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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-10-01 · 70 (1.10.1920) · p. Seite 382

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
70 (1.10.1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 382 (sequence 2)
Language
German
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Berlin. Ter Polizeipräsident hat entschieden, daß' die Beamten der jüdischen Gemeinde in Berlin alS öffentliche Beamte im Sinne de- Betriebsrätegesetzes gelten. Berlin. Infolge des Briests des Kultusministers Haenisch und zahlreicher rveitere'r Bertmuenskwrdgebungen wird Prof. Einstein einer Berufung ins Ausland nicht Folge leisten, sondern vorerst in Berliir"bleiben. Pole«. Berlin. Tie „Freiheit" bringt von vertrauenswürdiger christlicher Seite unter der Überschrift „Die polnische Hölle" eine Anzahl für die gegenwärtige Behandlung der Jude» in Polen charakteristische Fälle. Wir greifen einige heraus^ In Grodno verlangten die abziehcnden Polen von dem Becker Schivarz. da st er ihnen Ofen liefere; da er das nicht konnte, drohte man. seine Tochter zu vergewaltigen und liest sic nur gegen 80 000 M. frei. Schwarz selbst ritz man den Bart mit ganzen Stücken Haut ab. Bei einem aus Amerika nach Grodno mit Hilssgeldern zurnckgekehrten Jaden drangen die Polen ein, und da er nicht anir»esend war, wollten sie die Schwester vergewaltigen und erschossen den der Schtvestcr zu Hilfe eilenden jüngsten Bruder. Einen Tag nach dem Abzug der Polen aus Grodno velichwanden 21 zu Zwangsarbeiten hcrangezogene jüdische Bürger; l5 davon fand man einige Tage später mit abgeschniltcncn Gliedern, ausgestochenen Augen usw. erinordet im Feld. kowno. Atls Polen fluchten Scharen von Juden iibfr die litauisck-e Grenze, uin vor den polnischen Juderrveisolgungen und einer rücksichtslosen Mobilisierung Schutz zu suck>en. Die litauische Regierung wird dadurch in eine schivierige Lage gegenüber Polen Ersetzt. Ost-Galizien. Wien. Tie Wiener Morgenzeitung bringt nachstehende Meldungen aus Ostgalizien: Seitdem das polnische Armeekommando dem östukrainischen Bandenhäuptling Pctljura die Benvaltung Ostgaliziens bis zuin Tnjestr übertragen hat, hat dort eine sitstematische Jagd gegen die jüdisckie Bevölkerung eingesetzt. Wo iinmcr die Pctljmabandcn erscheinen, fallen ihnen die jüdischen Masten der kleinen Flehen zum Opfer. So wird aus Jozloivice, Jezerziany. Wielkie und aus Borszczow gemeldet, dast die gesamte jüdische Bevölkerung dort bis aufs Letzte ausgeplündert ivurde. Schändungen und Vergewaltigungen jüdischer Frauen und Mädchen gehören zu den gewöhnlichen Ersch'einungen. Es wiederholen sich überall die alten lvstialischcn Exzcste wie in der Ostukrainc. Sehr oft schießen die Soldaten zum „Scherze" blind in die jüdisckw>l Häuser hinein, wodurch wiederholt Kinder ihr Leben verloren haben. Das Städtchen Wojnilow bei Stanislau war drei Tage hindurch der Schauplatz eines schrecklichen Pogroms, den die vierte Schlvadron der achten Petljura-Kosakenbrigade unter dem Kommando des Fähnrichs Zuba veranstaltet hat. Tie genannte Schtmdron marschierte von Kalusz zur Dnjestrlinie und nwchte unterwegs in Wojnilow Halt. Die jüdische Bevölkcnmg des Städtchens wurde vollkommen arisgeplündert. Ter Sachschadenbeträgt über zwek Millkonen polnisck>er Mark. Es wurden viele Juden verwundet und getötet. Den Frauen »ist man die Kleidungsstücke herunter und trieb sie nackt durch dir Straßen des Städtchens. Fünfzehn Mädcl>en ivurden vergetvaltigt. Berlin. Eine aus Ostgalizien in Deutschland einge- Irosfene Dame schildert die graueirhaften Zustände rmd Leiden der Juden in Ostgalizien. Wir entnehrnen ihrem Bericht nachstehende Angaben: In Stanislau und Umgebung Boisezowice, Kalusz, Wojnilow, Peveheuski). Jezupol ist es zu schrecklichen Exzesten gekommen. * Am 28. August sind in Wojnilow 50 Juden gemartert worden. Jedem wurde ein Glied abgenommen. Dem Schojchet ist ein. Arm, andere« Ohren, Zunge, feto' üsiF mit Gewcrlt entfernt worden. Archer diesen find^ viele in Stücke zerschnitten worden. Die 50 schwer Verwundeten sind nach dem Krankenhaus in Kalusz gebrächt worden, wo die Dame di« Verwundeten selbst besucht hat. Auch in Bolszowice soll c$ furchtbar zugegangen fein; l2jährige Mädchen hat man vergewaltigt. Wien. Ein in Prag lebender Stanislauer erhielt von seinen Angehörigen auf besonderem Wege «inen Brief, in dem es heißt: - .Miemand hört unser Stöhnen rmd Schreien um Hilfe. Du kcurnst dir kaum vorstellen, was wir mitmachen. Tagtäglich kommen Flüchtlinge aus verschiedenen Städten rmd Dörfern gelaufen, welche barfüßig, kaum mit dem Leben davongekommen sind. Die Spitäler in den größeren Städten sind überfüllt van Juden, welche in brutalster Weise von den Hajdamoken (Schwarze Hundert) mastakriert. wurden, denen Hände und Füße, Ohren und Nasen abgeschnitten wurden; Greueltaten, die. seit di« Weltflamme lodert, nicht vorgekommen sind, überall sicht man wahnsinnige Gesichter der geschändeten Frauen, welcht in der Stadt herumirren. Wir leben in einer solchen Todesangst, daß sich die Eltern täglich schwächer fühlen aus Furcht, es erwarte uns dasselbe Schicksals Die Banden der ukrainischen „Wilden Division", welche in General Petljuras Armee eingereiht sind, hinterlasten, wo sie durchziehen, Bilder der Verwüstung und Verödung. Wir fürchten mehr unsere Freunde als die Feinde. Olle Organe sind diesen gegenüber machtlos." Tschecho-Slowaket. Prag. Der Generalsekretär der Zionistischen Organisation in London, Herr S. Landman, welcher dieser Tage in Prag weilte, wurde vom Minister des Äußern Dr. Benesch einpfängen. Herr Landman ersuchte den Minister, die Erlaubnis zu erwirken,'daß die in allerletzter Zeit auf tschechoslowakisches Gebiet aus Polen und insbesondere aus Ostgalizien geflüchteten Juden, welche die drohende Ankunft der bolschewistischen Heere ober die Pogrome der Petljura- Banden aus der Heimat vertrieben haben, bis zu ihrer endgiltigen Auswanderungen andere Länder in der Tschechoslowakei verbleiben können. Der Miniister versprach, einem speziell gegründeten Komitee Wohngelogenheit für die . Flüchtliirge in eigenen Baracken zur Verfügung zu stellen. Das Komitee besteht aus der Prager Filiale des Joint, Vertretern bcs jüdischen Nationälrates, des ostjüdischen Hilfskomitees rmd des Prager Palästina-Amtes. Die Lebeir- und Elcldmittel werden hauptsächlich vom Joint beigestellt. Rumänien. Bukarest. Laut „Mantuirea" hat Malik durch Vermittlung der rumänisch-zionistischen Federation an die rumänische Jlegierung das Ansuchen gerichtet, ihm die Einreise nach Rumänien zu gestatten, da er dias bolschewistische Rußland verlassen rmd mit Familie nach Palästina übersiedeln möchte. Dem Ansuchen Bialiks ivurde stattgegeben; seine baldige Ankunft in Besiarabien steht bevor. Ungarn. ' Budapest. Das Wochenblatt Egyenlöseg hat jüngsthin die Errichtung einer jüdischen Universität angeregt. Auf diese Anregung hin erschien — wie das genannte Blatt ineldet — der bekannte Philanthrop Samuel Hersch beim iltabbiner Dr. Jlles Adler und zeigte ihm an, daß er für die jüdische Universität eine Million Kronen testamentarisch vermache, zu,Lebzeiten aber 50.000 Kronen jährlich beizutragen geneigt sei. «»erika. Newyork. Am 29. August ist Louis Brandeis auf der „flffilwrii" «ii awrbon in Newyork eingetrofstn. Zeimit dem Men

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