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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-08-06 · 62 (6.8.1920) · p. Seite 318

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
62 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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fidj kaS Gesamtreferat über den Gemeindehaushaltsplan erstattet«, beschloß deshalb, dem Anträge deS Gemeindevorstandes folgend, den Steuersatz, der im Vorjahre 40 vom Hundert der Staatreinkommensteuer betragen hat, auf 60 vom Hundert zu erhöhen. Bei den 6 untersten Steperstufen sollen jedoch nur 25 vom Hundert des Staatssteuersatzes zur Erhebung gelangen. Berlin. Im Plenarsitzungssaal der Armenkommission der jüdischen Gemeinde fand eine Betriebsversammlung der Arbeitnehmerschaft der hiesigen jüdischen Gemeinde statt, die außerordentlich stark besucht war. Nachdem die Gehaltsvcrhältnisie der Angestelltenschaft eingehend erörtert worden waren, beschlosien die Teilnehmer, an den Genicindevorstand die Forderung zu stellen, unverzüglich die Besoldungsordnung des Magistrats der Stadt Berlin für sie in Wirksamkeit zu setzen und sofort einen Vorschuß von 1000 Mark zu bewilligen. Die Versaimncltcn sind fest entschlossen, falls innerhalb 10 Tagen ihre Wünsche Kinc Befriedigung gefunden haben, vor keincin Mittel, auch nicht vor dein Streik zurückzujchrecken, um sich eine menschenwürdig Existenz' zu erringen. Berlin. Hier ist unter dem Namen „Beruria", Vereinigung jüdisci-er Akadeinikerinnen. ein Zusammenschluß gesetzestrcuer Studentinnen erfolgt. Die Vereinsarbeit wurde bereits ausgenommen; es finden an zwei Abenden der Woche Kurse swlt, in denen Chumesch Jüdische Geschichte und die jcineflige Sidre behairdelt werden. Die .SUirjc sind regelmäßig und gut besucht undauch solchen A'ichiakademikcriimen zugänglich, die durch ihren Beruf oder ihr^ Vorbildung an der Mitarbeit in der „Beruria" Interesse haben. Zum Programm gehören auch jüdischwisseiischaftlickre Vorträge und Pflege der Geselligkeit. Zuschriften werden an Recha Levh (Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstr. 133/69) erbeten. .Halberstadt. Vorstand und Ausschuß des Bundes gejetzeslreuer Gemeinden versammelten sich am 7.. Juli in Frankfurt a. M.,.um geschäftliche und Organisationsfragen zu behandeln. Zur Beisteuer an Kleingemeindcn für Teuerungszulagen an Lehrer und Kultusbcauite, zur Jnstarrdsetzung von Ritualbädcrn, Synagogen und Schulhäusern tvurden dem Bundesvorstand bis 80 000 M. für das laufende Jahr frcigestellt. Halberstadt. In Bad Harzburg starb plötzlich .an einem .Herzleiden Dr. Abraham Hirsch, Mitglied der engcrewLeiiung der Agudah Israel. Als Mitinhaber der Firma Aron Hirsch und Sohn und Direktor der Hirsch Kttpfer- und Mejsingwcrke A.-G. mitten im praktischen Leben stehend, hat er dennoch seine Zeit und Arbeitskraft stets in den Dienst j,"idisck>er Jnteresien gestellt. Hamburg. Ter hiesige jüdische Turnverein „Bar Vochba" hatte anläßlich seines 10jährigen Besteliens Einladungen zu einem Sportfest ergehen lasten, welches auf dein Hindenburg-Sportplatz stattfand. Vertreter der Deutsch-Israel. (yeiiieindc. der Logen, der Hamburger Zionistischen Vereinigung rmd aiiderer Korporationen waren mit einem eltva 600köpfigen Pubsikunr erschienen, um die Leistungen der jüdischen Turn- und Sportbetvegung kennen zu leinen. Ettva 80 Turner und Turnerinnen der Brudervereine Berlin, Breslau, Leipzig und Stettin bestritte): die turnerischen und leichtathlelisckien Konkurrenzen mit etwa 200 hiesigen Teilnehmern. Am Abend fand hie Preisverteilung von Bronzeplakeltcn, von der Hand Leo Horowitz', Frankfurt a. M. geschaffen, und von jüdischen Büchern im Curiohaus statt, wo die Turner und ihre Angehörigen noch mehrere Stunden gemütlich, zusammen ivaren. Heidelberg. Dem Privatdozenten an der Universität Heidcll'erg Dr. Arnold Auge würbe von dem badischen Kultusministerium tvegcn im Lehramte betätigter antisemitischer Oiesinnung die Venia legendi entzogen. Österreich. Wien. Mit dem nächsten Schuljahr eröffnet das jüdische Pädagogium eine neue Abteilung zur Heranbildung von Volksschullehrern. in hebräischer Sprache. Di« Unterrichtsdaner soll 4 Jahre betragen. $tformattonm und. Auskünfte erteilt das Sekretariat des Jüdischen Pädagogiums in Wien ü, Obere Donaustraße 91. Wien. Zweitausend jüdische Offiziere der ehemaligen österreichischen Armee haben der britischen Regierung mitgeteilt. daß sic bereit seien, zur jüdischen Legion in Erez- Jsrael zu gehen, um die jüdischen Kolonien zu verteidigen. *■ (Jüdische Rundschau.) Pole». Warschau. Das Organ der polnischen Sozialdemokratie „Robotnik" berichtet über Plünderungen und Brandstiftungen der auf dem Rückzug befindlichen polnischen Truppen gegen die Minsket jüdische. Bevölkerung. Auch in Kiew sollen die polnischen Soldaten b<& jWsche Viertel in Brand gesteckt haben, sodaß Tausende von Jnmilien obdachlos seien. Wien. Mehr noch als in Kongreßpolen machen sich in Lemberg und Ostgalizien schwere Befiirchtungen für die Sicherheit der Juden geltend. Zum Stadtkommandanten von Lemberg ist Minczinski ernannt worden, der sich von dem Verdacht d<r Mitverantwortung für den Lemberger Pogrom bisher nicht gereinigt hat. - Kowno. (I C. B.) Eine Abordnung' der Juden aus Landworowo in der Nähe von Wilna ist in KlP»no eingetroffen und erstattete dem jüdischen Ministerium einen Bericht über die Judenexzcste in Landworowo und Umgebung, die von der zurückflrztenden polnischen Armee veranstaltet wurden. Warschau. Der Redakteur des Lodzer Volksblattes Kahan ist nunmehr zum dritten Male verhaftet worden, und zwar diesmal, weil er in seiner Zeitung daS Ausreißen der Bärte von Juden seitens der" polnischen Soldateska geißelte. Berlin. In einer Sitzung der Parlamentarischen Berichterstatter in Warschau erschienen Vertreter der jüdischen Klubs und gaben die Erklärung ab, daß sie als Bürger der polnischen Republik in die Feiwilligenarmee eintreten wollten. Sie drückten die Hoffnung aus, daß die antisemitische Prestc in Warschau nicht mehr die Juden mit den Feinden Polens identifizieren würde. (Jüd. Rundschau.) Warschau. Der Warschauer Presse zufolge hat Renaudel bei seiner Ankunft in Paris die Berichte über Pogrome bestätigt und die polnische Regierung des Bruches der. Bestimmungen des Friedensvertrages bezügl. der Juden beschuldigt. . Litauen. Kowno. Nach der Besetzung von Wilna hat der Minister für jüdische Angelegensten die jüdischen Gemeinden in Litauen benachrichtigt, daß zwar vorläufig die Verwaltung militärisch bleiben müsse, daß aber ein Rat von Vertretern aller Nationalitäten für kulturelle Tätigkeit geschaffen würde, zu dem auch die Wilnaer jüdische Gemeinde ihren Vertreter senden könne, l Lettland. Riga. In Lettland sind eine Reihe jüdischer Flüchtlinge aus Moskau und Petersburg eingetroffen. Die Flüchtlinge, etwa 2200 Mann, sind im Lager von Reschitza untergebracht. Ukraine. Warschau. Prof. Israel Ariedländer und Dr. Bernarb Cantor, Mitglieder des „Joint Distribution Committee", die sich von Warschau aus mit einer größeren Summe Geldes per Auto noch der Ukraine begeben hatten, um den notleidenden Juden in der Ukraine Hilfe zu bringen, tvurden bei Jarmelinitz (Gorw. Podolien) von einer bewaffneten Bande überfallen und ermordet. Beim Eintreffen. dieser Nachricht in Warschau wurden sämtliche Büros der „Joint" zum Zeichen der Trauer geschlossen. In der großen Synagoge in der Tolmacki-Straße wurde ein I Trauergottesdrenst abgehalten. .

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