Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 72 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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feinen Artikeln scharf gegen Professor Cuza aufgetrrbm ist und sich der Juden amrahw. Was die Presse anbelangt, ist auch eine Besserung benierkbar. Fast alle nnnäni scheu Leitungen halfen dein Joint in seiner-Arlvit, indem sie Aufrufe und Artikel zugmisten des Joint veröffentsichten. Die Zahl der jüdischen Professoren an den Universitäten Brrkavest und Jass» lprb sich bedeutend vergrößert. Arrch ivurde in Bukarest der Jude H. S. Katz zum Stadtvizepräsidenten gewählt. Amerika. Rewyork. Das Leichenbegängnis Jakos Schiffs fcu»d am Dienstag unter Beteiligung einer ungeheuren Menschenmenge statt. Während des Leick>enzugeS hatten alle Oierichte ihre Tätigkeit eingestellt. Präsident Wilson richtete an die Hinerbliebenen ein Beileidstelegramm- ' < Newyork. „Joint Distribution Evmmittee" bestimmte für den Monat September 400 000 Dollars Unterstützungen, davon 105 000 Dollars in Palästina. Die Kindertoinnnssion bearbeitet einen Plan, in großzügiger Weise den ssid.ischen Waisenkindern des Ostens zu.helftsn. Fraukreich. Paris. Die Negierung hat die Zionistische Landes- > organisation verständigt, das; sie bereit sei, all jährlich mehrere Tausende von französischen Büchern für die Unirersitätsbibliothek in Jerusalem zu spenden. Palästina. Tiberias. Es sind alle.Vorbereitungen getroffen, um Tiberias, den'schon im Altertum seiner Ijeiften O.uellen iregen berühmten Badeort, der zu eineck Weltkurort entwickelt norden könnte, in eine Gartenstadt mnzutvandeln. Das Kapital hierzu stellt die Gesellschaft „Achusath-bajith". leel^e Aktien zu je (50 Pfund Sterling ausgegeben hat. A'och in diesem Winter soll mit dem Bau von cttim 50 Häusern, einigen Schulen und einem Kindergarten begonnen werden. Jerusalem. Infolge der allgemeinen Teuerung ivurden die internen Post- und Telegraphengebühren uin ein Oleringes erhöht. Die neuen Tarife sind in vielen Fällen noch immer geringer als die englischen. I. P. Z. Jerusalem. Mit der Einführung einer Zivilverwmltung in «Palästina ist es n täglich geworden, einen Teil der Arbeit, die bisher vom Zentrafbüro in London gestiftet wurde» der zion. Koinmission iir Jerusalem zu übertragen, ivobei das Zeirttalbüro neu organisiert ivurde. Es besteht jetzt aus 3 Departements, dem politische», dem Finanz- und dem Organisierungs-Dgs'arteinent; das erste hat eine separate Transport-Sektion. - I. P. Z. ^renclerl. Eine Geschichte a»S Böhmen von Leopold Son,pert. lJorlsetzung.s „Ten Blitzableiter half er mir nicht aufjetze» auf die i Schul", rief sie eifrig. „Hunderte von Gulden, wenn es^ kostet, so sind sie Mindel Brandeis >vie ein Krerrzex, irenn sie u>ei&, daß sie-dadurch ein Judenkind vor Versündigung an Gott abhält. Denn ungerochen lässt das Gott nicht." „So fest sind Sie-von dem überzeugt", meinte Ema- Tuief läckelnd. „Ich weiß, >ras ich ireiß", sagte sie mit großer Bestimnttheit, „den stürzt der Schwindel herunter. kaum daß er oben auf dem Dache ist." „Und wenn er wieder mit gesunden Gliedern zurückkonnrlt?" siel ihr Emanuel ins Wort. „Er darf gar nicht hinauf", sagte sie kurz. „Wie Sie das anfangen werden", meinMDWMuel spöttisch, ,^iuen Handirerker von der Ausübung seines Handwelkes abzuhalten? Er muß ja." „Lachen Sie mich nur aus. Herr.Doktor", fuhr Mindel dann inst zuversichtlichem Toir fort, „vog Ihnen laß ich mich gerne auslacken, mehr als loeiui andere mich rühmen und loben. Ales mit Wolle# d-s Letendim» Hilfe Nöllen ivir Trenderl Schlosser schon bezwungen, kost es n»as es will." . „Sic wollten also wirklich?" ries Enumuel erstaunt. „Ob ich will?" rief sie leidenschrfilich. „ob Mindel Brandeis will, daß ein Mensch nicht vom Dach lerunlersälll? Das sagen Sie ersst^venn es mir gelunren sei» wird. Wellen aber möcht ich schoir setzt darauf. Trenderl Schlosser läßt sich nicht zweimal bitten und sagt lieber einmal ja, als zehnmal nein. Wenn ich iU*er dann stolz tun und mich rühmen werde, jo wäls kein Wunder." Der Doktor starrte die siegesinnlige Frau »rinriteirlang rn. Ein eigentümlicher, nicht wehr zurückdrängbarer Gedanle >rvr ihiil durch den Kopf geflogen. Sei» Auge war ernst, seine Wangen blaß geivorden. Eine geioaliige Erschütterung schien ihn zu durchlobe». Aber so sehr musste dieser Mann die äußerliche Nnhe derinneren Sturmes sich angelernt leiben, daß er lächelnd, fast spöttisch sagen konnte: „Warum nicht? Wäre es denn ein jo großes Werk, einen jüdijcheir Handwerkier seinem .Handwerk untreu zu machen? Er wird Ihnen auf halbem Wege eiitgegenkoui- ' men-, nicht die unbedeutendste Wette möcht ich eingehen." „Sie versprechen mir also. Herr Doktor", rief Mindel freudig, „daß Sie mir nichts in den Weg stellen wollen, daß Sie ihn nicht überreden iverden? Denn Jlirein Worte folgt man, wie ivenirs (Sott geredet hätte, und jchivört darauf. W-enn Sie also dem Schlosser ins Gesicht predigen, so-stehe ich für nichts gut.", „Wie falsch beurteilen Sie meine Stellung, iven» Sie mir eine Kraft zuteilen — die ich nie besaß", meinte der Doktvr ernst. „Aber ich verspreche Ihnen'auch, mich so stille zu verhalten, wie ein Kind. dessekkSchiveigr'» »"rn mit einem Spielzeuge abkauft." „Gut", sagte Mindel. „der drüben ist also »öch nicht auf dem Dach geivesen." Als Emanuel das Haus verlassen, fiel ihm der sonderbare Antrag, den iiran ihm gestellt, »nd den er eingegangen halte, schir-er aufs Herz. Er gab also die Seele des Handwerkers alle» Versuchungen press: er versprach noch, sie nicht zu ivarnen. sie vereinsamt und fid) selbst zu „(«erlassen? Kam das njcht einem treulosen Verrate a» der guten Sache gleich, für die er so lange gewirlt »nd geeifert hatte? Wenn es der reidjcu Mindel ivirklich gelang? Ware das nicht ein unersetzbarer Verlust am Schabe der Zukunft, für die der Schlosser dem Vorurteile so schirer abgerungen worden?r Er soll versucht »«erden, drängte sich ihm endlich mit aller Olewalt der Schlnßgedanke auf-, er soll sich erproben, wie'sein Eisen.' das er auf dem Amboß prüft. Ist er ein echter, rechter Handwerker, ivie ihn das Judentum bedarf, so entgeht er der Olefahr und zerreißt die Stricke, die man r»n ihn schlingt, wie Zivirnfijde». Läßt er sich kirren, jo ist nur er verloren. Der Oleist des verratenen .Oandiverks ivird sich an ihm rücke». Wir aber müssen dann weiter bauen, bis -ivir den rechten Kitt und die rechte» Menschen gesunden haben. > Emanuel »ahm es sich vor. de» Schlosser nur aus der Ferne zu beobachte». Nichts an ihm'solle verraieu. daß er die Abrglünde kenne, an die ilnr die. Versuchung gelockt habe. Er sollte erprobt werden! Sein Wdg führte ihn an' rrenderls Werkstätte vorüber. Er konnte sich nicht eriihalten. näher'zu treten. Eine lräftige Männerstimme, deren Baß das Ll,r angenehm berührte. sang darin zu den schrillen Kluge» einer Eisenseile das bekannte Volkslied: „C 2tiaj)biiV(i, o 2 irnjilMiiq. . -tu iininbor[d)ijiif 2tobt. ta bviimcH lirgl t>q>>Naii 2» maiiicht-r 2olda>."