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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-30 · 61 (30.7.1920) · p. Seite 310

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
61 (30.7.1920)
Date
1920-07-30
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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hwrbe protestiert, daß die Hälfte der Repräsentanten im Kollegium zurückgeblieben sei und noch Einführung des' Verhältniswahlrrchtes sich ebenfalls einer Neuwahl hätte unterwerfen müssen. Hamburg. In der letzten Sitzüng der Repräsentanz gab es eine lebhafte Auseinandersetzung über die Gesamtorganisation der deutschen Juden. Die eingesetzte Kommission schlug vor. der Einladung der disientierten Großaemeinden zu folgen, doch nur unter dem Vorbehalt der Einführung des Einkammersystems, Beseitigung der Ausnahmebestimmungen für Ausländer und restlose Durchführung des Proportionalwahlrechts. Sollten, diese Vorschläge in Berlin keine Annahme finden, so soll sich das Repräsentantenkollegium feine weiteren Entschließungen Vorbehalten. Berlin. Ter Gemeindebund beschloß, den Gemeindetag auf den 17. ev. 18. November einzuberufeu. 570 Gemeinden haben inzwischen zu seinem Verfassungsentwurf ihre Zustimmung erklärt. Eine Kommission aller großen Organisationen und Gemeinden ist an der Arbeit, die endgiltige Fasiung des Entwurfs festzulegen. Berti». Ter Bibliothekar und Privaldozent Dr. Goithold. Weil wurde juni ordentlichen Honorarprofessor für orientalisch« Sprachen ernannt. Königsberg. Ter im Juni von dem allgemeinen Studentenausschuß geforderte Numerus clausus für jüdische Studenten wurde von der Universitätsbehörde unterm 25. Juni abgelchnt, „da er gegen die Verfasiung verstößt". Berti«. Professor Einstein hat in Kristiania für daS große Publikum mehrere Vorträge gehalten, denen die meisten Professoren de' Universität Kristiania beiwohnten. Dem berühmten Gelehrten wurde von dem Rektor der Universität Kristiania und von dem Vorsipenden dcS norwegischen CtudenlenvereinS gehuldigt. Einstein wnrde zum Ehrenmitglied des norwegischen Studentenvereins ernannt. Berti«. Aiif der Welch! lfskonfercnz werden der HilfSverrin der deutschen Juden durch Dr. Bernhard Kahn, daS Arbeiterfürsorgeamt diirch Prof. Moritz Cobernheim und Generalsekretär Fritz Mordcchaj Kaufmann und der verband der Ostjuden durch I. Lin vertreten sei». Deutschösterreich. Wien. Tas Komitee der jüdischen Delegationen sandte >cinen l-eftigen Protest an die amerikanische Regierung gegen die Austreibung der jüdisch-galizischen Flüchtlinge aus Österreich. ' * Tschecho-Slowakei. Prag. Am 30. Juli konstituierte sich der jüdische Nationalrat für Böhmen, Mähren und Schlesien. Es wurde bcschlosien, km» Ministerium des Innern wegen Internierung tschccho-slowakischer Staatsbürger jüdischer Nattonali- ' tät in Budapest sowie wiegen der bekannten Überfälle des tschechischen Militärs auf jüdische Staatsbürger in Munlacz zu intervenieren. ^>. Polei^ L^arschau (I. C. B.). Hier fand Mitte Juli eine Kow serenz der polnischen Regierung ckit den jüdischen Parteien statt. Geleitet wurde sie durch den Ministerpräsidenten Grabski. Tie Regierung war durch mehrere Minister, Bizeministel und Referenten aus den einzelnen Ministerien vertreten. Fast alle polnischen Sejmparteien hatten ihre Plertreter entsandt. Bon der jüdisch-parlamentarischen Bereinigung »varen die Deputierten Grünhaum, Dr. Schipper -sind Rabbiner Halpcrn erschienen. Anwesend waren auch Tr. Alfred Rossig, Tr. Löwenstein und Herr Priluzki. Der Deputierte Grünbaum forderte und formulierte die Abrüstung der polniscl-cn Pogrom- und Wirtschaftshetze. Ministerpräsident Grabski erklärte, daß die Regierung den größten Teil der öffentlichen Meinung nicht unbeachtet las-/ sen dürfe, sie werde gleichwohl den Mut haben, die Bevölkelung im Geiste der Toleranz zu beeinflussen und deren antijüdischcs Empfinden in andere Bahnen zu lenken. Es bleibt nun abzutvarten, ob die Regierung die vorläufigen minimalen Forderungen der Juden nach Unterdrückung von Pogromen zu e»füllen gewillt bczw. dazu int stände ist. Worfch«. Die Vertreter de- Joint Distribution |Mtmittet in Polen, Profesiör Dr. Israel FrieMnder mrd Dr. Bernhard Kantor aus Rewyork.die sich vm kurzem nach der Ukraine begaben, um ihren unglücklichen Glaubensgenossen HUfe zu bringen, find dort von Bolschewisten beraubt und ermordet worden. Pike». Die polnischen Behörden beabsichtigen in-Hohettsalza di« prächtig« Synagoge in ein polnisches Siadttheater «nnzawandein. Tie Erregung unter den dortige» Juden ist groß; ein« Abordnung unter Führung de» Rabbiner» hat sich nach Posen begeben, um gegen diesen Gewaltakt schärfste» Einspruch zu erhebe». Litane«. - Kowno. MitL 100 000 M. Kapital ist hier eine Zentralbank' zur Förderung dejüdischen Genossenschastswesens in Litauen gegründet worden. Die Zentralbank soll in sich das gesamte schon existierende Netz von jüdischen Volksbanken vereinigen, die über ganz Litauen verbreitet sind. x Rumänien. Kischinew (I. C. B..) Die Lage der Juden in Bessarabicn hat sich in letzter Zeit bedeutend gebessert. Die Be. Hörden zeigen der jüdischen Bevölkerung gegenüber weites Entgegenkommen. Der Antisemitismus ist so aut wie verschwunden. Die Juden erfreuen sich des Genusses vollkommener Gleichberechtigung. Infolge der unterschiedslosen Erteilung von ausländischen Pässen an Juden und Nichtjuden hat das wirtschgftliche Leben einen bedeutenden Aufschwung genommen, wodurch eine allgemeine- Verbilligung sämtlicher Bedarfsartikel eingetreten ist. Die Organisierung der jüdischen Bevölkerung in politischen, sozidlwirtschüftlichen und kulturellen Institutionen macht große Fortschritte. Bukarest. Hier ist Dr. Spivak vom Joint Distribution Committee in Amerika eingetroffen, um die sanitären Zustände der rumänischen Juden zu untersuchen, v Italien. v Floren^ Professor Dr. Umberto Cassuto, Dozent am Collegia Rabbinico Jtaliano und an der Universität in Florenz, ist für sein Werk „Geschichte der Juden, in Florenz während oer Zeit der Renaissance" von der Academia der Lincei in Rom der „Königliche Preis für Geschichte" im Betrag« von 10 000 Lire »verkannt worden. Die Preiserteilung stellt die höchste wissenschaftliche Auszeichnung dar, welche in Italic»^ zu vergeben ist. Griechenland. Athen. Der griechische Unterrichtsminister legte der Kammer einen Gesetzentwurf vor, welcher die jüdische Gemeinde von Saloniki! als höchste jüdische Behörde in, Griechenland anerkennt. Der Entwurf anrrkemrt alle bisher besehenden Rechte der griechischen Juden auf religiösem, rechtlichem und dem Gebiet der Erziehung und bestätigt den Sabbat als gesetzlichen Ruhetag für die Juden. flEtrännb. London. Am 23. Juli schloß die denkwürdige Jahreskonferenz, die eine neue Ara der zionistischen Bewegung eingeleitet hat. Eingcleitet durch ein gewaltiges Meeting in der Albert Hall, auf dem die ersten Männer Englands und der Bewegung, unter ihnen Lord Balfour, Lord Creche, Lord Robert Cecil, Nordau, Rothschild vor 15 000 Juden sprachen, war die Konferenz angefüllt von bedeutenden Referaten, denen lebhafte Debatten folgten. Etwa 300 Delegierte aus.allen Ländem waren ackvesend. Präsident der Konferenz wurde Brandeis, Präsident des Seniorenkonvents Dr. Bodekchermer-Köln. Die Führung ging bald cm die ge- . schlossen austretcnden Amerikaner über, deren Führer Louis Brandeis die überragende Rolle spielte. Ihre -Forderungen gingen auf Besetzung der leitenden Stellen mit Fachleuten, Einschränkung des Einflusses der Parteisekretäre, Organisation der Anleihen und Finanzierung. Durch die ganze Konferenz blieb das Übergewicht der Amerikaner entscheidend, was schließlich burdj die Whchl von Louis Brande iS

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