Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 68 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sönlichkrt. von BmMsilivpstmffm und Verleumdtmgcir nicht verschont geblieben M Erne besondere Genugtuung ist es mir, daß diesem Vorgehen gegenüber Gelehrte von anerkanntem Ruf. ua. auch hervorragende Vertreter der Berliner Universität, sich zu Ihnen bekennen, die nichtswürdigen Angriffe gegen Ave Person zurückweisen und davon erinnern, wie Are wissenschaftliche Arbeit Ihnen einen unvevgängiichen Platz in der Geschichte unserer Wissenschaft sichert. Wo sich die Besten für Sie einfetzen, wird es Unen um so leichter fallen, solch häßlichem Treiben keine weitere Beachtung zu schenken. Ich darf deshalb »vohl auch der bestimmten Hoffnung Ausdruck geben, daß die Gerüchte nicht der Wahrheit entsprechen, Sie wollten jener häßlichen Angriffe wegen Berlin verlassen, das stolz darauf bleiben ivird. Sie zu'den ersten Zierden seiner Wissenschaft zu zählen. 9 Mit Genugtuung verzeichnen wir einige Äußerungen der rheinischen Presse: Die sozialdemokratische. „Rheinische Zeitung" schreibt: Weit über die Person hinaus ist der Fall Einstein zu einer Frage der gesamten Nation geworden. Wir haben uns dabei nicht mit der Relativitätslehre zu beschäftigen. Nicht damit, ob Einstein ein noch in Ahrhunderten leuchtender Stern am wisiensä)aftlichen Himmel ist, oder ob seine Lehre vor den rauhen Tatsachen verblasien und von ihnen hiniveggespült werden rvr'rd. Diese Untersuchung i inüsten wir der Zeit und den Gelehrten überlasten. Was uns politisch betrifft, ist die Schmach, daß ein in der Wissenschaft, hochstehender Mann von den Radauantisemiten angepöbelt wird, daß er seine Studien in Deutschland nicht fvrtsetzen kann und deshalb sein Vaterland voll Ekel zu verlosten gezwungen ist. Seit die letzte Sonnenfinsternis die Lehre Einsteins bestätigt haben soll, klingt sein Name durch die ganze Welt. Die Universität in Leiden verlieh ihm eine Ehrenprofestur, tvas nur ganz wenigen großen Forschern bisher von dieser berühmten holländischen Lehrstätte zuteil geworden ist. Ententestaaten haben den deutschen Wissenschafter geehrt, seine Hörsäle sind überfüllt, wo sie sich befinden; die deutschfeindliche Londoner „Times" brachte, bereits vor Friedensschluß einen Leitartikel aus Einsteins Feder, und ivenn die alldeutschen Professoren das Ansehen Deutschlands und seinen wissenschaftlichen Ruhm nicht wenig heruntergebracht haben, Einstein hob ihn wieder, erfüllte das Ausland mit Achtung vor Deutschlands Gelehrsamkeit, daß map den Erfinder des die Technik und die Physik unuvälzendcn Relativitätsprinzips geradezu als ein Stück deutscher Valuta bezeichnen kann. Neben den Meistern der Physik, die Einsteins Lehre zustimmen, gibt cs auch solche, die sic ablehncn. . Es wäre auch schlimm, tvenn jede Entdeckung kritiklos hingenommen würde. Es ist ja gerade das Wesen aller Wissenschaft, daß sie sich unabhängig selbst prüft, daß man sie ivendet und nach jeder Seite betrachtet;sonst stünde sie eines Tages still, und das Leben würde über sie hinwegschreiten. Wie in der Präzis gilt in der Theorie das Wort des griechischen Philosophen Heraklit: Alles fließt! Wenn so die Gegner Einsteins ernst und sachlich an seine Lehre herantreten würden, könnte man es auch begrüßen. Die Vorträge, die jetzt in Berlin gegen Einstein gehalten, die Broschüren, die gegen ihn verbreitet wurden, galtenjcdoch nicht dem Forscher, sondern dem Juden Ein st ein. Wie schon im Frühjahr alldeutsche Studenten seine Volksvorlesungen durch antisemiffsche Pöbelcien störten und sogar unmöglich machten,!so fanden sich jetzt wieder Schüler und Lehrer mit dem gesamten reaktionären Troß ein, uin den Juden Einstein zu beschimpfen, nicht um dem Physiker sachlich zu entgegnen. Aus den gleichen Motiven sind die gegen ihn erschienenen Schriften geschkieben, und den Gipfel erreichten die jungen Hakenkreuzritter, die Einstein in der Berliner Philharmonie umringten und ihm zuriefen: „Schneidet dem Säujuden den Hals ab!" So wüten „bessere" und „gebildete" Kreise gegen einen Mann von Wcltruhm, dessen Name in einer Linie mit Galiläi, Kopenrikus, Kepler und Newton genannt wird. Hätte Einstein Tausende von Familienvätern in den Tod geführt, wäre er Kricgslieferant genasen und« nicht linksstehender Pazifist, wäre er ein Hurraprofestor des Durchhaltens wie der Münchener Dr. v. Gruber. der l.r> Millionen Deutschen den „notnvndigen'^Hungertod wünscht, dann würden ihn die Alldeutschen bekränzen. Er ist jedoch ein Friedensfreund, ein berühnitcr Forsckrcr und ein Jude, lr>as bei den Kraftprotzen und Krsegsverlängcrenr genügt, um ihm den Hals abzuschneiden . . . Tr. Kurt Tteinthal schreibt im „Kölner Tageblatt": Im Ausland ist Einsteins monumentale -Bedeutung viel unumstrittener als bei uns. Er ist' dort draußen, in Italien, in England, in Amerika, die Zcitgrößc schlechthin. Die Wistenschaft Unsrer Feinde hat früher als die eigne deutsche den Hauch der Zeituende gespürt, der den prof. etnstcftl. * Atlantic.) einen steilen GedaEn dieses deutschen Gelehuen umwittert. Englisckie hwlehrke, die man draußen sprach, nannten Einsteins Namen nie ohne den flüsternden Ernst des allerletzte» Respekts. Während des Krieges ivurdc in London zweimal'der Premier bestürmt. zugunsten eines Gedankenaustaujchs mit dem in Berlin lebenden Entdecker des Rclativitätsprinzips das Gesetz gegen Verkehr mit dem Feind zu durchbrechen. Der deutschen Kulturprvpaganda. die in den Jahren 191 r» bi* 1!)18 in de» neutralen Ländern wirkte, um den Anschluß »ii«-^in augenblicklichen Feind wenigstens in geistigen Dingen^uicht völlig verlorengehe» u lasten, wurde von Verständigen immer und immer >viecr der Name Einstein genannt als die Brücke, auf der es einen Weg gebe ... * Ein Mamhastcr Kölner Wissenschaftler sag« in einem längeren Schreiben unter ändert» folgendes: „Ich empfinde'das in Berlin gegen Albert Einstein entfesselte Treilrc» als eine Schmach und Schande für die deutsche Wrstensckwn. Da ich. wie Sie tvissen. einen rein arischen Stammbaum aufir-eise. jo ist es Ihnen gewiß glaubhaft, wenn ich Ihne» jage, daß Einstein zu der Entfestelung dieser Hetze nicht de n g e ring ste n A n l a ß gegeben hat. Seine Schriften über die Relativitätstheorie stehen auf höchster wissenjchaftlicher Warte und zeigen mul) nicht eine Spur von reklamemchüger Eitelkeit, die ihm jetzt