Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 64 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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schen Zentum» unter dem Regime d«S weißen Terror». I» Ungam — "führte Dr. Chaje« au» — habe der weihe Terror noch nicht aufgehört und er fordere täglich neue Opfer an jüdischem Leben. Redner schilderte di« Mord- Überfälle nuf die Juden in den Straßen, Kaffeehäusern und Privatwohnungen Und appellierte an die Delegierten aller Länder, die bei der Konferenz vertreten sind, sie möchten nach ihrer Heimkehr die jüdische und nichtjüdische Offrntlichkeit über die verzweifelte Lage der ungarischen Juden aufklären. Es sei notwendig, einen Sturm in der ganzen Kulturwelt zu entfesseln, vielleicht werde dann die Menschheit dem Ruf« ihres Gewissens folgen und gegen das un> barmherzige Morden wehrloser und unschuldiger Einwohner einschreitrn.. Warschau. Das Warschauer Kriegsministerium teilt unter dem 30. Juli mit, es habe an die Generalkommandos einen Befehl erlassen, nach dem die immer noch vorkommenden Ausschreitungen gegen Juden ans der Bahn als undiszipliniert und inbezug auf die Auslandspolitik schädlich endgiltig unterdrückt werden müßten. Ein Ausführungserlaß besagt, daß in Fällen von .schweren Körper- Verletzungen sowie von Raub und Plünderung die Schuldigen vor dem Standgericht abgeurteilt würden. Offiziere, die Mißhandlungen von wehrlosen Juden untätig mit ansähen, seien nicht würdig, die Uniform des polnischen Reiches zu tragen. Warschau. Der polnische Arbeitsminister erklärte bei einem Interview, der Andrang zur Auswanderung nach Amerika sei bei den polnischen Juden sehr stark, die Zahl betrage bereits mehr als 250 000, der Abtransport dieser 250 000 Personen würde unter normalen Verhältnissen nur 1 Jahr beanspruchen, bei dem Mangel an Verkehrsmitteln aber 2—3 Jahre. Warschau. Der Vertreter des amerikanischen Konsulats erklärte, die Zahl der täglich zur Einreise nach Amerika zu erteilenden Viseg würde demnächst von 250 auf 500 und sodann auf 1000 gesteigert werden, doch muß das Konsulat sich dieserhalb zuvor mit Washington verständigen. x > Litauen^ Kowno. In der Sitzung des litauischen Reichstages am 21. Juli wurde namens der jüdischen Fraktion durch Abg. Dr. Friedmann eine Interpellation eingebracht betreffs der von der polnischen Armee bei ihrem Äückzuge an den Juden verübten Grausamkeiten, tvober ein ausführliches Schreiben des Rabbiners von Landworowo über die Plünderungen vorgelesen wurde. Anbei weiteren Debatte beteiligten sich mehrere jüdische und litauische Abgeordnete, ivie auch ein Vertreter der Polen. Es wurde beschlossen, eine gemischte Kommission von Vertretern der Regierung und Mitgliedern des Sejm zu wählen, die hlle Vorfälle untersuchen soll. Die Kownoer „Jiddische Stimme" bringt einen ausführlichen Bericht über die Plünderung Wilnas durch die abzichenden Polen. — Amerika. Zürich. Das Joint Distribution Committee hat Dr. Bogen zum Generaldirektor der gesamten Hilfsarbeit ernannt. Auf seinen Bericht hin warf das Committee eine halbe Million Dollar für die bedürftige Bevölkerung in Polen und 300 000 Dollar für Hilfsarbeit in Palästina aus. (I. P. Z.>. Rewyork. Das jüdische Schiedsgericht in Ncwyork, das vor einigen Monaten gesetzlich genehmigt worden ist. hat seine Tätigkeit ausgenommen. Die ersten von ihm erledigten Prozesse betrafen Streitigkeiten zwischen Organisationen und deren Angestellten. Da das jüdische Schieds«. geeicht mehr Verständnis für die besondere Art von Be- «, wie sie in dem jüdischen Milieu herrschen, bedi« allgemeinen Gerichte, verfolgen die amerikanischen Juristen dasWdchm des GetMs M große« »nsmerkst mkeit. Bon dem Erfolg in Rewlwrk himgt die Errichtung ähnlicher Gericht« in anderen Städten ab. M^opotamie». London. Die Juden von Bagdad, deren politisch« Lage schon unter den Türken günstig war, erleben unter der englischen Besatzung einen großen Aufschwung. Soweit fie di« englische Sprache beherrschen, haben sie Gelegenheit, als Richter in den Gerichtshöfen 1. und 2. Arstanz verwandt zu werden, an den Handelsmtb Rechtsschulen befinden sich viele jüdische Lehrer. Die jüdische Bevöllerrmg beobachtet den Sabbat und di« jüdischen Feiertage sehr streng, daher waren wählend des Osterfest«- die jüdischen Läden 8 Tage lang geschlossen. t London. In, Unterhaus richtete der Abgeordnete Rapier an den Unterstaatssekretär für AuSwärnges di« Anfrage, ob irgendwelche Verhandlungen wegen der Festsetzung der endgiltigen Nord- und Ostgrenzen Palästinas im Gange find. Mr. Harmsworth bejahte'die Frage. Die Verhandlungen iverden zwischen der englischen und fronzöfischen Regierung geführt. Die Beantwortung der weiteren Frage bezüglich der Haltung der Araber in dieser Anaelegenheit behielt sich Mr. Harmsworth für einen späteren Zeitpunkt vor. London. Die englische Arbeiterpartei protestiert scharf gegen die „Mörning Post", die durch ihre antisemitischen Artikel den Antisemitismus in England einführen wolle, wo er bisher unbekannt war. Polästi«. Jerusaleni. In, provisorischen Rpte erklärte Herbert Samuel, die wirtschaftlichen Fragen wären ihm die wichtigsten. Die Einberufung der Delegiertenversammlung sei noch nicht entschieden, würde aber in Erwägung gezogen. London. Einer Reutermeldung zufolge richtete Sir Herbert Samuel an Lord Rothschild ein Telegramm, in dem er bekanntgibt, daß er die Erweiterung der Jaffa- Ludd-Eisenbahn bei Anlass bereits veranlaßt, hat, und verspricht, für die Erziehung der mohammedanischen Kinder, die für die Entwicklung des Landes von großer Wichtigkeit ist. reichlich zu sorgen. Jerusalem. Sir Herbert Samuel und sein Stab besuchten am Sabbat Nachmu die Synagoge. Sir Herbert las die Haftorah vor. Die Synagoge war voll besetzt und Vertreter aller jüdischen Gemeinden waren anwesend. DaS jüdische Stadtviertel bot einen festlichen Aiwlick. Haifa. Dieser Tage haben Ingenieure mit dem Versenken der Pfeiler für den Hafen Haifas, dessen Kosten sich auf 6 Millionen Pfund belaufen sollen, begonnen. Baron Rothschild soll seine Beteiligung mit einer größeren Summe zugesagt haben. Jerusalem. In, Na nun der Regierung veröffentlichte Colonel Storrs die bereits angekündigte Verordnung, nach der alle Regierungsbeamten das Recht haben, den Feiertag ihrer Religion in der Woche zu feiern. koien. Der große Jehuda Halewi meint, Israel sei unter den Völkern, was das" Herz sei unter den Gliedern, das kränkste von allen und zugleich daS gesündeste. Das Herz werde immer von Krankheiten bedroht, es spüre stets Sorge und Kummer, Angst und Schrecken, Haß und Liebe. Er hat Recht. Wie da- Herz jedes Leid und jede Lust deS Körpers merkt, so empfindet auch die Judenheit an ihrem Körper jeden Schmerz der Völker, und das deutsche Judentum ist in seinem innersten Bestände aufs Schwerste betroffen von den Krämpfen und Zuckungen unserer unglücklichen Aegenwnt.