Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 73 (22.10.1920)
- Date
- 1920-10-22
- Page
- Seite 407 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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in Anwesenheit von bei naht 700 Teilnehmern von verfchiedenen Teilen des Landes ein großartiges Diner statt. Ten Borfitz führte Dir. Lionel de Rothschild. Lord Millner erwiderte einen Toast des 'Vorsitzenden mit einer längeren Rede, in der er die jetzige politische Lage besprach, und führte aus. daß in der zukünftigen Enttvicklung des englischen Reiches die jüdische Rasse eine wichtige Rolle spielen werde. Dr. Weizmann sagte. Palästina sei kein Erpcriment. Zwar >r<rde noch nicht diese Generation die Realisierung "des Zionismus sehen, aber die kommende lvird sie sicher erleben. Es sprackM noch der Ehiefrabbi>Dr. Hertz, Lmd Reading, Dr. Gaster u. a. Wien. Die englische Presie betont bei der Besprechung der Ausführung des Numerus clausus an der Unirxrsität Budapest, daß dieses Gesetz im schärfsten Widerspruch zu den Artikeln 56—58 des Friedenvertrages von Trianon stehe. Die Absicht der Regierung scheine zu sein. die Juden in die Arme des Zionismus zu tteibcn. Auf der andereil Seite aber wollten sie die zionisttschc Organisation nicht anerkennen. Wiener Morgenztg. Palästina. Jerusalem. Der Oberkommissar für Palästina. Sir . Herbert Samuel, hat folgende einschneidende Bödcngesetzgebung erlassen: Irr. Palästina ist künftig jeder Mauf, Verkauf oder Verscl/enkung sowie Verpachtung von Boden über rnehr als drei Jahre anbehördliche Genehmigung gebunden. Erw-erbsberechtigt ist nur. wer palästinensischer Bürger ist und nachweislich den Boden selbst bestellt oder bebaut. Ein einzelrrer Bürger darf nie mehr Bodemrert als .r000 engl. Pfund erlr-erben. Verkauf, Verpachtung, Verpfändung und Verschenken von Boden, der für die Erhaltung einer Wirtschaft noktvendiss ist, ist verboten. Das Minimum wird von lokrlen Behörden festgestellt. Ein Grundstück darf nicht öfter als einmal im Jahre rxräußerr ivcrdcir, abgeselieil von einer Veräußerung durch die Erken. Bodengesell schäften können niit besonderer Erlaubnis des Oberkommissars, größere Flächen erwerben. falls sie sofort die Bearbeitung oder Bebauung selbst vornehmen. Umgehung dieser-Bestimmungen zieht im Höchstfälle Konfiszierung des Grundstücks nach sich. Jerusalem. Der Patriarch von Jerusalein lxröffentlichtc nach seiner Rückkehr von,Rom einen Hirtenbrief, in dem er u. a. darauf hinwxist, daß die von Samuel crhalicneu Versicherungen ihn betreffs der ursprünglich-im Zionismus befürchteten großen Gefahr einigermaßen beruhigt hätten. Er fordert die christlick)e Bevölkerung auf. sich nicht aggressiv zu verhalten. Jaffa. Der Jüdische Rationalfonds I>at in Verfolg seiner Absicht, die Wiederaufforstung Palästinas durchzuführen, im vorigen Winter 600 000 neue Bäume angepflairzk. Jerusalem. Eine eigenartige Reuigkeit auf dem Gebiete des Briesmarkenwxsens stellen die eigenen provisorischen Briefmarken für Palästina dar. die seit dem I. September eingeführt sind. Die bisherigen Marken de?-englischen Milttärkxrwaltung mit der Aufschrift „EEF" (Eghptian Expeditionarh Forccs) sind nunmehr ergänzt durch den Aufdruck „Palästina" in Englisch. Arabisch und Hebräisch. Dem hcbräisck)en Text ist in hebräisclx» Buchstaben noch hinzugefügt „Erez Israel". Diese Provisor ijcl>en Marken bleiben in Verkehr bis zum Eintreffen der neuen Marken aus England. (Die Marken sind in der Redaktion des Jüdiscl-en Botew Mzusehen.) Die polnlsttic Hölle. lechwh.) Einige Fälle zur Illustration: -- Am Kolveler Bahnhof in Warschaü. Ivo Jüden.sich seit Wackln nicht inehr blicken lassen, steht ein eurosmisch gekleideter junger Mann von jüdisclstm Aussehen. Einige Soldaten laufen hinzu, fassen ihn an und schreien: „Jude, wo ist dein Bark? Hast du ihn verlören oder gar geschmuggelt?" und schneiden ihm seine Backe entzwei. In der Kaserne eines Vorortes von Warsckmn stehen einige Söl baten in der Küche, Nmimer ein jüdischer: ein >dorporal kommt herein und sagt: „Kinder, taucht den Juden eiir." Die Soldaten nehmen ix» Jude» und werfe» ihn in den kockxnden Kessel. Die militärisckx Behörde unterdrückte die Tatsache, der jüdisckx Soldat Nmrde nachts geheim begraben. Die Arbeiter streiken, die te^nisclx Rothilfe betreibt die Sttaßenbahn. Auf einer Station muß ein Wagen repariert iverden. Die Reparatur ist zu Ende und der Wagen ist voll besetzt und soll gerade al»gehen. dg lxtrelen ein Student und ein Gymnasiast mit einem Korporal und einein Soldaten den Wagen. Der Korporal und der Sodat postieren sich an deir beideir Eingängen, »»ährend der Student und der Schüler die Juden mit Stöcken und Fußtritten aus dem Wagen hcrausstoßen. auch Frauen und Kinder. Vier französische Offiziere stehen dabei und schauen zu, das Publikuur lacht. Dies nur zur Illustration der Stimmung in Warschau. Indessen beginnt der bolsckxir ikrsckx Vormarsch und von überall koninicn R'achrichten von Pogromen der Polen bei ihrem Rückzug.. Die Regierung jedoch bei» üble sich um che Herstellung des Burgfriedens und lvirkte auf die Presse em. die Hetze gegen die Juden einzuftellen. Es wird für eine kurze Weile besser. Als das polnische Militär jedoch beinahe vor Warschau ist, koinnten neue Rackkrichien von Schikanen und Exzessen. In Warsckmu beginnt die Einziehung der Zivilbevölkerung zu den Befestigungsarbeiten. Bei dieser Gelegenheit ereignen sich furchtbare Dinge. Einige Tatsachen: An einem Freitag Ende Juli, bekannt als der „blutige Freitag", schleppte man etwa 20 000 Juden aus den Hänjern und den Straßen, daru.tter 70- bis 80jährigc Greise und l2jährigc Kinder, forr. Ehrrsteu waren darunter vielleicht l Prozent. Man führte sie aus einen großen Platz im Vorort Segrza und hielt sie dort fünf volle Tage bis zum Mittwoch, ohne Speise und Trank, ließ sic aus freiem Felde übernachten, ohne jede Arbeitsleistung. Erst am Mimvoch begann man die Arbeit,;» organisiere». Als der Komimrpdanl kam. ließ er alle fich.i» Reich und Glied postieren und rief: „Ehriften vor!" Es traten etwa 50 Ehriften vor. jeder derselben wurde Älrcsicr, der eine Konrpagnie unter sich bekam. Tie Juden janoicn darauf einen Vertreter zum Kommando» len. ^or erklärte: „Herr Oberst, »»glücklickrerweise sind nur .'0 Eh^istcn da, vielleicht würden Sie einige Jude» als Alteste vestinimeii." Für diese Bemerkung versetzte ihr» edr Oberst z»X' Ohrjeigcn. trat ihr» i» de» Veil», warf ihn aus die Erde, rrat dreimal auf seinen Körper und lief; -ihn liegen. Späte» bekam er Reue und ernannte den Miß handelten'zur» Ältesten. Bei den ^jnangsarbeiien loaren etwa 10 Prozrmr der Er,»gezogenen Inden. viele starben durch die Mißhandlung» »erstl iebene wurden irrsinnig, viele krank. Beim Rückzug der Polen vor de» Bolschewiken begann auch die alte Plage der Evakuierungen. So mußicn zum Berfvrel in Rorvorodno 2500 jüdische Familie» in zwei Stunden die Stadt verlassen', in Postelnik wurde die gan,e jüdische Bevölkerung binnen einer Stunde davongejagi. Ten jüdischen Deputierten gelang es, bisher folgendes festzustcllen: In Whjzkorv internierte die Militärbehörde ".<>>> In den, darunter Frauen »nd Kinder. Die Männer hieß man fiel: nackt ausziehon. , stellte sie zirischen zrvei Rc'ihe» Soldaten und ließ sic Spieß rutcn lausen. Die Soldaten haue» Siacheldrahtpeiticheu. Die Unglück ' lichen. die ohnmächtig wurden, ivurden durch Wasser wieder zum ^wußtsein gerufen und »rußte» wieder laufe». Dann