Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 69 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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AMtial jckca iwtl« 2.50 «. Mcatd. 3a »«zlchra durch fta(H4<v P»ßi«ter »der d»rch kca v»tea»«rl«i ia 8»aa. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■aicittayttll: 1.K0M fRrklcaicr» »csp. fdUitUc. Sic tM|t Seite aafaftMO&Uca. P^chccklCt, Battaatrlc« 8»aa, UiaVtr.74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Arnil Kohn, Bonn. Schristleitung und GeschLstrstelle : Bonn, Brüdergaffe 82. P,««rr 69 ZSonn, L4. September 1SL0. — 12 Uischri 5681 2. Zchtzrgtm-. v Hn untere Lefer! Der „Jüdische Bote vom Rhein" tritt mit Nr. 6Y das vierte Vierteljahr seines 2. Jahrganges an. Wir richten an unsere Leser, welche das Blatt durch die post oder den Buchhandel beziehen, die Bitte, di« Bestellung für das vierte Vierteljahr schnellstens, falls noch nicht geschehen, zu erneuern, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. Diejenigen Bezieher, welche die Zeitung direkt von uns erhalten, bekommen dieselbe ohne besondere Erneuerung fortlaufend zugesandt. Durch die fortwährende Steigerung aller Unkosten waren wir gezwungen, den preis auf Mk. 2.50 pro Monat festzusetzen. Wir bitten unsere Leser höflichst, den Betrag von Mk. 7.50 für da» nächste Quartal umgehend auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 7<$ 7^7, Botenverlag Bonn, zu überweisen. Nach Ablauf eines Monats werden wir uns erlauben, die noch nicht eingezahlten Abonnementsgelder durch Nachnahme zu erheben. IHM" Infolge vielfacher an uns ergangener Anfragen, und uni den Wünschen der meisten unserer geehrten Bezieher zu entsprechen, erklären wir uns gern bereit, der Einfachheit und der Porto-Lrsparnis wegen Abonnements» beträL« auch für mehrere Vierteljahre auf einmal im voraus cntgegenzunehmen. DU Expedition Die QUener Kinder verfassen Bonn am Dienstag den 12. Oktober. Wir bitten hierdurch dringend alle Familien, die Wiener Binder ausgenommen haben, dieselben bereits am Montag den 11. Oktober um 12 Uhr mittags nach Bonn, Tempelstraße 12, zu bringen. Jüdischer Bote vorn Rhein. \ HMtMHNffMMMOMHMMNMNHHHMHMHIMt«. y Suklroth 5681. ^••MMMaNNNNitNIN 0<nug ist nldit'genug! Lehre mich bei, Weg deS Lebens: überfülle . der Freuden vor deinem Angesichte, Lieblich- , leiten in deiner Rechten immerdar. ■ v Psalm 16, 11. Genug ist nicht genug! Gepriesen weide Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte! Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte, Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde. Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube! Ti« saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde! ' Die trunlnen Wespen summen in die Runde: „Genug ist nicht genug!" »m «ine Traube. Genug ist nicht genug! Mit vellen Zügen Schlürft Tichtcrgeist am Borne deS Genusses, , Das Herz,—auch eS bedarf deS Überflusses, Genug kann nie und nimmermehr genügen! Konrad Ferdinand Mclser. der Schweizer, hat das gesungen, und wenn es ihm einer nachfühlen kann, so sind es wir Juden am Tage unserer Freude, der dem Tag unseres Torbens folgt, da wir uns in die luftig^ Hütte setzen mit dem Blicke-ins Laub und dem Blicke durchs Laub hindurch in die ewigen Sterne hinein, die über uns »vandern: Genug ist nicht genug! Und dabei ist es doch eine so schöne Lebensweisheit, die Weisheit des „Saumeach bechelkau", des mit seinem Anteil Zufriedenen, der der wahrhaft Reiche ist. Und gibt sich diese Weisheit auch manchmal spöttisch wie in der Fabel vom Fuchs, dem die Trauben zu hoch hingen und deshalb sauer rvnren, oder gar grob lvie in beinhalten jüdischen Wort: „Den Knochen, den das Schicksal dir zulvarf, er sei gut oder schlecht, benage", — Lebensweisheit bleibt doch Lebensweisheit und erprobt must sie doch auch gewesen sein, sonst >W» sie nicht so sprichwörtlich geworden. Aber es liegt immerhin ein Wcrmulstropfen in dieser Weisheit, sie hat ein bischen den Armeleutegeruch und ganz stimmen tut sie — und das hatfie mit der Weisheit fast>jeden Sprichworts gemein — doch nicht. Wenn wir die spöttische Nachricht Wilhelm Büschs hören: „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen — an Dingen, welche wir nicht kriegen I" so wissen wir sofort, das; das doch ein sehr zweifelhaftes Vergnügen ' und die'Genügsamkeit ein ähnliches Vergnügen ist. Gewiß: Klug, mcifc und vor allen Dingen praktisch ist es. sich mit seinem Knochen >zu freuen, obec glücklicher macht es manchmal, ein bischen töricht, umveise und unvorherdenlend sein, und einen Augenblick gelebt im Paradiese zwar nicht mit dem Tode, aber mit manchem Darben zu erkaufen. Leichtsinn mag tadclnslvert sein, ein leichter Sinn ist ein .Glück und ein Maststab der Herzen dazu. Nicht die Schlechtesten sind cs. die einmal filier die Stränge schlagen. Herrgott, nun hat man so lange die Butter gekratzt, soll man. da per Buttertosts.voll ist. sich immer so den schönen Stoff nur nach Gpamm zuwicgcn und nicht einmal dazu kommen,