. Paris. „L'Aktion Francais" sowie eine Reihe anderer Blätter haben eine Kampagne gegen die sich in Paris aufhaltenden Ostjuden ausgenommen. Die Polizei hat vor einigen Tagen eine Razzia im jüdischen Viertel veranstalici und dem „L'Ouvre" zufolge 60 polnische Juden verhaftet. London. Di« Gesamtleitung der - ämerikqmsÄ)en Zionisten. die am 29. und 30. September tagte, hat einstimmig das Progratnm von Louis'Brandeis gebilligt und demgemäß eine selbständige Palästina-Politik der amerikanischen -Zionisten-Organisation in allen Einzelheiten fest gelegt. Die Beschlüße gehen davon arrs. daß die Acra der Erziehung zum Zionismus vorüber sei, und alle Kräfte auf die Arbeit des praktisckren wirtsckMlichen Ausbaues in Palästina konzentriert iverden müßten. Alle Gcldausgaben außerhalb Palästinas müßten auf ein Minimum reduziert werden. Die Kosten des palästinensischen Schullvcsens seien im wesentlichen von der palästinensisckien Bevölkerung selbst aufzubringen: die Diaspora solle nur mäßige Zuschüsse leisten. Dagegen erwüchsen den amerikanischen Zionisten folgende Hauptaufgaben: I. Starke Beteiligung an der bevorstehenden palästinensischen Landcsanlcihc von 2'/. Millionen Pfund. 2. Kapitalcrhöhung der Anglo-Palästina- Bank, des Nationalfonds und Schaffung einer Agrarkreditbank. 3. Gelder für die Elektrisierung. Bewässerung und Drainage. 4. Gelder für Häuserbau und gcwistc landwirtschaftliche Unternehmungen. Daneben sollten auf dem' Spendenweg Mittel für sanitäre Zwecke, tristenschaftlickie Untersuchungen. Aufforstung. Universität, Bibliothek und sonstige Kulturzirecke aufgebracht werden. Die Einwanderung finanziell zu fördern sei nicht zulässig: auch die vorübergehende finanzielle Unterstützung der arteigene Kosten Eingewandcrtcn überlasse man besser philantropischen Instituten wie dem Joint. Die enge Zusammenarbeit mit allen Juden, die zwar nicht die zionistisckre Organisation, wohl aber den Ausbau Palästinas fördern wollten, sei keinen Augenblick aus den Augen zu verlieren. Kanada. - ' Rew-Aork. Ans Kanada wird gemeldet, daß dort lausende jüdische Emigranten, meistens Flüchtlinge aus Rußland und Polen, buchstäblich auf der Straße, bar aller Mittel und Hilfe, lagern. Zum großen Teil sind es Durchivanderer, mit der» Reiseziele nach den Vereinigte» Staaten. Tic Reise von Kanada nach der Union ist aber mir noch größeren Schwierigkeiten verbunden, als direkt von Europa. Tie Leute haben den Umweg über Kanada ge nommcn auf Angaben von gewissenlosen Agenten hin. daß sie von dort aus die Reise nach Amerika mir aller Leichtigkeit bewerkstelligen könnten. Man kann sich nun die Erbitterung und Enttäuschung der Unglückliche» denke», um jo mehr, als in Kanada leine Institution für sie sorgt. Erst in letzter Zeit hat sich i» Montreal ein Emigration Komitee gebildet, dos die Hilfrarbett energisch in die Hand genommen hat. England. London. (I. C. B.) Sir Herbert Samuel richtete aus Jerusalem ein ausführlicher- Schreibe» an dar- Board of Teputics, in welchem er sich über die Neugestaltnng der politischen Lage in Palästina mir großer Zusriedenbeir äußert und unter anderem aussühri: „Ich persönlich betrachte die Lage alreine überaus lg friedigende. die alse meine Erwartungen netr übeurissi, da sich unter allen Schichten der Bevölkerung Palästinasdas Verlangen nach freundschnfilichei» Zusammenleben immer mehr steigert. Es werden in jeder Hinsicht Miißnaknu'n getroster». um die ökonomische Entwicklung des Landes '» fördern und feste Grundlage» für den Aufluür des inrellel luelltn und geistige» Lebens zu schaffen. Für das erforderliche Gedeihen dieser Uniernebmuiige» sei jedoch die tat kräftige Mithilfe der gesamten Judenheit in allei Well erforderlich. insbesondere der englischen Juden. Ich habe das siche.e Empfinden, daß das Board os Depuiies nichts unterlassen wird, um all seinen Einfluß in dieser Hinsicht geltend zu rnack)en. damit diese Mirhilse gewährleistet sei."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.