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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-09-24 · 69 (24.9.1920) · p. Seite 374

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
69 (24.9.1920)
Date
1920-09-24
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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einen ordentlichen Klumpen auf- Brot zu schmieren, und müßte man auch drei Tage lang trocken Brot effen? Jeder Mensch will einmal einen „Schluck aus der Pulle" haben, das ist menschlich und weiter nicht-: Genug ist nicht genug! Dieser Schluck ist dem Menschen der Herbst, söine Fülle, sein Reichtum, seine Verschwendung, sein Stem. Und das Laubhüttenfest, die Zeit unserer Freude, ist uns Juden dieser eine volle Zug am Borne heS Genusses, den Gott uns verstattet einmal im Jahre — wärs öfter, so wärs tveniger! — »veil er. der große Kenner aller Menschlichkeiten, er, der uns vielleicht-um unserer Adischkeit willen ammeisten liebt, wohl weiß, Saß das Herz auch einmal des Überflusses bedarf, um leben zu können; — und weil die Stunde des Genusses erbblühte aus Schmerz, Reue und Seelennot vorangegangener Tage, in diesem Überfluß, dessen nicht vergessen wird, in desten Rechter alle Lieblichkeiten, aller überfülle der Freude, ja der ganze selige Weg des Lebens liegt. E m i l C o h n. iSü'ällEÄ QXocbenrcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. itssms.i «Ji Berlin. In einer Sitzung des Auswärtigen Amtes, zu der auch Vertreter des „Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands" zugegen waren, wurde die durch die Abschiebungen in Kattowid'besonders aktuell gewordene Frage der Behandlung der Deserteure fremder Staaten eingehend beraten. Es wurde beschlostrn, Deserteuie, sowie Kriegsgefangene, die nicht heimkehren wollen, an fremde Staaten nicht auszuliefern. Die Behörden werden in diesem Sinne instruiert werden. Dieser Beschluß enthält zwar nur eine Selbstverständlichkeit, doch ist c£ wichtig, daß damit der schwankenden Praxis ein Ende gemacht »vird. — Zu der Abschiebung in Kattotvitz wird noch bekannt, daß der vom französischen Kommando gegebne Befehl, alle Ausländer abzuschieben, der von der deutscl)en Sicherheitspolizei zum eiligen Abtransport der Ostjuden benutzt »vurde, bereits am nächsten Tage widerrufen »vurde. ~ (I. P.-Z.) Berlin. Am l.p. M. ist ein jüdischer Bahnhofsdienst vom Jüdischen Arbeitsamt und vom Jüdischen Frauenbund eingerichtet »vorden. Ter Bahnhofsdienst hat die Aufgabe, den durchreisenden und ankommenden Ostjuden sofort mit Rat und erster Hilfe zur Seite zu stehen, ihnen die erste Verpflegung zu geben, für ihre Unterkunft zu sorgen und sie an die bestehenden Hilfsorganisationen zu weisen. Berlin.' Der „Jüdische Verlag" und der „Welt-Verlag" in Berlin haßen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt, rim in großzügigster Weise allen Aufgaben deS jüdt» scheu Verlagswesens gerecht zu werden. Der Welt-Verlag »vird auch »veiterhin besonders die jüdisch-literarischen Leistungen im deutsci)en Sprachgebiet pflegen. Dr. Martin Bul«er hat die oberste literarische Leitung der beiden Verlage übernommen, Tr. Jakob Klatzkin die hebräische Abteilung im Jüdischen Verlag. Für den Einzelvertrieb der "Bücher »vurde die E»ver,Gesellschaft, die bereits in Berlin W. 13, Knesebeckstraße 54/55 eine Buchhandlung hat, gebildet. Das Direktorium des Gesamtunternehmens bilden: Dr. Buber, Dr. Jacobson, Dr. Krojanker, Alwin Löwenthal u»rd Tr. Eliasberg. Tilsit. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde einstimmig folgende Erklärung angenommen: „Mit Abscheu und Entrüstung haben die Stadtverordneten fiimtlid)et Fraktionen Kenntnis genommen von der Judenhetze, »vie sie jetzt schärfer und brutaler als je in Tilsit betrieben »vird ... Die Sicherheitsorgane werden ersucht, der .Hetze mit aller Strenge entaegenzutreten, »vo sie nach außen hin in Erscheinung tritt.. Tie Stadtverordneten sind nicht gewillt, das «W der G-Ätcheit ^ttrrStadtÄchsewissenlose Judenhede gefShrd^n zu lassen." Berlin. Dx. Hantke, der in London das Finanzresiort der zionistischen Leitung führte und jetzt nach seinem Ausscheiden aus der Exekutive besonders mit der Leitung des für die Palästina-AufbauSammlungen geschaffenen „kontinentalen Büros" betraut worden ist, ist nach Berlin zurückgekehrt. Polen. Warschau. Die polnische Regierung hat alle von der Front zurückgezogenen jüdischen Offiziere und Soldaten in Jablonna konzentriert, wo sie unter den unglaublichsten Verhältnissen zusammengepfercht sind. Auf die überaus zahlreichen Interventionen in dieser Angelegeicheit »vird jetzt ein Teil der „Internierten" und zwar vorerst die freiwilligen Soldaten, wieder zu ihren Truppenkörpern überführt. Warschau. In Siedler verhafteten die Polen nach ihrem Einmarsch 400 Juden als Bolschewisten, darunter eine Anzahl, Handelsschüler, 5 von ihnen »vurden sofort erschosien, 5 andere zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Das Schicksal der übrigen ist noch nicht entschieden. London. Der Daily Telegraph verzeichnet eine Reihe polnischer Getvalttätigkeiten gegen die Juden in den von den polnischen Truppen wiedergenommenen Gebieten. Das Blatt fordert die Entsendung einer alliierten Kormnisfion, um weitere Verfolgungen zu verhüten. Warschau. Das Zentralkomitee der polnischen sozialistischen Partei hat sich auf einer Spezialsttzung mit den durch die Judenhetze der polnischen Presse hervorgerufenen antisemitischen Ausbrüchen eingehend beschäftigt und über Gegenmaßnahmen beraten. Warschau. Die Zeitungen melden den Tod des Rabbiners Chaim Schapiro in Plozk. Sein Hinneigen im eifrigen Gebete bezeichneten die Polen als geheime Signalgebung an die Bolschetvisten. Auf Grund des Utteils deS Feldgerichts vom 27. August wurde der 50jährige Rabbi-' ner, ein angesehener, durch seine überaus große Frömmigkeit bekannter Mann, zum Tode verurteilt; das Urteil wurde am gleichen Nachmittag vollzogen. - Warschau. Auf Initiative der Slome Emune Jisroel fand in Warschau am 28. August unter Beteiligung der Vertreter aller jüdischen politischen Parteien eine Be-. ratung statt, zwecks Bildung einer einheitlichen jüdischen Front. Die Besprechungen werden fortgesetzt werden.' Warschau. Hier sind 2000 jüdische Familien, die 8000 Seelen umfaßen, Heimat- und mittellos angekommen. Die jüdische Gemeinde tut alles, was ihr möglich ist, um sie mit den nötigsten Nahrungsmitteln zu versehen. Krim. London. Trotz den Äußerungen General Wrangels über tolerante Behandlung der Juden treffen hier überaus beunruhigende Nachrichten über die Lage der Juden in der Krim ein. Eine neue antisenlitische Hetze, die sowohl von unverantwortlichen Elementen als auch von offiziellen Personen und Behörden, ja von den offiziellen Communiques des Generals Wrangel selbst bettieben wird, bedroht die dort lebenden Juden täglich in ihrer Existenz. Viele zittern um ihr nacktes Lebey. Aus zuverlässiger Ouelle wird berichtet, daß sie jeder Bewegungsfreiheit benommet» sind, und zwischen gewißen Rayons sei den Juden jeglicher Verkehr überhaupt verboten. Ost-Galizien. Wien. Aus Ostgalizien dringen ungemein beunruhigende Berichte über die von den Banden Petljuras verübten Gewalttaten an Juden. Auch in Polen sollen die Truppen zahlreiche Justtfizierungen an Juden vornehmen. Verläßliche Nachrichten find tar, dü die jüdischen Zeitungen in Polen einer strengen Zensur unterliegen.

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