Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 71 (3.10.1920)
- Date
- 1920-10-03
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stünde.. Mrderhayp M ut «oHdöWHvwMig und »och viel weniger eine Aufhebung des Schüchtverbötes zu erwarten- Italien. Triest. Vor einigen Wochen verschied in Triest Herr Viktoria Leone Morpurgo, der sein ganzes, sehr beträchtliches Vermögen der dortigen jüdischen Gemeinde mit folgenden Bestimmungen hinterlasten hat: Tie eine Hälfte soll zur Errichtung eines ne,«n Schulgebäudes verwendet norden, wobei, die Gemeinde die Verpflichtung übernehmen muß, die seit mehr als 130 Jahren bestehende j üdische Volksbühne zu erhalten und twiter' auszubauen. Die andere Hälfte des Nachlasses ist fiir P a l ä st i n a bestimnit. und zwar für dortige Wohlfahrtseinrichtungcn oder Schulzwecke. Morpurgo schlägt in seinem Testamente unter anderem vor, ein Studentenl-eim für Hochschüler zu errichten oder größere Stipendien für Studierende in Erez Israel zu bestimmen. Die endgültige Entscheidung über die Vettvendung und Bestimmung dieser Summen hat die Triester Gemeinde im Ei«u»ernehincn mit Herrn Oberrabincr Or. Chajes zu treffen. Die in Trieft l>efindlichen Chaluzlm haben in feierlichem Zuge dem erstorbenen Wohltäter das Ehrengeleite gegeben. Holland. Ten Haag: Das Ergebnis der Welt-Sammlungen zugunsten des I. N. F. im Monat August 1920 beträgt £ 25.215.4.4. (etlva 5»/, Mill. Biark). Auf Deutschland entfallen M: 115 060.36 (etnw oder 2 Prozent der Gesamtsumme). Haag. (Tel.-Komp.) Die 3iegiernng genehmigte die Ernennung des Professors Einstein zum außerordentlichen Professor der Naturwissenschaften an der Universität Leyden. Amerika. Newyork, 28. September. Wie das Reuterbüro meldet, ist ^'Deutschamerikaner Bankier Jakob Zh. Schiff, einer der führenden internationalen Finanzmänner, im Alter von 73 Jahren gestorben. Schiff kam mit 18 Jahren als Sohn einer alteingesessenen Familie Frankfurts nach Newyork. 1875 wurde er Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb u. Co., das unter seiner Leitung eines der größten Privatbankhäuser der Welt würde und neben der Finanzierung amerikanischer Bahnen besonders durch die Beschaffung der Äriegskrcdite fiir Japan iin russisch-japanischen Kriege die Aufmerksamkeit auf sich zog. Für Schiff ist bei diesem Geschäft die Abneigung gegen Rußland als Unterdrücker. der Juden nach seinen eigenen Äußerungen niitbestimmend' gewesen. Die Treue'zu seinem Mauben charakterisiert den Juden Schiff, der nach alten. Brauch alljährlich ein Zehntel seines Einkommens für Anne abzuvigte — »nl>eschadet seiner sonstigen großen Stiftungen — und manches groswrc Oieschäft zurückstehen ließ. u>e,m er mit religiösen Angelegenheiten beschäftigt war. In ftühcren Jahren luor er ein erklärter Gegner des Zionismus, in letzter Zeit hat er jedoch für deirAuflxiu des jüdischen Palästina viel Jntkrxsse lvkundet. Während des Krieges hat Schiff große Summen für die jüdischen Kriegsopfer gespendet und es gab keine größere Aktion, an der er nicht irgendwie beteiligt gelesen war. > Englang. Lpndon. (Jetvish Corr. Bur.) Rahum Sokolow und Vr. Wcizman »»erhandeln im Namen der zionistisclien Weltorganisation mit der Jca und dem Baron Edmond Rothschild über deren Teilnahme am Anfbaue ^ilästinas. Die Berhandlmigen sind ziemlich >,»eit gedielten und ist begründete Aussicht, daß sie ehet»aldigst zu einem günstigen Abjchluß gelangen tverden., Jerusalem. Sir Herbert Samuel hat ein-beratendes Kömitee („l'ldvifory Council") von zehn Mitgliedern ernannt. Davon sind sieben Christen und Mohämedaner und drei Juden. Die drei Juden sind David Jellin. Kalwarisky und Ben Zwi. Jerusalem. Die Handelskammer hatte in ihrer ersten Sitzung, die 'sie »ach ihrer neuen Zusammensetzung abhielt, mehrere Anfragen der Regierung zu lvänttvortcn. Einstinunig nahm inan den Regierungsvorschlag auf Einführung eins einheitlichen Mag- und Gewichissustems an. und zn»ar des Deziinalsystcms mit Kilogramm. Liter und Meter. / Die polnische Hölle. Die Lage dcr Juden ist Pole». nvldw auch bisher t>eitüvlich genug n»ar. har seit dem Beginn des Krieges »üi Rußlaitd eine gei,»altjgc Verschlinimernng erfahren. Das Anivacbsen der Macht des Militarismus und der dtircl» den Krieg aufgeftadielw Chauvinismus, den die Presse in gewissenlosester Weise id'ürt. haben Folgen gezeitigt, die -für die Juden geradezu katastrophal sind. ■ Eine aus Polen in Wien eingerrosfene angesehene und absolut zuverlässige Persönlichkeit macht der Wiener Morgenzeitnng über die gegenwärtige Lage der Inden in Polen die folgenden Mitteilungen: Die Lage der Inden ist seit der Errichtung dr-s.polnischen Staates eine derartige., daß inan meinen sollte, eine Verschlechterung sei gar nicht mehr möglich. Trotzdem haben die letzten drei Monate eine solclw Steigerung des jüdischen Elends gebracht, daß nia» sie nicht für möglich halten sollte. Eine »nnnierbrochene Reihe von Schikanen, fnrchlbareii Er',essen und Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung charakterisiert diese Zeit. Der latente Pogrom ist in einen akuten ük»ergegangen nnd mit allen Mitteln wird, ein fürchterlicher Vernichtungskampf gegen die'wehrlose 'jüdische Bevölkerung geführt. Das Material ist »och nicht gesammelt. Viele Städte sind noch militärisch perwallet und Zivilpersonen können nicht hingelangen, außer den polnischen Journalisten der antisemitisch^! Zeitungen. Jedoch ist es bereits den jüdischen Führern in Polen gelungen, einen kleinen Teil des Materials zu sammeln: inan kann schon jetzt l»ehaupten, dast tms sich in diesen letzten Woche» dorr abgespielt Hai. seine 'Analogie nur in den fürchterlichsten Berichten der jüdischen Maruiriologie findet. 'Roch sind die jüdischen Politiker in Polen.nicht in der Lage, ihr Material zu veröffentlichen. - Die Zeitungen stehen unter militärischer Zensur: im Lande hertscht militärischer Terror. > Ohne die Möglichkeit, das ganze Material zu pulst isienm. schweigen die jüdischen Führer, um nicht durch einige kleine Fakta das ungeheuer große Leid zu verkleinern. Dst jüdische Presse schweigt notgedrungen. Dafür aber hetzt die polnische Presse die öffentliche Meinung um so mehr auf. Ihn die Ereignisse der letzten Wochen zu ve»sieben, 'muß mau die Entwicklung der polnisch-jüdischen Be ziehungen in den letzten Monaten kennen. (Gleich nach der Rückkehr des polnischen Minifterpräsidenten Grabski von der Konferenz von Spa wurde von ihm eine Kommission zur' Herbeiführung einer Verständigung zivischen Polen und Juden einbcrtffen. Vertreter aller Richtungen des Sejin und aller jüdischen Parteien tvurden hinzngezogen: den Vorsitz führte Grabski selbst. Manzweifelte in jüdischen Kreisen sofort, ob diese Konteren; einen Erfolg Hatzen tverde. ' Die ersten beiden Sitzungen der Kotiimisjion verliefen mit heftigen Dissussionen über die Jndenfrage »nd schar sen Angriffen der polnischen Vertreter gegen die Fnd-'n nx'gen ihrer angeblidwn Jllonalitäi: BRihreno i>ie .Koin Mission tagte, umstellten Polizei und Militär eines Tage-.