Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 70 (1.10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 383 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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_ zurückgekommim. daS äußerste zu' tun, um bas jüdische Land m nächster Zukunft aufzubauen. Tr sei sicher.-daß das jüdische Bl ~ auf -daß das jüdische Bolk cm dieser Arbeit mit ganzer Seele und aller Kraft Mitwirken wird. Rewyork. Auf einer am 29. August abgehaltrnen Sonderkonferenz des Ordens „Bnei Zion" wurde mit 68 gegen 39 Stimmen beschlossen, daß der Orden sich von der allgemeinen zionistischen Organisation in Amerika lossagt und eine besonder«, selbständige Föderation bildet, um deren Anerkennung das A. C. in London angegangen werden wird. Jerusalem. Eine belgische Gesellschaft beabsichtigt, den Hafen von Jaffa auszubauen. Sie entsendet Experten zm Ausarbeitung genauer Pläne. Der Gesellschaft auch palästinensische Juden an. Jerusalem. Abraham Solomiak, früher Russischen Postamts in Jerusalem, ist zum GcnerMnspektor der Post im Südgebiet ernannt worden. ren üssssmssss* CrcndcrU Eine Geschichte aus Böhmen von Leopold komprrt. y x w,j. y. ▼..Tj'y.TOU; ▼ xxt. t. fFortfetzung.j Der Doktor verlor^ nicht den Mut seiner stark getvordenen Seele; er war es sich bewußt, daß die Leute nur insofern in ihrem Rechte waren, als sie sich für eine Sache nicht begeistern konnten, die wie ein Baum im Walde frucht- und tatenlos dastand. Erst lange Jahre mußten dähingchen, ehe die Verwirklichung einer Idee lebendig und fruchttragend vor ihren Augen in rüstigen, arbeitgekrästigten Handwerkern sich darstellte. Trotz, des geringen Eifers für sein Wollen und Wirken verlor Emanuel den Glauben an die bessere Zukunft nicht! Der erste Knabe, um den der neugegründete Hcurdtverkerveroin seine schirmenden Arme legte, war das Kind eures armen „Dorfgehers", besten Leben unter Mühe, Kummer und Drangsal erst kürzlich geendet. Es war eben unser Schlostermeister. So hatten die Leute also doch recht, wenn sie den Doktor der „Parteilichkeit und des Brotneides" 'anklagten, da er ein Kind der Gaste dem Berufe entriß, den sein eigener Vater seit so vielen Jahren ausübte I? Das Kind sollte nach der ersten Anregung Emanuels ein Zttnmcrmann werden. Dagegen erhob sich aber von allen Seiten ein wohlorganisierter Widerstand. Weil das Kind ein Waisenkind sei, das keinen Vater und Mutter habe, sprach man hier und dort, glaube man. alles könnte aus ihm gemacht werden. Aber um Gottes des Lebendigen willen, so etwas solle man lasten und die. Gemeinde dadurch nicht versündigen, so ettvas könne zu gar nichts Gutem führen. Rur schrittweise konnte es Emanuel über sich gewinnen. diesen immer lauter werdenden Klagen zu tveichen; er Ivar cs endlich zufrieden, daß der Handwerkerverein seinen Schützling — zu einem Schlosser machen wollte. Die Wahl dieses Handwerks traf nicht mehr auf so heftige Gegenstimmen, trotzdem man sich nicht'überreden konnte, was denn ein Schloster in der Gaste solle? Ob man etwa glaube, daß ein jüdischer Schloster von den zerbrochenen Schlüsteln und Schlössern der Gemeinde leben könne? Dennoch klagte man nicht über Versündigung mr Gott, und das war den Mitgliedern des Vereins genug; denn ihre Seelen waren ob des wirren Geschreis der sie anklagenden Frauen wirklich schon zaghaft geworden. Emanuel erfuhr es bald, welche Mächte einem einmal' aufgrrütteltcn Vorurteil zur Seite stehen. Als man den Knaben bei einem der Schlostermeister im Orte in die Lehre ... —.... Handsterk... . dazu noch die Hand bieten! Ihn hie Kunstgriffe und das Handwerk lehren und sich so an seinen, eigenen Vorteile kürzen! Am Handel habe man nicht genug, jetzt solle auch das Handwerk daran! So erging es dem Vereine bei drei, vier Meistern, bis sich ein fünfter fand, der aus „Mitleiden" und weil er den Vater de» Kindes sehr gut gekannt, ihm die Lehr- und Werkstätte auftat. Aber schon nach einer Woche wurde der Knabe mit der Weisung entlasten: „die Zunft" sei dagegen, der „Zechmeister" habe in ihrem Rainen feierlich gegen di« Ausnahme des Kindes protesttert; es müsse ihn nur wundem, daß man ihm selbst noch nicht die Fenster eiageschlagen habe. Auch bei den Meistem in der Nachbarschaft hatten die Bemühungen des Vereins keinen besseren Erfolg, und Emanuel nmßte es sich schmerzvoll gestehen, daß der Mg, au» Vereinen heraus einen jüdischen Handtverkerstand zu gründen, ein verfehlter sei. Was nian den, einzelne^zugcstanb. me den, das schlug man entschieden den vielen ab, . sam als die Vertreter des ganzen Volkes kamen . stzortstpung folg».; gleich- Moa -erg und T«l. Köln. Die Jüdische Kinderhcilstätte Bad Kreuznach. lvclcl)e der Pflege und Heilung skrofulöser, blutarmer und rhachitischer Kinder dient, bleibt auch im Winter geöffnet. Wir machen unsere Leser auf daS Inserat in der heutigen Rümmer besonders aufmerksam. Bonn. Am Montag den 4. Oktober findet im renovierten Dreikaisersaale der Simchas-Thora-Ball des hiesigen Synagogenchors statt. Wir nmchei, -nicht nur die Mitglieder unserer Gemeinde, sondern auch unsere Leser in der näheren und lveiteren Umgebung Bonns auf diese Veranstaltung aufmerksam, die seit Jahren zun, ersten Male wieder unsere Gemeinde zum fröhlichen und sorglosen Lleisammensein vereinen soll. Der Vorstand des Synagogenchorvereins hat alles getan, daß das Fest zu aller,Genugtuung verlaufen wird. ' Die Koteniasche. Der alte Magid. iSchluß.j Aber nicht so leicht hat sich der Magid in sein Schicksal gefügt. Sein langer Bart niit den vielen, drinschiinniernden weißen Haaren, der ihm das Aussehen eines „Gelehrten" verlieh und sein langer halbseidener Kaftan hielt ihn vor diesem letzten Mge zurück. Er suchte nach anderen Mitteln. Das erste Mittel »wir, eine neue Predigt über Zion um jeden Preis zu erlernen. Er hat schon einigemal so für sich selbst hin es versucht und in der Stille die Prot»e zu einer derartigen Predigt gemacht. Aber es lvollte nicht gelingen. Erstens fehlten ihm die Worte, über die die neuen Prediger lcerfügten, ztveitcns konnte er nicht den gehörten Ton finden, und drittens hat er selbst an die neue Predigt nicht geglaubt... Ihm schien es, daß i», Moment. wo er die Tribüne besteigen und die ersten Worte sagen wird, die Zuhörer ihn sofort bei der Lüge er tapfren N>erden. daß sic sofort erkennen werden, daß er selbst nicht daran glaube. Und Verztveiflung und glühender Haß überwältigten ihn. Mnn er nur iinstande wäre, alle neue» Prediger, diese Zionisten, anszurotten, daß von ihnen kein Andenken mehr bleibe! Aber er fühlte sich ihnen gegenül>er so all. so schwach, so tvchrlos. Seine Waffe, die sechs Predigten, ist abgestumpft und er kann sich ihrer nicht niehr zum Kampfe bcbiencn. Er muß sich aber retten, er muß sich eine Waffe r>erschasfen! Glücklichertr»cise hat er erfahren, daß Gott sei dank noch nicht alle Juden von den Zionisten verführt worden sind, daß es noch viele Städtcl-en gibt, bcsonders in Polen, wo die Juden sie Ketzer nennen und sie