Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 72 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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«hh.i »- »">--< «-» "K T'/'kX/f DLICIVT ' VUn antliN k»rch ft«1ltche ftßiaUn »der »«ch »»«»tr-rrl», i» v„». Jüdisches Yolksblatt «■ift|M|neil:(1.50 Vi.f«tkl(*icr< I«sy. PrtitzrUr. Dir i»»ze Eklt« »»fitzt 860 A«Ur». P,stsch«kk»»t» v»tr»»«rl«i «»»,««» Nr. 74747. q«rau»geg«ben von Rabbiner vr. Arnit Kohn. Sonn. Schristleitung und <öeschSst»st«ll«: Bonn, Brüdergaffe 52. M-mmer 72 Monn. 15. HktoSev 1920* — 3 Marcheschwcrn 5681 2. Jahrgang. Chanuka- Preisausschreiben. „Dam jiidieolie Kind“. Die Einsender der besten Kindeirbilder (Photographien) erhalten 2 Preise: 1. Mreis 100 Mark, 2. Mreis — 50 Mark, n>enn folgende Pedkngungen erfüllt sind: Die Einsendungen sind als geioöhnlicher, geschlosiener Brief (nicht eingeschrieben"!) an den Botenverlag in Bonn, Brüdergasse 52. zu richteil. Jede Sendung darf nur 1 Bild enthalten. Das Bild kann l Kind oder mehrere Kinder zeigen, allein oder in Gesellschaft Erivachsener. Bildgröße beliebig. Der Einsender des Bildes muß Abonnent unseres Blattes sein oder das Blatt gleichzeitig bestellen. Das Kind muß mit deiil Einsender vmvandl: und nicht über 20 Jahre alt sein. Auf die Rückseite des Lichtbildes ist deutlich dep Name, Geburtstag uird die geiurue Adresie des Kindes zu schreiben. Einsendungsfrist: 15. Oktober bis 15. Norwmber 1920. Rückgabe der Sendungen kamr nur dann erfolgen, rvenn flankiertes Kuvert mit genauer Adresie mitgeschickt wird. Wir behalten uns vor, die eingcsandten Bilder lierühniten jüdischen Künstlern zur Preisausschreibung einzusenden und die preisgekrönten Bilder im Jüdisck)en Boten Nr. HO zu rwröffentlichen. Botenverlag Bonn, Brüdergaffe 52. oooooolmoooooaovoiooooooooliooorioolioooooo o □ g Wochenabschnitt ng o H D O □aaaooflaoaaadaaaoiaaaaaaaaaDDaaaDDDDDODa 1 Rus der knge in die Weite. * 1 — unb im znx'iicn Monat, aut 27. Tage brö ' . Monats, war die Erde trocken. Ta sprach Gott zn Noah: „t^eh heraus ans der Arche, dn und dein Weib und deine Löhne und die Weiber deiner Löhne. Auch alle Tiere, die bei dir sind von allem Fleische, sotvohl Bügel als Bieh und alles, tvaS ans der Erde kriecht,' »imnit mit dir heraus, auf daß sie sich regen ans der Erde und fruchtbar seieti n»d sich ans ihr vermehren." To ging lttoah heraus mit seine» Löhnen und seinem Weibe und den Weiber» seiner Löhne. Auch alle Tiere kamen ans der Arche, alles ' Kriechende und alle Bügel, alles, tvaS sich regt ans der Erde, jegticheS nach seinem Gcschtechte. To ballte Noah dun Herrn eine» Altar . . . . I. Mose X, 14- 2(1. Wer je die Aeckw Noah sich vorgestellt, sei's der sckstichte Leser des BibellvortS, sei's der Maler oder Künstler, der sie in sich ersckMte, alle haben sic gleich gesehen, alle sahen ' \ nur den Augenblick, wo nach Wolke, Blitz, Sturm .rnd Regenflnt unterm blühenden Regenbogen Noah mit den Tieren aus der Arche kam, wo aus dem kleinen schwarzen Loch des schwimmenden BretterhauseS alles Leben wie ein zischendes Strahlcnbüsck>eOnach allen Seiten schoß, jubelnd, schleiend, zwitschernd. brüllend. >vie die aus dumpfrr, erstickender Enge, befreite Kreatur eben nur brülle», zwitschern, schreien, jubeln kann. Dieser glorreickw Atemzng einer zum zweiten Male gejckmffenen Welt, dieses sich lwsreiend ausbreitende „Ah!" eines iviedergeborenen Lebens, das ist die göttlickw Energie dieses sich in ganz einziger Weise ausdrängenden Bildes. Hat die Bibel diesen Augenblick verschwiegen oder geschildert? Wieder sehen und bewundern wir die Größe einer antiken Darstellung, die, indem sie erzählt und nicht malt. mit ivenigen verscksiviegenen Mitteln alles gibt. Der fast monotone Rhythmus der Aufzählung von Mensch ukld Kreatur, die damals-die Arckw auf des Herrn Wort rwrlassen sollten, und die ganz leicht getrxindelte abermalige Aufzählung iH'im Verlassen selbst flehen uns nieiswlich das iveierlickre dieses erhabenen Wimmelns ins neue Leben hinein. Ein einig menschliches Bild! Ob nur nach rollendem Donnern und strömendem Regenguß das JenAer unserer dumpfen Stube öffnen und uns nur hinausbeugen entgegen dem Atem blitzend verjüngter Natur, oder ob wir die Sieinarchen unserer Städte verlassend in die liebe freie blottesirelt hinaustr'andern. oder schließlich ob trnr des Lebens, des Charakters Emw durchbleckwnd eine freie Tat tun, eine frohe Stunde leben, alles das ist nichts anderes äls eine ewige .Heimkeln zu jenem erhabenen Augenblick, da Noah aus der Arckw kam. ' — Am vergangenen Dienstag, 'im Strahle eines ivunderschöncn .Herbstinorgens, hal>en die Wiener Kinder, die der „Jüdisäse Bote" vor drei Monaten hierlser geholt, unser lielws Rheinland wieder verlassen. Die Wenigen, denen es vergönnt war, dieses schöne Bild neuerfrijchter. jubelnder Jugend zu sehend und die sich dalwi des traurigen, kleinen, lebendigen Leichenzuges halbverhungernder Kinder erinnerten, der damals die Bonner Brücke l-erabkaui. dem tvird blitzartig die Erkenntnis gekommen sein, daß es noch ganz andere Arckrenerlebnisie gibt als die. die wir oben geschildert. Armut und Wohlstand. Hunger und Sättigung, Darin.'» »ndErsüllung. — auf der ivei len Brücke zwijckren diesen Ufern erlebt der Mensch jenen Atemzug der ^Ksreiung, den Noah einst lat. als er die Schirx'lle der Arckw überschritt ins neue Leben lsinei». Der „Indische Bote" dankt allen, die geholfen halwii. das schöne Werk zu vollenden, von ganzem .Herzen dankt er ihnen. Aber er weiß dabei., daß! er den lieben Pslegeeltern der Wiener Kinder mit diesem Dank nichts gibt, lixi^ sie nicht schon hätten. Wie eng ist das Leben ohne Liebe! Jeder schaue str sein eigenes hinein, und er tvird eine Arckre finden, dreihrmdert Ellen lang, fünfzig breit, dreißig hoch: Slockircrk über Slocktrx'rk, Stall an Stall gebaut, viel Pech dran und kaum ein Jenstet; un§ warten muß man, tvarten wock-enlang, bis man das Fenster einmal auftun kann, und schickt man die Noahtaube aus, so dauert» lang, bis sie ein Olblatt bringt: aber eine einzige gute Tat deckt des Lebens