Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 62 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jrte* Frrlta, 8t|a||. Ittill.fiOSLwuU. Za t«zi«h«a kar4 sämtlich« V,ßäaUrr »der varch tat 0iten«Tl«f ia vaaa. VOM RHEIN Jüdisches Yolksblatt ■aieigcstrtU: I.K6M.ftrki«»t«r» gtf* fctitjcU«. Di« gaa|t <«it» ■■f«ttMog«ut8. P»s»sch«<kr,at» 8«tta»trl«| V««>,L>l»N». 74747. q-rau»g«g-b«n von Rabbiner Dr. Krnik Aohn. Bonn. Schristl.itüng und GeschLstrstellerBonn, BrLdergass« 52. P»m«er 62 ZLonn. 6. August 10S0. — 22 Aw SS80 2. Zatzr-g«-. für die QKintr Rinder. Gprndenelagsug. Bonn. 8L ft. 50 TI. Drove. M. Pollak 1OO Tl. Düren. Meyer u. Kaufnumn 20 M. Königsfeld. Simon Gottschalk 25 M. Weitere Spendm erbitten wir auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 74 747 Botenverlag Bonn mit dem Vermerk „Wkn". ' „Jüdischer Bote vom Rheins, - Bonn, Brüdergasse 52. gaaoaaiiaciaaniiDSDaKiiiDDOciciaciDaaaaaiiaaaoaa 8 8 8 . Wochenabschrrltt a=j> H 5 B □ a aaaaaaaDananaoaaDiaaaoDaaaDDaaaaDDaaQaQD Idealisten. — und «r drmütigte dich und ließ dich hungern ' und gab dir baS Manna zu essen, das du nicht kanntest und da» nicht gekannt haben dein« Väter, um dich'wissen »u lassen, daß nicht vom Brote allein der Mensch lebt, sondern von allem, wdS aus dem Mund« GotleS hervorgeht, lebt der Mensch 6. Mose, 8, 8. Also gedemütigt mutz man werden, hungern muß man, muh durch Prüfungen gehen, von denen man selbst nichts wußte und von denen auch die Väter nichts wußten, um zu erkennen, daß es noch andete Dinge im Leben gibt als das Brot allein, — höhere, göttlichere, geistige Dinge, ohne die der Mensch nicht leben kann. Wäre wirklich Idealismus nichts als eine Philosophie der Hungerleider? Und der nichtswürdige Materialismus nichts als eine goldene Traube, die dem lüsternen Fuchse zu hoch hängt? Der Idealist nichts anderes als ein Lebenskünstler, der im kurzen Bett die beste Lage findet, und schließlich nur jenem Manne gleicht, der eine reiche Partie gemacht und nach Schwicgerpapachens Bankrott auf einmal merkt, daß er aus Liebe geheiratet hat?^ Weh uns, weh der ganzen Menschheit, wenn Idealismus nichts anderes als die bekannte Kunst wäre, aus der Not eine Tugend zu machen! Und doch finden wir vielfach die Auffassung. Der eine spricht sie bitter, der andere schmerzlich aus. Der höhnische Bettachter der Welt führt uns die ganze Reihe der bekannten „Träger des deutschen Idealismus" vor, die armen Beamten, die Lehr«, die Kopfarbeiter, die Wistenschastler, alle darbend in dieser Zeit und alle — Idealisten. Warum Idealisten? fragt er. Etwa, weil bft geistigen Dinge zu ihrem Berufe gehören? Weil sie mit dem Kopfe arbeiten und nicht mit den Händen? — Und der schmerzliche Bettachter der Welt muß schweigen. Denn er steht und erkennt, daß neben diesen Hungerleidern soundsoviele satte Spießer herumlaufest, die sich mit dem Mantel eines falschen Idealismus behängen, die meinen« wenn sie.sich ein bischen mit Literatur, ein bischen mit Musik, ein bischen mit Kunst befassen — was sie doch nur können, weil sie Muße oder, waL dasselbe ist, Geld haben — bis. meinen, wenn sie das Modewott der „Geistigkeit" im Munde ttagen, daß sie dann etwas anderes find als was sie sind, nämlich, wie wir schon sagten, satte Spießer und krasse Materialisten l O wie leicht ist es, den Idealisten zu spielen, wenn man ein dickes Portefeuille bei sich trägt! Wie schwer ist es, einer zu sein, wenn man ein Hungerleider ist! Nein, Idealismus ist weder Einstellung noch LebenSkunst. Idealismus ist K a m p f. Kmnpf gegen die Macht der Materie, des Geldes, des Kapitals, gleich ob man's hat oder ob man's nicht hat. Erst derjenige Fuchs ist ein Idealist, der die Traube von Gold verachtet, auch wenn sie tief genug hängt. Aus der Not eine Tugend machen, ist lediglich Lebenskunst; ttotz der Not bei der Tugend bleiben, ist Idealismus. Die armen, hungernden und elenden Geiftesmenschen unserer Welt fangen erst dott an. Idealisten zu sein, wo sie den Kampf aufnehmen gegen die verlockende verheerende Macht des Goldes, das ihren Charakter kaufen, ihre Seele verderben will. Der Mann des Geldes erst dort, wo er sich der weltverderbenden Macht seines Geldes freiwillig begibt, weil er erkennt, daß lediglich an der Materie, am Gelde und seiner Macht Emopa zugrunde-gegangen ist, und der Geldgedanke nichts anderes ist als ein geisttger und moralischer Defekt, gegen den es nur-eines gibt — den Kampf bis aufs Messer! Das Wort Moses aber, das wir vorangestellt haben, ist ebenso erhaben wie bitter. Daß „der Mensch nicht vom Brote allein lebt, sondern von allem, was aus Gottes Munde kommt", ist ein brausendes Ewigkeitswort, ein Donnerwort des Weltalls und ein ewiger Ruhmestitel Israels. . Daß Israel aber erst hungern und darben mußte, um dies zu erfassen, ist zwar keine Schande gewesen für das der Knechtschaft,enttonnene Volk, aber der Schmerz seines großen Führers vom ersten bis zum letzten Tage. So kommen Knechte zu göttlichen Wahrheiten. Durchgepeitscht durch Hunger; Elend und Wüstennot erkennen sie endlich, daß "es noch mehr gibt, als das arme Brot hienieden, und daß über ihnen ein höheres Leben waltet — der ewige Geist. E m i l C o h n. {Qocberifcbau. Tatsachen und Ergebnisse ■iiaHB&Hn Deutschland. Berlin. Der Etat der heute mehr als 170 000 Seelen umfastenden jüdischen Gemeinde Berlins schließt in Einnahme und Ausgabe mit 23 244 955.88 M. ab. In diesen Ziffem sind gewaltige Mehrausgaben gegen das Vorjahr enthalten, die teils durch das Anwachsen der Gemeinde, teils dmch die andauernde Steigerung der Vcrwaltuygs- . bedürfniste entstanden sind. Die letzte Repräscntantenversammlung, welcher Repräsentant Brnos Levy wie alljähr«