Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 67 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SrnnffttTt a. M. Aus einer Postkarte hatte ein hie« siger Kaufnmnn einen anderen durch antisemitische Beschimpfungen beleidigt und war deshalb zu einer Geldstrafe' von 10 M. üernrieilt worden. In der Berufungsinstanz hatte für den Verurteilten fein tliechtsanwalt in einen» schriftlicl-en Antrag die jüdiscl-en Richter abgelehnt; er wiedcrholie jedoch in der »iündlicl)en Verhandlung diesen Antrag nicht. Tie Strafe wurde auf 50 Mark erhöht. Berlin, :ll. August. Ter Verlmud der Ostjuden wird ab l. Tischri eine Wockienschrift in jüdischer Sprache unter dem Titel „Ter Misrachjud" erjä-einen lassen.. Dieselbe ' wird sich mit allen aktuellen Problemen sozialer,kultureller und politischer Ratur, die die Lstjuden in Deutschland und die Lage der Juden in den Ostländeru betreffen, befassen und Kjonders den fragen der jüdischen Wanderung und ihrer Klärung gewidiürl^seili. Die Üipdaktion und Administration befindet sich Berlin C. 54, Rosenthalerstr. 43. X'eilungsbertrieb Haiiietoasier. Österreich. Wien. In letzter;seit kornnien zum Teil infolge der Ereignisse iin Osten ülvrttus zahlreiche, nach Palästina reijende Ansuanderer und Chaluzim hierher. Im Büro des zionistischen Paläsrinaaintes herrscht ein uxihrer Andrang, und die Zahl der Parteien geht in die Hunderte. Viele von den Ehaluzint befinden sich in schlechter materieller Lage uni) sind ans Unterstützung angewiesen, da sie bis zur Erledigung ihrer Pasivija und der übrigen Formalitäten oft längere;$cit in Wien »ermcilci» müssen und ihre Barschaft gerade nur noch für die teuere Reise nach Palästina ausreichr. Im Schoße des Palästinaanites hat sich daher ein Hilfskomitee koftituiert, welcl>es sich der in Wien weilenden Chaluzim nach den »wrschiedensten Richtungen hin anniminl und Sammlungen für einen Ehaluziinhilfsfonds eingeleilet'hat. In einer freistehenden Kaserne ist eine Unterkunslsstäile geschaffen worden, die bisher allerdings nur den allerpriinitivsten Anforderungen entspricht. * Polen. Berlin. Was in Polen, in nächster Rähe der deutschen (Grenze, in den letzten Woche»» vor sich gegangen ist, darüber fehlen noch Einzcll-eiicn. Alle Anzeichen lasten aber das Schlimmste befürchten. Von Warschau aus ist eine gemischte Tepuialion von Regieniiigsvertrelern, Militärs und Juden nach den» Kriegsgebiet und dem sogenannten Korridore abgegaugcn, um die Vorgänge zu untersuchen und die dort gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen auf ihren Wahrheitsgel>alt zu prüfen. Paris. 'Juid». einem Telegramm des Ministeriums für jüdische Angelegenheilc» in M o >v n o an das Komitee der jüdisclren Telegation in Paris haben die Polen aus ihrem RückZllge aus Wilna die jüdische Bevölkerung schonungslos ausgeplündcrt. Roch schlimmer erging es den IndenKn Grodno, >vo entsctzliä)e Pogrome stattfanden. Berlin. In Ehorzclle ist nach Meldungen des Allensteincr Volksblancs der größte Teil der hauptsächlich aus Inden bestehenden Bevölkerung von 'den Polen niedergeinctzclt worden. Eine große Reihe von jungen Leuten »rurde nach kurzem Prozeß standrechilich erschossen. Königsberg. Flüchtlinge berichten in Ostpreußen, daß die Polen bei ihrer Rückkehr in Mlalva 70 Einwohner, größtenteils Inden, niedergemacht hätten. Warskt-an. Für die Tauer der Abil'esenheit des ..Ioini" ans Walschau 'hat ei» Zentralkomitee für Polen, dem n. a. die ReichStagsabgeordneren Prilutzki und Farbslein sowie Rabbincr Kalmne angehören, besten Tätigkeit über nominell. (I. P. Z.) Ukraine. > - London. Ter Verband der ukrainischen Juden in England hat die Rachricht erhalten, daß die antibolsche- »'islischen Svldatenbanden in der Ukraine eine neue Reihe von Pogromen verübt haben. Silltto. ■ » Sotono. (I. C. B.) Die litauische Delegation hat im Einvernehmen mit der jüdischen Gemeinde in Wilna bei der Sowjetregierung in Moskau gegen die seitens der Sowjetbehöredn in Wilna vorgenommencn Verhaftungen von 100 Juden und gegen die Erschießung von 7 unschuldigen litauischen Bürgern schärfsten Protest eingelegt. Kowno. Hier wurde ein achtklassiges hebräisches Gymnasium eröffnet. In den 4 untersten Klassen ist die Vortragssprache hebräisch, in den oberen Klassen werden während einer gewissen Übergangszeit einzelne Gegenstände noch russisch vorgetragrn, doch find der hebräischen Sprache zahlreiche Stunden gewidmet. Rumänien. Bukarest. Tie Kulturabteilung des Siebenbürgen«! » jüdischen Nationalverbandes in Klausenburg hat einen Kursus für hebräische Lehrer eröffnet, dem von der Regierung der Charakter einer öffentlich-rechtlichen Anstalt bewilligt ist. Tie Hörer, bisher 35, sollen nach 3 Monaten inrstande sein, in den Volksschulen in hebräischer Unterrichtssprache zu unterrichten. (I. P. Z.) Bukarest. (I. C. B.) Das Ministerium des Innern hat verfügt, daß jeden» auswanderungslustigen Juden aus . bei» Provinzen Rcurumäniens, selbst wenn er sich in militärpflichtigem Alter befindet, Pässe ins Ausland auszustellcn. „Kurierul Israelit" bemerkt zu dieser Verfügung, daß sie einigermaßen allzu judenfreundlich und daher verdächtig erscheint. Tschecho-Slowakei. Zürich. Das Joint Distribution Committee hat in Preßburg und Munkacz neue Zweigstellen errichtet. Die Lage der Juden in der Ruska-Kraina, ^vo ettva 80 000 Juden am Verhungern sind, ist so schlimm, daß in jedes Torf Leliensmittel, Kleider und Medikamente geschickt werden müssen. Die tschechischen Behörden zeigen sich in jeder Hinsicht entgegenkommend. (I. P. Z.) Türkei. Konstantinopel. (I. C. B.) Hier sind 300 jüdische Emigranten aus Bestarabien, Rumänien und Ungarn mit dem Ziele nach Palästina eingetroffen. Holland. Haag. Für jüdische Durchwanderer ist hier Mollenstraat 39 ein Wohlfahrtskomitee eingerichtet worden. Amerika. 'Newyork. Am 17. und 18. Juli brachten vier Dampfer 4000 Emigranten nach Newyork, unter denen 1500 Juden waren. Am 20. Juli trafen weitere zwei Dampfer mit ebenfalls zahlreichen jüdischen Emigranten ein. Am 29. Juli sind mit der Rordaam 1200 jüdische Emigranten eingetroffen. Newyork. Die hiesigen jüdischen Zeitungen lenken! die öffentliche Meinung auf den ganz neuen Charakter der amerikanischen Einwanderung hin. Die „grünen" mittellosen und gleich ^hilfsbedürftigen Emigranten von früher sind so gut wie ganz von der Bildfläche verschwunden. Es kommen nur Frauen und Kinder und viele junge Mädchen — zu ihren Männern und Vätem, hier und da auch ältere Leute zu ihren Kinderg. Es wird dadurch, wie die Zeitungen betonen, die Heiratsfrage für die Männer in günstigem Sinne gelöst, aber auch das sittliche Niveau der Familie wesentlich gehoben, dg die frauenlosen Häuser bis dahin gewiß nicht zur Hebung der jüdischen Frömmigkeit und Gemütlichkeit beitrugen. Selbst die grimmigsten Scharfmacher in der Emigrationsfrage dürften sich mit dem jetzigen Einwanderungselement vollkommen zufrieden geben. /