Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 66 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3947615-6435930-6437146--0772-3948320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
OCR text
.» der nationaterr nndibürynltchett UkättlUti! Jckdeni'n Öen Länder» der Diaspora. Die Bildung des W a ad fid arazot h. alS einer au* dtmokatifchen Wahlen yervor«- gangeuen Permanenzvertretung zur Wahrung der Rechte der Juden würde beschlossen^ der seinek.Kitz in G e n f haben soll, über da* Verhältnis des Wüad Haarrazoth zum ' Völkerbund fand eine'eingehende Diskussion statt. Lettland. Riga (I. C. B.) Au* ReSzyca wird gemeldet: 300 jüdische, gus Sowjet-Rußland. heimkehrende Flüchtlinge, die nach Lettland-zuständig find, wurden nach Rußland zurückgeschickt. weil sie angeblich Mangel* entsprechender Dokumente ihre Zuständigkeit nach Lettland nicht genügend Nachweisen konnten. Solche Dokumente können sie nur in ihren Heimatgemeinden erlangen, sie werden aber gar nicht in ihre Gemeinden hineingelassen, sondern schon von der Grenze nach Rußland zurückgeschictt. Der lettischen Judenheit bemächtigte sich deswegen eine große Aufregung und di« jüdischen Deputierten in der lettischen Gründungsversammlung werden diesbezüglich eine scharfe Interpellation an die Regierung richten. Riga, 24. August. (I. C. B.) Der akademisch« Senat der Universität in Riga hat sich gegen die Zulafiung von „Ausländern" zur Jmmatrikulierung an den lettischen Hochschulen ausgesprochen. Unter diesem Vorwand werden die jüdischen Studenten von Studium an der Universität in Riga ausgeschlossen. Die jüdische Presie kennzeichnet diese Praktiken des akademischen Senates als die alte zaristische;,Prozentnorm". Rnmänie«. Rewyork, 22. August. (I. C. B.) Königin Marie von Rumänien hat durch Mr. Oskar Leonard, Vertreter des Amerikan Joint Distribution Komittee im Bukarest, an Mr. Felix Marburg ein Handschreiben gerichtet,- in welchem sie ihm, als den Vorsitzenden des I. D. C. den Dank für die segensreiche Tätigkeit des Joint zugunsten der kriegsbeschädigten Juden in Großrumänien ausspricht. Königin Marie ersucht ihre.tief empfundene Sympathien der amerikanischen Judenschaft zu verdolmetschen und versichert, daß sie in Hinkunft für daS Wohl aller Bürger Rumäniens ohne Unterschied von Konfesiion und Nationalität wirken werde. bowjet-Rußlanv. Wien. Die hier anläßlich der poale-zionistischen Weltkonferenz eingctroffenen Delegierten aus Rußland übcrbrachten authentischem Nachrichten über die geradezu katastrophalc Lage der dortigen Judenheit. Obwohl alle Delegierten der dritten Internationale angehöven und zum großen Teile auch Kommunisten sind und selbstverständlich das Besttcben zeigen, das bolschewisttsche Regime und russischem Verhältnisse in möglichst rosigem Lichte zu schildern, lautet doch ihr Bericht über die spezielle Lage der rusiischtn Juden übereinstimmend geradezu niederschmetternd. Das bolschewistische Regime habe zur vollständigen Proletansierung der großen jüdische u-Massen geführt. Die Juden auf dem Lande zu kolonisieren, sei unmöglich, da die Regierung den Bauern gegenüber ziemlich Machtlos ist und bei diesen auch Antisemitismus herrsche, sodaß für die eventuell in den Dörfern sich ansiedelnden Juden Lebens, ge fahr bestehe.» Man versuchte für die Juden Fabriken zu schaffen und sie auch in Rr"Schneid«rei, für die die Juden große Fähigkeiten mitbringen, zu beschäftigen, jedoch könne dieses Experiment nicht im Großen durchgeführt werden, da es an Rohstoffen fehle. Die Einführung der Zwangsarbeit für die Beschäftigungslosen habe es mit sich gebracht, daß 98 Prozent der Juden zu Zwangsarbeiten rekrutiert werden, und zwar, da sie meistens keine gelernten Arbeiter ^find, zu den allerniedrigsten Arbeiten, wie Straßenreignlgen, Ziegeltragen und dergl. Es drohe also die Gefahr, daß die Juden zum tiefststehendsten Element, der f -rT"//■!.?» Bevölken,ng»hggradi«t werden. Wenn di« Judenstage in Rußland apch politisch gelöst sei. so sei die ökonomische Lage der Jude» ganz trostlos, de« abzuhetstn nicht in der Macht der Sowjew liege. , •?. . Mrsepetamle». Bagdad. Esra Sassoon in Bagdad spendete für den Jüdischen Nationalfond- 10 000 Pfund. (Etwa 1.75 Mill. Mark.) Stztte». Damaskus. Hier ist nach 315 Jahren wieder «ine jüdische Druckerei errichtet worden. Valtstst«. Jerusalem. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, soll die im Frühling gewählte „Asiephath haniwcharim" (jüdische Konstituante), deren Zusammentritt von der Militärverwaltung seinerzeit verboten wurde, im Oktober zusammentreten. - Sir Herbert Samuel hat bereits seine Zustimmung erteilt. Bis zu ihrem Zusammentritt fungiert der „Waad hasmani" Wetter als Vertretung des palästinensischen Judentums, wozu die Majorität der gewählten Abgeordneten ihre Zustimmung gegeben hat. Jerusalem. Beim Empfange einer Deputation der Jerusalemer Handelskammer am 26. Juli erklärte Herbert Samuel, daß binnen kurzem ein neues Gesetz über den Landerwerb herauskommen werde, das sicherlich viel zur Entwicklung des Handels beitragen wird. Die Bahn von Ludd nach Jaffa wird bald Wirklichkeit werden und in 2 bis 3 Monaten witt) «ine breitspurige Eisenbahn direkt von Jaffa nach Jerusalem führen. Samuel fügte noch bei. daß man in Europa glaube, daß Jerusalem infolge der vielen Gemeinden eine Stätte de- Zwistes sei. Aber die Handelskammer. in der alle Nationen und Parteien vertreten sind, beweise, daß friedliches Zusammenarbeiten leicht möglich ist. Er hoffe, Europa in naher Zukunft den Beweis erbringen zu können, daß in Jerusalem Frieden und Einigkeit zwischen allen Religionen und Gemeinden herrsche. Jerusalem. Auf Ansuchen einer Rabbiner-Deputation um Befreiung der jüdischen Soldaten vom Militärdienst am Samstag erklärte Samuel, er würde die Übungen auf andere Tage verlegen lassen, um so mehr, als auch er bei ihnen häufig anwesend sein möchte. Jerusalem. Die Militäradministration hat kurz vor ihrem Abgehcn, gleichsam um in guten Andenken bei der Bevölkerung zu verbleiben, die von Samuel angekündigtc Eröffnung von Katasterbüros im ganzen Lande aus eigenen Mücken angeordnet. Erst die demzufolge durchzuführendc 'Vermessung des Landes wird die Erschließung Palästinas ermöglichen. Die Vermessungsarbeiten beginnen vor ollem in den Bezirken Gaza' und Berseba, wo viel brachliegender Boden vorhanden ist. ver Chassidismus in Amerika. Der „Jud" bringt interessante Mitteilungen seines amerikanischen Korrespondenten über die Entwicklung chassidischer Mittelpunkte und das Wachstum chassidischen Einflusses in den Bereinigten Staaten von Amerika. Der erste, der den Chasiidismus in das Land des Dollars verpflanzte. lvar Reb David Tlverssy. bekannt unter dem Namen Reb David Talner. 11m jein Stübel gruppiert sich heute in Newyork die größte Zahl der Chasiidim. Aber nach diesem Pionier kamen bald noch andere Persönlichkeiten nach Amerika, die den Mittelpunkt chassidischer Kreise bildeten, denn unter den Hunderttausenden, die, aus dem heimatlichen Milieu herausgerissen, damit auch die alte Tradition verleugneten, fanden sich doch immer wieder .Tausende und Zehntausend«, die glücklich tvaren, sich ivcnigslens rein gefühlsmäßig an dem alten heimatlichen reitgiösen Maßstabe orientieren zu können. Nach dem Krieg hat sich die chasiidische Bewegung in Amerika womöglich noch verstärkt, Me religiöse Sehnsucht ist mächtig ge-