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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-09-03 · 66 (3.9.1920) · p. Seite 352

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
66 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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862 — steigert worden, und lebt selbst in den Herzen wieder auf. nach deren Äußerem man alles eher vermuten sollte, als daß sie sich zu den Chasiidim rechnclen. Tabei ist Ncwyork »ich» einmal der günstigilc Nährboden für den Chassidismus, und eine Anzahl Rebbes habe» sich aus diesem Gefühl hcrnus in Ter Tat bereits in kleineren Städten des Landes nieternelasirn. Tie Stellung der Misnaadim gegenüber den chasiidischen Mrcifcn war anfänglich recht ungünstig. x\n. fv lam nor einigen fahren in Brooklyn zu eitler Art ..Chassidim Pogrom", wobei zirvi Chasiidim durch Steinilürfe uerwnndet wurde». Tie Nrsackw war der Arger der Nachbarschaft über Pie nächtliche Ruhestörung durch chasiidijche (besänge. Auch die Presse kaiu den chassidisliwn Tendenzen anfangs mil sichtlicher Abneigung entgegen, allein cs ist natürlich, das; mit dein Amrachien der Betregnng auch die auf de» Abonncntcnsang eingestellten Blätter diese chastidinifeindlichc Tendenz sehr bald zu revidieren wussten, jedenfalls ist sestzustellr». das; der chasiidijclw Einfluß auf das öffentliche jüdische Leben in Amerika in starker Zunnhine begriffen ist. rt i«1111111111 rn 11»> a lTTTTTTTT-iTnri 11 i-n Po« Kerg und Ta!. , ■] fjnnrx.i*m 11 i.^nxxnmrTTicxxraxtftrnTrjxc Duisburg. Tein Tätigkeitsbericht für den Monat Juli de» jüdjjchen Arbeiierfursorgestelle Duisburg entnehmen >rir folgendes: Tie Eniwicklung der jeht herrschenden Wirischaflüliiie hat deutlich den Beweis geliefert, daß die an die Einwanderung oft jüdischer Arbeiter ,gck»»psten Befürchtungen nnbcglündet geweien sind. Aus der Statistik für den Mo-- ' nai Juli lieben sich nämlich deutlich zstei Tendenzen hervor. l. hat der fluktierendc Charakter der jüdischen Arbeiters,hast es ihr leicht gemacht, sich au Stellen besserer Lage des Albeiismarktes, beionders ins französische > c d e r a u f b a u g e v i e t. zu begeben. 2. haben sich auch die gelernten jüdischen Arbeiter leicht entschlossen, Arbeit als ungelernte in denjenigen Industriezweigen anznnehlncn. die ttvtz der Wirlirhafisiwt schon aus außenboliiischcn l^rüudcn nicht zu einer Einschränkung der Produltio» und zu Arbeilerenilassungen schreiten können. Bei der knigenblictlichen B'iuschaslstrije mussten nur es auf jeden Fall verhindein. vor allem im Iulttesse der deutschen Wirljchafl. daß sich jüdische Arbeiter iregen Arlchitslosigkeii dem Handel znwenden. Wenn uns dies schon i» eieier jchnerc» situativ» restlos gelungen ist. jo. dürfen wir mit uni jo größeren Hoff.n»»gen in die Zukunft sehen, in der eine selbstbewnsstc Aibeiterichast die Kerniuasse des indische» Polles darstelle» wird. Ruppichlcrolh. Eine am August d. I. Hierselbst itatlaehavie Porsiandssisiung des .streisvcrbandes Sieg des jentralve»ei»s tenrjcher Staatsbürger jüdischen Glaubens ließ jo recht rrlenne». daß die dem Perband angchörende» Mitglieder der'7 T.rlsgrvhhcn mit Eifer benrüht sind, den gestellten Aufgaben der -senirale gerecht zu werden. Eine große Anzahl, rrngesähr 70 Personen, Deinen nie Herren der Liisgnischen, nahmen als Gäste an der Sitzung teil, Ter Porsibende des Berbandes, Herr Hcrinan» Lev» aus Heunef-Sieg, leitete die Persammlung. Noch der Sihung wurde >iossee serviert. Das Tischgebet, durch Heu» Mar Hei mann aus Siegburg versteigert, erlwoilue deu auiehnstchen Benag von »äti M. Diese Sumiue wird untersiühnngsbedülsiigcn Gemeinden zur Bestreitung des Religionsunterrichte? übern iesen. Ein Portrag über ,-a» Nemo und die Juden hielt in belehrender und fesielnder B'eise Herr Lehrer" Seelig' aus Siegbnrg. Der Boriißende dankte »ach Schluß dem Redner herzlichst für sein«, tnreressanlen Ausführungen. -.Tie nächste Persainmluug wird in Honnef am Rhein stnilsinden. - gMDognnnnniiiinBBaB o n 8 Die Dotnütsche. 8 O D a E □aaDaaaaayoBQaaaaaaa aaaaaDoaacoaooatxiDa Der alte Magid. von A. Reisen. y 1 ' Mit d<MBündel auf den mageren Schultern und den sechs Predigten im Kopfe pflegte er von einem Städtchen ins andere zu wandern rrpd jcbc jüdische Gemeinde mit einen» Paar Predigten von den sechs zu beschenken, wofür ihm der Schamcs der kleinen „Schulen" in den Städtchen einen Teller vor die Tür stellte, in den ein jeder Zuhörer einen Groschen, eine Kopeke und manchmal eine T»ei- .«tzroscheninünze hineiruvarf. In diesem Teller fand er immer zrrei, drei glatte, abgeschabte Münzen. Sein Gesicht verzerrte sich dann, die Stirne runzelte sich und der lange Bart wunderte sich: Wieso? für Thora sollte man mit glatten Münzen zahlen? Er zeigte sie dann am Sabbath nach dem Abendgebets dem Schamcs in der Hoffnung, daß sie letzterer vielleicht für vollwichtig finden würde, aber dieses Wunder trat nur allzuselten ein. Zumeist waren die Schaiiiossim große Pedanten und wollten keine glatte Münze als vollwichtig anerkennen, als ob sie kaiserliche Beamte toären. Tann seufzte der Prediger tief auf darüber, daß die Juden im Golus so gottlos geworden seien, nahm dem Schamcs die Münze wieder ab und legte sie in eine bejonders dazu bestimmte Börse, wo alle solchen glatten Münzen aufbelvahrt wurden, damit er sie nicht mit den fluten verwechsle und behüte Gott unversehens dadurch sündige, indem er irgendtvem eine derartige Münze geben irürde. Tann steckte er die guten Münzen in die zweite Börse, verbarg die beiden Börsen tief an der Brust und begann nach herzlich-jüdischer Weise zu seufzen, bis er auch auf der Bank einschlummerte. Wie gesagt, im Kopfe hatte er nur sechs Predigten, aber er kanr nur selten Lazu, seinen ganzen Vorrat in einem und dcmselbcn Städtchen auszugebcn. Nicht etwa, daß er ein schlechter Kaufmann geivesen wäre und seine Ware nicht - hätte verkaufen wollen. Er hätte es sehr gerne gewünscht, in jedem Städtchen seine ganze Ware abzusetzen; es wäre für ihn sehr vorteilhaft gewesen, denn für .6 Predigten würde er 12 Rubel bekommen uni nach einem solchen Profil hätte er sich es ersparen können, nach dem nächsten Städtchen zu Fuß zu gehen, er hätte einen Wagen gemietet und wäre behaglich zur Schule dieses Städtchens gefahren, vielleicht sogar in ein Gasthaus eingekehrt, wenn es für einen solchen Lurus ausgereicht hätte. Dann hätte er auch im zweite» Städtchen für jede Predigt besser gezahlt-betoinmen. Es ist doch ein Unterschied zwischen einem Prediger, der zu Fuß wandert und einem, der in einem Wagen fährt. Sogar der Kaiser macht einen Unterschied zwischen Infanteristen und Kavalleristen: ein Kavallerist bekommt doppelten Gehalt... Was hilft's aber? Die Städtchen., ivohin er zu kommen pflegte, waren doch sehr arm und konnten bloß für eine, höchstens für zwei Predigten zahlen! und atit Kitten Tage mußte er bereits sein Bündel auf den! Rücken nehmen, sich auf die-Stirne klopfen, um sich so zu > überzeugen, ob noch alle sechs Predigten dahinter liegen, ob er nicht etwa behüte Gott die zwei im Städtchen vergessen hätte und dann schritt er langsam durch Felder und Wälder, übernachtete im Sommer bei schönem Wetter einfach auf der Wiese oder im Gebüsch, im Winter aber in »nein jüdischen Einkehrhaus, wo er außer einem guten Nachtmahl auch ein größereres oder kleineres Geldgeschenk zu bekommen pflegte. In dem zweiten Städtchen sagte er »vieder die zwei anderen Predigten her. Erstens wollte er der Mannig-' saltigkeit halber mit den Predigten abwechseln, zweitens sürchtete er. daß sich zufällig unter feinen Zuhörern in der ' Schul' ein Jude aus jenem ersteren Städtchen befind« und diesei» die Wiederholung auffalle. Durch das vieljährige Her jagen derselben sechs Predigten, hatte er sie so eixßin

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