Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 65 (27.8.1920)
- Date
- 1920-08-27
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ruhen auf Befehl des französischen General» le Rond sämtliche Ausländer, vor allem die polnischenMilitärs l ü ch t l i n g e, durch die Besatzungstruppen über die Grenze geschafft worden seien. Nunmehr veröffentlicht die „Vosstsche Zeitung" eine Richtigstellung dieser Meldung, die folgendermaßen lautet: „Die deutsche Behörde, die in Kattowitz angeblich die Befehle »der französischen Besatzungsbehorde ausführte, har die allgemein« Verwirrung, die infolge der-Unruhen in Kattowitz bestand, benutzt, um eine großzügige Judenaustreibung in die Wege zu leiten. Bezeichn nenderweisc ließ man Polen unbehelligt. Jüdische Arbeiter hingegen wurden auf Denunziationen, zu denen die Polizei aufreizte, aus den Arbeitsstellen geholt und gegen den Protest ihrer Arbeitgeber auf Autos verladen und der Grenze zu transportiert. DasUnglaubliche aber ist, daß die Polizeibehörde, als der Abtra-nsport-schon in vollem Gange war, »och die Auskunft gab, es handle sich um eine bloßc;Feststcllung d^r Personalien. Tic Absperrung und Durchsuchung der Häuser wurde, wie uns l>erichtet wird, keiucslvegs vom französischen Militär, sondern von der deutschen Sicherheitspolizei vorgenommcn. Bei der Zusammcntreibung kam es zu Ausschrcilungen der Sicherheitspolizei gegen die unglücklichen Opfer, die geschlagen und mißhandelt wurd e n." Tic zwangsweise Rücksendung militärischer Flüchtlinge und ihre Auslieferung an die Militärgerichtsbarkeit ihres Landes ist nicht nur vom menschlichen Standpunkt gesehen eine Barbarei, sondern läuft auf eine neutrakitätswidrige Unterstützung der betreffenden kämpfenden Macht hinaus. Die Sicherheitspolizei durfte eine derartige Maßnahme selbst dann nicht durchführen, wcnsi der französische General es befahl, dem ja -eigene Truppen zur Verfügung standen. Kattowitz. Ter Sicherheitspolizei svurde von der französischen Behörde der Bcsthl übermittelt, die Kasernen nicht mehr zu verlassen. Nürnberg. Zu dem von der A g u d a s Iisrocl- Jugendorganisation nach Nürnberg vom 2.—5. August m&crufcnen Delegierte ntag waren etwa 150 Delegierte aus allen Teilen des Reiches und aus dein 'Anslande erschienen. Am 2. August abends fand im Jestsaale des Deutschen Hofes eine öffentliche Eröffnungsfeier statt, in deren Mittelpunkt ein Referat über die „Agudal»eu>egung" von Rabbiner Dr. Munk-Berlin stand. Am :r. August tvurdc der Geschäftsbericht erstattet. Die A. I. I. O. zähst 80 deutsche Gruppen mit etwa 11 000 Mitgliedern. Die seit Jahresfrist anhaltende Stagnation gilt als überwunden. In allen Gruppen hat das Thaurohst u d i u m zugenommen. Ermutigt von den 'Erfolgen des ersten Bczirkssekretariats in Fulda ist die Errichtung weiterer Sektetariate geplant. Dem Bericht selbst folgte eine mehrstündige Debatte, der sich die Beratung des Statuts und die Mahlen anschlosicn. Köln wurde zum V o r - o r t lwstiinint. Die Organisation wird künftighin von einem ncunglicdrigcn Vorstand, bestehend aus den Herren Leo Munk-Köln, Fritz Cahen-Köln, Max Cohen-Köln. Leo 'Rothschild-Köln, Dr. Weller-Köln, Hirsch Merkin-Leipzig, Joel Sänger-Frankfurt, Siegmund Stein- Berlin und Sicgmund Landau-Fürth ge l c i t e t.' ( In der Mittwoch-Sitzung trat der Vertreter der litauischen Aguda-Jugend, Schercschewsky aus Kowno, in einer hebräischen Rede kür praktische Erez Jsr o c l - A r b c i t und die Pflege der hebräischen Sprache ein. Dagegen zeigte sich in sämtlichen Äußerungen der deutschen Vertreter ein stürmisches Drängen nach Gründung neuer JeschiwoS in Deutschland, Heranziehung der ostjüdischcn Flüchtlinge zur Lehrtätigkeit und Ersatz des ehemaligen M iki tä.rdienstjähres durch mindestens e-in jährig es ausschließlichcsThorastudium. ' B«rL» AufGnmd deS vom Mr. Hoover geschaffen Systems der Versendung von amen ramschen Liemsgömm besteht seit einiger Zeit «ine Möglichkeit, Verwandte und Freunde in Deutschland mit amerikanischen Lebensmitteln zu unterstützen. Diese werden zu billigen Preisen geliestrt und erreichen nachweislich ihren Bestimmungsort. Die American Relie Administration -(GZchäftsstelle: Hcunburg. Ferdinandstraße 58) hat in Deutschland amerikanische Lebensmitte lager eingerichtet, durch welche amerikanische Nahrungsmittel sicher und billig zugesandt -werden können. Mit Hilfe von Postkarten, die von den Gemeinden bezw. denjenigen Institutionen, welche dem örtlichen Wohl- . fahrtsausschuß für die Amerikahilfe angeschlosien sind, ausgegeben werden, wenn der Name des Absenders in Amerika glaubhaft genannt wird, kann sich ein jeder, der Verwandte oder Freunde in Amerika besitzt, Lebensmittel beschaffen. Auf rituelle Lebensweise ist bei der Zusammenstellung der Pakete Rücksicht genommen. Danzig. (I. C. B.) 10 000 jüdische Flüchtlinge aus den besetzten Teilen Polens sind hier eingetroffen und wurden in Lagern und öffentlichen Gebäuden untergebracht. Sie wollen alle nach Amerika auswandrrn. Danzig. Die Gemeindevertretung des Bades Oliva, das jetzt zum Freistaat Danzig gchört, hat eine Erhöhung der Kurtaxe, für die „polnischen Staatsbürger jüdischen Glaubens" beschlossen. Die Versammlung beschloß, 100 Mark schon bei 14 Tagen Aufenthalt zu erheben, bei längerem Aufenthalt dagegen 200 M. In seiner Begründung der Vorlage hatte der Vorsitzende darauf hingewiesen, daß dieser Zustrom für Oliva eine große Gefahr bedeute, einmal wegen des Mehrverbrauchs der augenblicklich so knappen Lebensmittel und dann wegen des Ungeziefers, das diese unerwünschten Gäste einschleppten. vsterretly. tt- Wien. Die Weltkonferenz der Poale-Zion in Wien hat mit 178 Stimmen bei 180 Stimmenthaltungen den Anschluß an die 3. Internationale beschlossen. Nahezu alle Delegierten, die sich der Stimme enthalten haben, haben die "Konferenz verlasien, ohne jedoch ihren Austritt aus dem Verband zu erklären, und halten separate Beratungen ab, deren Ergebnis noch ausstoht. Wien. Am 9. August fand hier eine große p o l n i - scheProte st Versammlung gegen die verfügte Ausweisung polnischer Staatsangehöriger aus Deutsch-Österreich statt. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute versammelten polnischen Staatsbürger stellen fest, daß die von Deutsch-Österreich geübte Ausweisungspraxis ebenso gegen die in Österreich selbst geltenden Gesetze wie auch gegen die durch Österreich im St. Germainer Vertrage eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtungen verstößt. Die polnischen Staatsbürger stellen fest, daß die Abschiebung der polnischen Bürger im gegebenen Zeitpunkt, dq der Krieg jede Rückwanderungsmöglichkcit ausMießt, unmenschlich und mit den Prjnzipien einer demokratischen Republik unvereinbar ist. Die Versammlung stellt'fest, daß die Auswcisungspraxis, die mit Bezug auf vorbestrafte und bemakelte Individuen gerechtfertigt erscheint, bei ihrer Anwendung auf unbescholtene, hier redlich arbeitende Bürger zu einer ungerechten und grausamen Maßregel wird." 11 «man». Wien. Der ungariHd Minister deS Innern hat in einem Budapcster Blatte den mittelalterlichen Antrag auf Entrechtung der Juden wärmftens befürwortet. Die Juden dürften in allen Schulen, Zeitungen und Banken der Welt nur nach einer bestimmten Prozentnorm zugclasien werden. ' Budapest. (I. C. B.) Nach einer Versammlung des Vereins der „Erwachenden Magyaren", in der die Mitglieder der Nationalversammlung Freky, Zakany und Tasnady-Kovacs Reden gegen die Juden hielten und die Anwesenden zur Tat aufforderten, zogen die Teilnehmer der