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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-23 · 60 (23.7.1920) · p. Seite 303

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
60 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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Arbeiterführer tmb die Jude»-zum Zwecke einer Beschlag« nähme dejüdischen Kapitalum- Leben gebracht werden solley. Die Mordplane gehen von den ungarischen Ossizier-terröristen au-, die noch immer in Ungarn tatsächlich an der Macht find. Der erste Bericht betrifft eine Offizier-. Versammlung, die am 27. Juni nach dem Krieg-Ministerium in Budapest einberufen wutde und an der etwa 3000 Offiziere teilgenommen Haben. In der Versammlung erschienen auch der Krieg-minister, mehrere Generale und der Adjutant de- Reichsverwesers Horthy. Es wmde ein längeres Programm entworfen, dadie Arbeiterzeitung im Wortlaut veröffentlicht. Danach'sollen im bestimmten Augenblick die Post- und Telegraphengebäud«, die sozialistischen Redaktionen und andere Gebäude besetzt, die Polizei entwaffnet, dje politischen Gefangenen niedergemacht und die Arbeiterführer nach Umzingelung der Arbeiterviertel aus dem Wege geräumt wecken. ^Auf dem Programm steht auch ein Maffenpogrym gegen die Juden. Die Arbeiterzeitung gibt di« Hauptschuld an den herrschenden Zuständen in Ungarn der britischen Diplomatie, die Horthy nach Budapest brachte und die wahren Zustände im Lande ableugnetc. sodaß schließlich Ungarn durch die Entente unter das Joch des weißen Terrorgezwungen worden ist. Szegedin. Nach neuesten Nachrichten sollen die „Erwachenden Ungarn" erreicht haben, daß Rabbiner Löw immer noch in Haft bleibt. Japan. Teil». Der Minister bti Auswärtigen viScouut Uchida hat öffentlich den Glückwunsch d^sapanischen Regierung an daS jüdische Volk anläßlich der Benvirklichung seiner zweitaiisendjährigen Bestrebungen auSgedrückt. ' Amerika. Philadelphia. Die Vorbereitungen für den neuen amerikanischen Kongreß sind in vollstem Gange. In der letzten Sitzung devorbereitenden Komitees fanden die Kommissionswahlen statt. Die wichtigste Kommission ist die für politische Arbeit, di« sich „Ausschuß für die Verteidigung der jüdischen Rechte" nennt. An hrer Spitze K Rabbi Stephan Wise als Präsident, Richter Mack, Dr. Frieda Id u. a. alS Beisitzer. Daneben gibt «S eine BerfasiungStommifsion, eine Wahlkommission, eine Budgetkommission u. a. m. Rewisork. Di« Millionenstiftung für das notleidende Judentum kommt groß zustande. Hier wurden in zwei Tagen 2 Millionen Dollar gesammelt, die man auf 7'/„ Millionen steigern will. Jni ganzen will man 35 Millionen erreichen, die man besonders für medizinische Zlveckc verwenden will. Die Geistlichen aller Konfessionen beteiligen sich mit Feuereifor an der Sammlung. London. Stuart Samuels Weißbuch über seine polnische Mission liegt jetzt vor. Er verwirft zwar den Namen „Pogrom" für die polnischen Vorgänge, äußert sich auch optimistisch für die Zukunft, seine Anklagen aber sind schwer: 348 Juden sind nach seinem Bericht erschlagen, zahllose verwundet und verkrüppelt. Das Schwergewicht des Berichts liegt auf der wirtschaftlichen Unterdrückung. Er verlangt in 12 Anträgen Erfüllung der Minoritätsklausel vom 28. Juli 1919, Bestrafung der Schuldigen, Abstellung der Schikanen in Ostgalizien, Aufhebung der Prozentnorm an'den Universitäten und Anstellung eines Jüdisch vertehenden Sekretärs an der britischen Gesandtschaft in Warchau. Letzterem widerspricht der englische Gesandte, da die Iberwachung des Friedensvertrages nicht Sache Englands, andern des Völkerbundes sei. London. Auf einer Konferenz der englischen Zionisten am 20. Juni wurde beschlossen, ein Register der jüdischen .Handarbeiter und'Bauern in aller Welt zum Zwecke einer dreijährigen Dienstzeit in Erez Jisrael mit besonderer Vergütung aufzunehmen. London. Die Jahreskonferenz wurde in Anwesenheit von 200 Delegierten eröffnet. Ehrenpräsident: M. Nordau, Präsidenten Louis BrandeiS und Usfischkin. Weizmann hielt eine ausführliche. Programmrede, worin er Balfour dankte, eine Neugestaltung der Organisation verlangte und vor allem die Errichtung einer großen jüdischen Kolonisationsgesellschaft ankündigtr. ohne Ausschluß der privaten Unternehmungen. Er glaubt die Zahl der Einwanderer im ersten Jahr auf 50 000 beziffem zu.dürfen. Usfischkin forderte 4 Millionen Pfund für die Einwanderung von wenigsten-30 000 Juden. L»»b»>. Professor Weizmann erhielt nachstehend« Botschaft von Lloyd George: „Ich übersend« meine herzlichsten Glückwünsche dem ersten seit dem Kri^e tagenden zionistischen Weltkongreß au» Anlaß der Wiedererrichtung der nationalen Heimstätte für da» jüdische Volk. Ich vertrau« fest, daß da» jüdische Volk alle diese Eigenschaften von Energie, Entschlossenheit,. Toleranz, Weisheit und Überlegung aegrnüber ihren Mitbürgern in Palästina zeigen werden, die für seinen Erfolg notwendio sind. Ich bin überzeiigt, daß in diesem stalle da» jüdische Volk abermal» einen großen und wohltätigen Teil zum Fortschritt der Menschheit beitragen wird. sJ. C. B.j ' Palästina. Jerusalem. Die Geulah-Woche, die in ganz Palästina mit großem Erfolg durchgcführt lvurde, brachte bisher über 100 000 Pfd. ein.. Jerufalein. In der „königlichen Botschaft an das Volk von Palästina", die^ durch den Oberkommissar Herbert Samuel veröffentlicht wird, heißt es: „Jeder weiß, daß die alliierten und verbündeten Mächte Maßnahmen beschlossen haben, um die graduelle Einrichtung eines.nationalen jüdischen Heims für das jüdische Volk in Palästina sicherzustellen. Diese Maßnahmen werden aber in keiner Weise die bürgerlichen oder religiösen Rechte der allgemeinen Bevölkerung Palästinas verletzen oder ihr Wohlergehen mindern. Ter Hohe Kommissar, den ich eingesetzt habe, um diese Grundsätze zu verwirklichen, wird, besten bin ich sicher, mit voller Hingebung und Tatkraft wirken und alles tun, um die Wohlfahrt und Einigkeit aller Klasten und Parteien unter euch zu erzielen." Ivettfcbe CScbter. Von Samuel Gordon. Berrcht. Übertragung^ aus Sem Engl, von M. Pulvermann. lstortsetzung.) „Du bist auch jetzt niein guter Engel, wie immer, du brauchst nur den Mund zu öffnen, und die Hilfe ist schon da, du hast recht; ich habe nur den Mut verloren — nicht aber mein Sehnen, mein Verlangen. Nur wußte ich nicht, "was mich so beunrhigte, bis du es mir gesagt. Und sollte ich nicht ein wenig ängstlich sein,. mein ganzes Okschick einem Fremden anheimzugebcn, von dem ich nichts anderes »veiß, als daß ich ihn liebe? Und Liebe allein ist doch nicht iinmer ein verläßlicher Prüfstein — vielleicht finde ich da «nur schlechtes, unedles Metall, wo mein Herz nur gediegenes, reinen Gold zu finden hofft! Ist cs da zu verwundern, lvenn ein schlvachcs Mädcl-en davor zurückbebt,' alles — alles auf einen Einsatz zu »vagen? Aber", ftihr sic U'eiter fort, energisch sich aufrichtcnd, „jetzt bleibt nur noch der eine Weg: vorlvärts, in das Wagnis hinein; mutig und ahne Jagen auszuharrcn und zu vertrauen, daß das, lvaS Gott uns zu tun zuläßt, auch nur zum Guten sei»» kann. Salka, ich »verde gehen I" ' i Salka war an die Tür getreten^; schrverniütig und in tiefe- Nachdenken versunken blickte sie auf den Sspfelbnrun. der seit undenklichen Zeiten vor dern Hause gleichsam Wache stand und der jetzt seine Blätter drohend und mißbilligend zu bewegen schien. „Ist es auch »uert, das Wagnis zu unternehinen?" sprach Salka wehmütig, tvie zu sich selbst. „Du lneinst. Vater, Mutter uiid Schlvcstcr dafür aufzugeben?« Ich »veiß es nicht! Ich »veiß nur, daß, lvenn ich verliere, eS mir nicht leid tun lvird —weil ich es nicht »vagen »verde, mich zu bemitleiden."

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