Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 70 (1.10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE Erscheint fttze» gfctütf. ineil 2.60 «. mutt. Z, »-»ich«, »»rch ftl»1lichr P»ßi»ter »tzer d»rch kn BtttMetlii l« Bia*. VOM RHEIN ■aicittafttU: 1.60 M. fit kU«Ut< §esp. Li« |«i|< Srit» amfaft 880 ZeUia. P,stsch«Ff»*i» Jüdisches Volksblatt > B«tm«*iM»,« «»l,«,. 74747. Hera»sg«g«ben von Rabbiner Or. Kmik Aohn. Bonn. Schristleitung und LeschLstrstellt: Bonn, Brüdergaffe 62. Pommer 70 Monn, 1. Hkiobev 1SS0. — IS Gisctzri 8681 ' I 2. zotzrgmlg. .WWIIWWWHWMMIH^ | Schemini ajeies 5681. 1 \ U Das Ende des festes. Ach, Herr, hilf doch! Psalm NS, 24. Da mit Sokrates die Freunde tranken, Und die Häupter auf die Polster sanken, Kam ein Jüngling, hum ich Mich entsinnen. Mit zwei schlanken Flötenbläserinnen. Aus den Kelchen schütten wir die Neigen, Die gesprächesmüden Lippen schweigein, Um die welchen Kränze zieht ein Singen .... Still, des Todes Schlummerflöten klingen! So ging bei den Hellenen das Fest zu Ende. UnS Juden sirrken nicht die Häupter auf die Polster, aber die Hütte liegt zerschlagen; wir schütten nicht die Neigen aus den Kelchen, aber unser tausendjähriges Auge starrt auf den schrumpfenden Esrog; nichts an den Schläfen welken uns blühende Kränze, aber welke, zertretene Weidenäste rascheln unL zu Füßen. Ja, die „Zeit der Freude" geht auch uns zu Ende, immer lauter wird der bange Ton in der rauschenden Flut der Festschalmeien: Herr, hilf! Hauschah nohl Wuartabares Fest! Wie steht deine Freude so lächelnd zwischen Fürchten und Hoffen! Wie zuckt der Blitzstrahl deiner Bangigkeit unter dem Regenbogen deiner heiteren Stunden hervor. Wie der Tod mit seiner Geige auf Böcklins Selbstbildnis hinter dem blühenden Künstler steht, so geigt es in deine Freuden hinein: „Zum Segen und nicht zum Fluche! Zum Leben und nicht zum Tode!" Der Liturg, der dieses Festes Stimmen schuf, war ein großer, reicher Künstler-Mensch: Er schuf eine ewige Symphonie der menschlichen Seele. Denn das ist das Eigen- und Großartige am verklingenden Hüttenfest, daß es alle StiNr- »ren des jüdischen Jahres zusammenfassend zu einem wundersamen Abklang bringt: Hauschanoh rabbo in Nacht und Morgendämmer mit Selichahton und Jomkippurdünkel, fröhlicheres Scheminiazeres mit letztem Lachen und doch schon dem bangen Ruf um Regen und Tau, allerletzte Enrte unter Dach und Fach am Freudenurrd Jubelfeste der eingeheimsten Thora, — wahrlich, welch ein Auflchwung, welches Zusaimnenfluten aller Töne. Und doch nur e i n Ton über allen Tönen, immer wieder auftauchend als das tragische Leitmotiv des sterbenden Sommers: „Ach. Herr, hilf doch! Ach. Herr, hilf doch!" ' Wunderbares Fest! Wie bist du verankert in deinem Jahre, wie trägst du die Farben des Herbstes! Schön ist der Sommer, der Winter schlimm. Recht gelernt haben wir das erst in den letzten Jahren, wo es uns Nicht gelang, die Bangigkeit der.sechs dunklen, kalten, darbenden Monde zu ütaätnWItr Fern vön der SorE Wfch P das Schlimmste, ein bischen Sonnenscheiin schon ein richtiges Glück. Ja. die schlimme Zeit, in der wir leben, hat uns der Sonne näher gebracht. Denn diese Zeit steht auch auf der Grenze zwischen Fürchten und hoffen, wie das scheidende Hüttenfest, das uns so fast ein Sinnbild unserer Tage ist. Immer wieder nehmen wir den Anlauf zu neuem Hoffen. immer Meta reißt es mÄ hinab in Zweifel und Dunkelheit, und immer wieder, »nenn der Winter kommt, rauscht ziviefach das Bangen mit finsterem Flügel um unsere zitternde Seele: „Ach, Herr, hilf, hilf doch!" Des Festes Endes Da stehen wir Menschen immer, ivenn wir uns des Menschen in uns bewußt und kundig iverden. So ist das Schlußfest wahrhaft ein Spiegel unseres Menschenlebens, und das große Hauschanoh nichts anderes als der ewige Lufthunger und Lebensschiei der menschlichen Seele. Schön ist das Leben und golden die Sterne. Aber immer stehen wir an des Festes Ende, iminer sind wir daran, die Weidenzweige abzuklopfen und die Sukke zu räumen: Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel! Ter Esrog verschrumpft, der Pvlmzweig zerbröckelt. Ter Tempeldiener fegt den Vorhof Und fegt hinaus - Frucht und Laub und Staub ... Es weht ein Wind. Wie ein Pfeil aus dem Bogen Ist alles verflogen. Emil Cohn. r'MLIWMSSWSWWlLELMWISLWiNMLUUS tvkWLLLLSIZ Mocdenfcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Berlin. Nach den soeben erschienenen Mitteilungen deS Dcutsch-Jsraelit. Gemeindebundes findet ta 15. ordentliche Gemeindetag am 17. November statt: Hauptgegenstand der Beratungen tvird die Schaffung einer Gesamtorganisation der tauschen Juden seirr. Frankfurt. Der Newyorker Bankier Speyer, ein geborener Frankfurter, hat nerrerdings für die Unirrersität Frankfurt l Million Mark gestiftet, an die nur die Bedingung geknüpft ist, daß auch der Staat einen gewisien Zuschuß leistet. Die Stiftung ist dem Andenken der Schwester des Bankiers, der verstorbenen Frau Beit, von Speyer in Frankfurt gewidmet. Berlin. Nachdem in Magdeburg das Tragen von Hakenkreuzen für sänrtliche Militärpersonen Mitteldeutschland in Uniform und Zivil verbalen»ist. erläßt jetzt das Provinzialschulkollegium der Provinz Sachsen eine Verfügung, lvohurch das Tragen von Hakenkreuzen auch den Schülern der Provinz Sachsen verboten wird.