Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-15 · 72 (15.10.1920) · p. Seite 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
72 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/3947615-6435930-6437154--0825-3948367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

enge Arche ab und sprengt ihr Tor! Alle, dir Wiener Binder gespeist, gesättigt, gekleidet und. was oft am schwersten im, erzogen Halen, dürfen, ivenn sie diese feilen lesen, als testen Tank, den sie empfangen, einmal ganz aus der Tiefe jenen Atemzug Noahs tun, als er die Arche verliest.. »nd wissen, das; dieser Atcnizng uralt ist wie die Welt, der Tank al>er. der in ihm schwillt,und ebbt und wieder schwillt. ist der stille Tank unterm Regenbogen jüdijc1)er Menschenliebe. E m i l C o h n. r % ac «bi nruviffifiiTisifi s isrnniKBiC m B § CQocbenfcbau. 1 m Di J* Tatsachen und Ergebnisse. W Deutschland. München. Tie Plakate und Versammlungen der deuijchvöltijäen Srganijalionen in München, vor allem der uaiionalsozial7stijäwn Albeiterpartci. ergehen sich in immer aufreizenderen antisemitischen Ausfällen. Eine Deputation der jüdischen Gemeinde nahm desl>alb Anlast, bei dem Slaalsininifleriuiu des Innern mit der Bitte um Schutz vorstellig zu irerdcu. Staatssekretär Tr. Schtvcl>er bedauerte aus.erolteullich. das; in unserer erregten ftdi auch di der Zündstoff noch unter die Masten geworfen werde, r.rrd sagre zu. die Polizeilehörden mit der Weisung exlröhier Achtsamkeit bezüglich der Ankündigung und ilbcr- »achnng solcher Verjammlüngen zu versehen und Ausschreiinngen mit aller Energie eiugegenzutreten. Ter Schritt der jüdischen Gemeinde wurde vor allem veranlasit durch die Vorgänge iu der letzten Versammlung der naiionalsozjalistischcn ArGiterpariei, in der ein Redner gegen de» Talmud als ..Ouelle und Ursache dorr Hatz und Verachtung der Juden gegen alles Menjchlich>e" sprach. Rabbiner Tr. Bärivald. der dem Referenten entgegentreten uollle. ward niedergebrüllt und beleidigt, seine Llegleiter >vareir nnrer Schlägen und Mißhandlungen hinausgedrängt rind die Treppe hiiiabgeflvßen ivorden. Münster i. W. ,Talgende Anweisung hat dris „Hantelsarbeiivaini für Wesisale» und Lippe" an die ihm unterstellten Arbeitsnachweise gerichter:-..Tas sogenannte jüdisch.' Arbeitsamt in Duisburg fördert planmätzig die Einwanderung astjüdischer 'Arbeitskräfte in unseren Bezirk. Seine Tätigkeit har schon w iederhalt die aus die Regelung der Arieiisrerhältnisse gerichtete» Bemühungen in unlieilvaller Weise durch!reuzt. Es richtet sich nicht mich den Elfi rdernifsen der deutsche» Volkswirtschaft, sarideru nach den Bedürfnissen der astjüdischen Eirnvanderer. Wir bitten deshalb die Arbeiisnachir-eije dringend, in Zukunft jegliclw Zusarnineiiarbeil mir dem jüdische» ArbeitSrinrt abzulchnen und bei ,Ter»gejprächen aus Tuisburg genau zu prüfen, ob das Eejpräch van dem ftädlisäre» Arl>eitS>imt oder dem jüdischen Arbeitsamt in Tuisburg ausgeht." Franksurt a. M. Aus dem BerbairdStag deS Alldcutsä-en Verbandes machie der Eejchästsführer des Verbandes, Frlir. v. Bielinghaff Säwel. Mitteilung van einem Beschlus; der Terilschen Adelsgejellsämsl. Danach hat diese Eteselljchasi l ejchlasse», niemand mehr aufzunehmen, der sich mit lüdijrlein Blure rvrsippi hat. Eine neue Adelsmatrisdl. unter Arisjchlus; aller zu st ark mit jüdisäiein Blut lvhafteier Familien, insbesondere aller stit ldltlt geadelter, deren Srai»nrr>aww ein Jude gewesen ist. wird angelegt. (Ta wer den,"viele adlige Mitglieder des Alldeukjäicn Verbandes sich hart lieirafse» fühlen!) .Halberstadt. Ter Bund gesetzestreuer E)ei»cinden in Halberstadt hat sür das laufende Jahr Hb leistuugsschioache Gemeinden mit zujamnien (iroofl M. unterstützt. Halle. In einer Verjaminlung der Teutsclren Volks- Partei wandte sich der Referent des Abends. Abgeordneter v. Kindorfs, sehr energisch gegen den Antisemitismus, der die Volksseele vergifte und das deuljcl-e Anfchen schädige. Berlin. Prosestor Albert Einsteins Antwort auf blas bekannte, vor einigen Wochen an ihn gerichtete Schreiben des Ministers Hönisch lautet: „Ew. Exzellenz Schreiben erfüllt mich mt! dem Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit. .Ganz unabhängig von der Frage, ab ich soviel Wohlwollen verdiene, erlebte ich irr diesen Tagen, datz Berlin die Stätte ist, mit der ich durch menschliche und wissenscl-aftliche Beziehungen arn meisten verwachsen bim Einem Rufe ins Ausland würde ich nur in dem Falle Folge leisten, datz äußere Verhältnisse mich dazu zwingen." Breslau. Dr. Marcus Braun, Prosestor am Jüdisch- Theologischen Seminar, Leiter der Seminarbibliothek, Redakteur der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums. ist im 72. Lebensjahr verschieden. Braun war ein Gelehrter von Weltruf, eine sympathische Persönlichkeit und ein im konservativen Judentum wurzelnder, das Judentum liebender Jude. Berlin. Max Bruch, der .Komponist des Äol-Nidvei, ist im Alter von 82 Jahren verschieden. Er war Ehrensenator der Akadeinie der Künste. Ehrendoktor der Universitäten Cambridge und Breslau. Pole». « Warschau. Der stellvertretende Minister des Innern MutzinSki informierte die Abgeordneten Grünbaum und Hartglas darüber, datz eine Regiernngskommission die antifematischen Schmähschriften bearbeite und datz das Kabinett beabsichtige, die Militärbehörden so schnell als niag-' lich durch Zivilbehörden zu ersetzen. Die jüdischen Abgeordneten übergaben dem Ministenüm eine Denkschrift, enthaltend die Resultate ihrer Nachforschungen bezügl. der Schmähschriften. Alle jüdischen Parteien Polens berieten über die Bildung xiner Einheitsfront gegen die Hetzkampagne. Lodz. Rabbiner' Meisel verwendet sich in einem Aufrufe-für die Überführung der jüdischen Waisenkinedr nach Palästina, da nur Palästina ihnen die gewünschte Erziehung und Ausbildung geben könne. Dies nmrde die erste produktive Hilfe für die unglücklichen Waisen und somit auch für das jüdisck)e Volk sein. I P. Z. Lodz. Nach der neuesten offiziellen Bcckanntgabe haben alle. jüdisclM Kinder voin achten Lebensjahre an eine öffentliche Volksschule oder eine Schule mit öffentlichem Charakter zu liesuch'n. Damit wäre der Kampf um das El»edcr in Lodz endgiltig verloren. Budapest. Dos offizielle llngarische Tel.-Korr.-Büro meldet unterm 2. Oktober: Mit Zustimmung deH MinisterrateS hat der Minister des Innern auf Grund des ArlitelS 5> des Gesetzes vom Jahre 190:) eine Verordirung iilx'r die Ausiveisung der seit 1914 eingewanderten Juden erlassen. Von den M'stimiiiuugen der Verordnrurg tverden alle ausgenomincn,-die iin amtlick)eir.Aufträge eines austvärtigen Staates oder in'wichtigcir Privatangelegenheiten »nchw-eiSbar für kurze :)cit nach Ungarn gekommen sind. ,Tie Ausnahmen beziehen sich jedoch nicht auf die galizisckten ind russisäxn Inden. RomSuie«. Newyork. Herr Oskar Leonhard, Vertreter des Joint Distribution Commitee, der aus Rumänien nach Newyork zurückgekehrt ist, versick>ert, d,is; der Antisemitismlis in Runiänien bedeutend nactMlafsen mid die Regierung wie auch das Volk eine freundlichere Stellung gegenüler den Juden angenommen haben. Der bekannte Antisemit Prosestor Cuza, der eine neue Parstei unter dem Namen „Die rntnäuische antisemitisckie Partei" grüirden wollte, hat eine .-iiederlage erlitten, da nieinand von den angesehenen Rumänen ihn uilterstützte. Prosestor Nikolaus Jorgu. der bisher Antisemit war. hat in der letzten Zeit seine Meinung über die Juden geändert und war der erste, der in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.