Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 65 (27.8.1920)
- Date
- 1920-08-27
- Page
- Seite 345 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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brach" auS ganz gemeine» Motive» «wesen. Israel habe sich nur . auf das der Wüste nächstgelegene fruchtbare Gebiet getyörfen. Und wie kommt er zu dieser Behauptung? Nun, er wischt mit andern neueren Darstellern die Patriarchengeschichte einfach unter den Tisch. Er beachtet ja kritikl o s nicht einmal die in den Quellen vorliegende Unterscheidung einer vormosaischen Zeit. Der zweite Angriffspunkt ist die göttlich-prophetische Enthüllung am Smai. Da kann er nicht genug die einzelnen Verschiedenheiten betonen, bie z. B. -wischen den zehn Geboten in 2. Mos. 20, 2—17 und 5. Mos. 5, 6—18 sich zeigen. Aber was hat schon der scharfsinnige Lessing gesagt? Er schrieb (Lessings Werke in der Ausgabe bei Neclam, Bd. VI, 233): „Wenn Livius und Polybius und Dionysius und Tacitus ebendasselbe Ereignis mit so verschiedenen Umständen erzählen, daß die Umstände des einen die Umstände des andern völlig Lügen strafen: hat man darum das Ereignis selbst, in welchem sie übereinstimmen, geleugnet?" In Erneuerung dieses echtkritischen Grundsatzes habe ich längst betont, daß der gemeinsame Inhalt der Geschichtsberichte nicht so vernachlässigt werden darf, wie es von Wellhausen und seinen Anhängern geschieht. Das Grundwasser der Ströme ist wichtiger, als das Wellengekreisel an ihrer Oberfläche. Der dritte Angriffspunkt Delitzschs ist die Autorität und Leistung derP'ropheten. In bezug darauf erlaubt Delitzsch sich (S. 83). die Verkündigungen dieser als „Ausgeburten eines überspannten Nationalbewußtseins" zu bezeichnen. Aber da bewährt sich nur wieder einmal, was von mir in meinen Büchern (Genesiserklärung 1919 usw.) oft nachgewiesen werden mußte: Was in den Quellen steht, wird ignoriert, und was nicht in ihnen steht, wird konstruiert. Denn di« Quellen erzählen, daß leider ein kleinerer oder größerer Teil Israels oft von der prophetischen Religion wegstrebte. Also ist es nichts weiter, als Oberflächlichkeit und Willkür, wenn die wahre Religion Israels die Frucht seiner nationalen Neigung genannt wird. Hauptsächlich aber sollen die geistigen Führer Israels ihr Volk und die Welt dadurch getäuscht haben, daß sie einen „Nationalgott", wovon das ganze althebräische Schrifttum n i ch t s w e i ß, zum Weltengott umgestempelt haben sollen. Aber lvas ist die einhellige Aussage der Gcschichtsquellen? Umgedrcht hat der Weltengott, als die Menschheit sich titanenhaft gegen ihn auslehnte (1. Mos. «> 11, 1—9), aus Erbarmen und in pädagogischer Weisheit Abraham und seine wahre Nachkommenschaft erwählt, damit er in ihr wie ineiner Pflanz schu le die wahre Religion erst einwurzeln laste, ehe sie in alle Welt hinauswandern und zur Scgensquelle für alle Geschlechter auf Erden werde (1. Mos. 12, 3 usw.). Also hat Delitzsch seine Leser getäuscht. v Dock) um dem Wunsche der Schriftleitung nicht zu widerstreben, muß ich hier schon abbrechen und die Freunde solcher Darlegungen auf mein Buch verweisen. Ich darf es ja auch um so mehr, als von den Kreisen, die durch ihre Opferwilligkeit einen niedrigen Preis meiner Gegenschrift ermöglicht haben, mir der fteundlichstr Dank „für die wissenschaftliche Leistung" ausgesprochen worden ist, die von mir „)m Interesse von Recht und Gerechtigkeit vollbracht worden" sei. gium. ehemalige und jetzige Schüler der Seminars sich str der Aula versammelt hatten. Nach einleitendem Gesang gedachte Seminardirektor Dr. Steinthal der Helden, die in ihrer Liebe zum Vaterlande in der Erfüllung ihrer Pflicht, durch ihre Wichte Persönlichkeit allezeit vorbildlich bleiben werden. Seminarlehrer Keßler widmete als Freund, Mitschüler und Lehrer den zu früh Dahingegangenen herzliche Worte des Gedenkens und übergab die Gedächtnistafel, welche von dem hiesigen Bildhauer Ewerts in Eichenholz künstlerisch ausgeführt ist und die Namen der 13 Gefallenen: Max Aach, Josef Aron. Josef Cramer, Josef Jsenberg, Benno Jojse, Artur Kasel. Albert Levy', Burghard Löwenstern. Hugo Moses, Georg Rosenthal. Gottfried Sender, Max Samuel, David Vooß trägt, den Schülern, deren Vertreter gelobte, sie treu zu bewahren und stets dem Voxbilde der Gefallenen nachzustreben. Beethovens Trauermarsch und Gesang gaben der Weihe einen stimmungsvollen Abschluß. Neuenahr. Auf Einladung des Jüdischen Jugendbundes Neuenahr-Ahrweiler veranstaltete Herr Opernsänger Walter Woog aus Krefeld am 10. d. M. einen Vortragsabend in Neuenahr. Das ettvas zu reichhaltige Programm umfaßte neben einer Arie aus Mendelssohn „EliaS" Rubinsteins „Asra", eine Reihe Jargon- und hebräisck>er Lieder und Rezitationen aus Beer HoffmannS „Jakobs Traum", Zweigs „Jeremias", sowie Gedichte von Heine, Friedländer, Zuckermann, Börrics, v. Münchhausen u. a. in. Wenn dem Vortrag des Herrn Woog auch der letzte Schliff noch fehlt, so ist das Bestreben, breiteren jüdisckien Kreisen jüdische Kunst in Wort und Lied nähcrzubringen, sehr zu begrüßen. Ein zahlreich erschienenes-Publikum spendete reichen Beifall und nötigte dem Künstler Zugaben ab. Am Klavier war Herr Manfred Lichtendorf ein verständnisvoller Begleiter. Der Überschuß aus den Einnahmen des Abends fiel dem Baufonds des Israelitischen Krankcnhcims in Bad ^ieuenahr zu. Wiesbaden. Ter Jüdische. Turn- und Sportverein Wiesbaden veranstaltet am 26. September, vorniittags halb 10 Uhr. auf dem Sportplatz des Wiesbadener Sportvereins (Frankfurter Straße) ein jüdisches Sportfest, zu dem alle Vereine der Jüdischen Turnerschaft, soivie di« anderen Jugendvereine in der Nähe Wiesbadens eingeladcn sind. Die Wettkämpfe finde» bei jeder Witterung statt: für die Zuschauer stehen genügend gedeckte Halleir^ur Verfügung. Könner Nachrichten. Bonn. Dem Vernehmen nach wird das Schauburg- Thcater am 1. September tvicder eröffnet. Dasselbe ist vollständig renoviert und bildet mit dem ebegjglls neu zu eröffnenden Kabarct „Satyr" eine Schenstvürdigkeit Bonns. Die neue» Besitzer haben keine Kosten grsck-eut, um das Etablissement künstlerisch herzurichten uird so dem Publikum eineu angenehmen Aufenthalt zu bieten. Die Erneuerungsarbciten sind lediglich von Bonner Ckschäftsleuten ausgesührt. Die künstlerischen Darbietungen »'ersten erstklassig sein und stehen hinter denjenigen der -Mißten Bühnen in anderen Städten nicht zurück. j Bonn. Geheimrat E d. K ö n i g. Dir K-tr»1«sche. Münster i. W. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich am Sonntag, den 18. Juli, die Enthüllung der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Schüler der hiesigen israelitischen Lehrerbildungsanstalt. Marks - HaitHorfschc Stiftung, zu der das Kuratorium, der Vorstand und die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde. Lehrerkolle-« Wahres Geschichtchen. In einer Stadt Badens hatte ein Jude sein zehnjähriges Töchtcrchen taufest lasten. Einige Tage nach dem Ereignis traf die kleine Berta ihre Freundin Rosa und nmrdc von dieser angehallen: „Du gehst ja jetzt in den evangelischen Religionsunterricht I" „Ja, ich bin getauft." „Weißt du, Berta, man sieht dir aber noch immer an. daß du ein Judenkind bist!" Zuversichtlich erwiderte die kleine Christin: „Ach, daS vergeht mit der Zeit." (Schlemiel.). 6.