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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-08-27 · 65 (27.8.1920) · p. Seite 344

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
65 (27.8.1920)
Date
1920-08-27
Page
Seite 344 (sequence 4)
Language
German
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S^IINn» Bonbon. Nach einer TimeS-Meldung ist Kapitän Reading zum Gouverneur von Akko ernannt worden, was darauf hindeutet, daß diese Hafenstadt zu Palästina geschlagen werden wird. Jerusalem. Unter der Leitung des Professors an der Universität Liverpool. John Garstang, lvird in Jerusalem eine archäologisches Forschungsinstitut der Engländer errichtet. Das Institut soll der Mittelpunkt der archäologischen Forschungen in Palästina. Syrien. Moab und Sinai- Gebiet bilden, ein Zweiginstitikt soll in Bagdad gegründet werden. Jerusalem. , Tie Plantagenbesitzer von Petach-Tikwah haben von der Jca ein langfristiges Darlehen erhalten, und zwar 24 OOO Pfund Sterling für Plantagezwecke und I I 000 Pfund Sterling für den Anbau von Luzernen(Klee). Außerdem hat der Waad der Kolonie ein Darlehen von 22 500 Pfund Sterling für Straßenbauten erhalten, an dem der Waad Hazirim mit 15 000 und die Jca mit 7500 Pfund Sterling partizipieren. (I. P.-Z.) Jerusalem. In Palästina sind neue Briefinarken in Kurs gesetzt worden, welche außer englischer mch arabischer Aufschrift auch die hebräische Aufschrift „Erez Israel" tragen. Zu Rosdihasdtanah. Vom Jüdischen Nationalfonds in Berlin erhalten wir mit der Bitte um Abdruck folgende Zuschrift: ..Es ist ein schöner Brauch, das Geld, das man zu Roschhaschanah sonst für Glückwunschkarten ausgab, einem guten jüdischen Ztveck zuzuführen. Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, unabhängig von allen Parteirichtungen, Boden in Palästina zu erwerben und ihn jüdischen Ansiedlern in Erbpacht zu übergeben. Bei dem jetzt beginnenden Aufbau Palästinas, welcher besonders unseren ostjüdischen Brüdern neue Existenznröglichkeit geben joll und also dem gesamten Judentum zum Segen gereicht, fällt dem Jüdischen Nationalfonds eine führende Aufgabe zu. Es ist daher eine Ehrenpflicht aller jüdischen Kreise, zu Noschhaschanah des Nationalfonds durch eine Glückwunsch- Ablösung zu gedenken. Spenden wolle man möglichst bald an den Jüdisck)en Nationalfonds c. V.. Postscheckkonto Nr. 28 247 senden; sie toerden in der Roschhaschanah-Glückwunschliste der „Jüdischen Rundschau" öffentlich ausgeiviescn. > Der neueste Rnsturm gegen die kulturgesdiiditlldie Stellung Israels. Ter Assyriologe Delitzsch, der 1902 in scincyVorträgen über „Babel und Bibel" die Behauptung ausgestellt hat. daß wesentlick)c Teile vom Inhalt der hebräischen Bibel, ivie z. B. der Gedanke des Monotheismus, aus Babylonien entlehnt seien, hat vor einigen Wochen eine noch viel mehr Aufsehen erregende Schrift gegen dieses Bibrlbuch geschrieben. Jetzt behauptet er unter dem Titel „Die große T ä u s ch u n g". daß der Hauptinhalt des Bibelbuches auf Fälschung von Geschichtstatsachen beruhe. So meint er das. wofiir die Propheten gekämpft und hie Psalmisten ihre Harfen gestimmt haben, was dmch die Jahrtausende hindurch für Millionen von Seelen den festesten Ankergrund des Glaubens und den süßesten Trostauell im Sterben gebildet hat, aus der Geschichte entwurzeln und aus den Herzen herausreißen zu können Wer hätte beim Lesen seiner Angriffe nicht vor Schmerz aufschreien und sich zum Protest gegen seine „Kampfschrift. wie er selbst sein Buch genannt hat. angetrieben fühlen sollen? Diese Frage mußte insbesondere diejenigen bewegen, die gleich dem Unterzeichneten die Erforschung der hebräischen Bibel sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht und sogar dmch ihr Amt als akademische Lehrer dazu verpflichtet sind, die geschichtliche Autorität dieses Buches festzustellen. Deshalb faßte ich gleich nach der ersten Prüfung jenet „Kampfschrift" den kntsthlnß, dem Angreifer entgegenzutreten, und in diesem Vorsatz wurde ich durch die vielen Briest bestärkt, die von allen Haupttellen Deutschlands her mich mit der dringenden und rührenden Bitte bestürmten, daß ich. wie einstmals gegenüber Delitzschs „Bdbel und Bibel", auch jetzt wieder in die Arena des Geisteskampfes hinabsteigen und die geschichtliche Wahrheit verteidigen möge. Mt Gotsts Hilst, wie ich aus dankbarem Herzen bekenne, ist es mir möglich gewestn, jenen Wunsch der Bibelfreunde zu erfüllen. Die Antwort für Delitzsch liegt vor unter dem Titel: Frstdrich- Delitzschs „Die große Täuschung" kritisch beleuchtet (erschienen bei C. Bertelsmann in Gütersloh), und nun wird mir auch noch die Freude zuteil, daß ich auf Einladung der verehrlichen Schriftleitung diesis Blattes den Lesern desselben eine kmze Charakteristik der jenem Angreifer gegebenen Aütwort entnerfen darf. Dies aber meine ich dmch folgende Fragen und Antworten in der gewünschten Kürze leisten zu können. Wie war es am richtigsten anzufangen, daß der Sicherheitsgrad seiner Aufstellungen geprüft werde? Da mußten sozusagen die Grundmauern und Strebepfeiler seines Aufbaues bloßgelegt werden. Dies habe ich deshalb in einem erstenHauptteile meiner Gegenschrift getan. Da ist infolgedessen zuerst untersucht worden, ob Delitzsch die Geschichtsbücher Israels über die Anfänge stiner Geschichte richtig eiNgeschätzt hat. Das Ergebnis dieser Kritik war, daß er nicht bloß an der Unterschätzung teilnimmt, mit der die althebräischen Geschichtsbücher jetzt von Leuten wie Wellhausen und Gunkel betrachtet werden, sondern sich an den äußersten linken Flügel dieser Bekämpfer der israelitischen Geschichtsschreibung gestellt hat. Er kann ja nicht genug von „Sagen" reden, sondern spricht mit Gunst! oft von „Märchen" dieser Geschichtsbücher. Sodann z ive i te ns mußte festgesstllt werden, daß er immer noch von der Neigung beherrscht wird, die Kultm Israels mit Einschluß seiner Religion aus Babylonien herzuleiten, während doch in den letzten achtzehn Jahren von mir und anderen nachgewiesen worden ist, daß Israels Kultur eine eigenartige Größe ist, die der jetzt üblichen Erklärung aus dem sogenannten „Milieu" widersteht. Mit besonderem Schmerz war drittens zu beobachten, daß er gern von Israels „Mordwerkzeugen" usw. spricht, ja sich darin gefällt, von Israel eine Karikatur zu zeichnen. Ein Hauptzug in dem Gemälde, das er an die Sstlle des in den Quellen sich spiegelnden Geschichtsbildes zu setzen sucht, ist aber viertens die darivinistisch-materialistische Darsstllungsiveise. Delitzsch hat sich ganz dem modernen Dogma in die Arme geworfen, nach welchem alle Geschichte von unten n a ch o b e n geht und nur von menschlichen Absichten uitb diesseitigen Kräften bewegt wird. Wie kurzsichtig diese moderne Anschauung ist, habe ich insbesondere an dem Punkt der Geschichte gezeigt, wo Israel zwischen Wasierflut und Verfolgerheer eingekeilt war, wo Menschen stine Rettung erschauen konnstn, wo aber die ewige und getreue Gottheit ihr Volk aus Not und Tod zu retstn wußte. So habe ich im ersten Hauptteile zeigen müsien, daß - Delitzsch allegroßenGesichtsPunkte beseitigt hat, von denen die Geschichtserzählüng der Bibel beherrscht wird. Wo im althebräischen Schrifttum den Lestr ein hoher Schwung der religiösen Begeisterung entzückt, da grinst ihn nach Delitzschs Darsstllung nur stlbstsüchtige Berechnung an. So hat er das innerste Leben der biblischen Geschichte getötet. Also nicht Gründe, sondern vielmehr Abgründe sind die allgemeinen Ausgangspunkte von Delitzschs neuer Geschichtsdarsstllung, und welches sind nun seine einzelnen Angriffspunkte?- Diest werden im zweiten Hauptteile meiner kritischen Gegenschrift in den Brennpunkt der Betrachtung gerückt. Seine ersten Pfeile schießt er aber gegen Israels. Überlieferung ab. daß der von Josua. geleitete Einmarsch in Kanaan die Rückkehr in das Land der Patriarchen gewesen ist. Demgegenüber behauptet er, das sti ein „Ein-

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