Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 59 (16.7.1920)
- Date
- 1920-07-16
- Page
- Seite 295 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der Sübunfl Begriffen. Man erwartet von der Exekution, daß sie in Rücksicht auf di« durch die Kriegsumstände hervorgerufene -Unmöglichkeit neuer Wahlen, freiwillig ihre Rechte an die Konferenz abtritt, die dadurch die Macht erhalten würde, eine neue Körperschaft zu wählen. London. Am 24.^Mai ist der erst« Transport jüdi* scher Kinder auS Wien in England eingetroffen. Die Regierung hat auf die Vorstellung deS Oberrabbiners Dr. Hertz, der in einem Auftuf die schreckliche Kindersterblichkeit in Wien schilderte, die Erlaubnis zu dieser Sonderaktion gegeben. Jedem Kinde ist die Möglichkeit gegeben, nach . den Vorschriften der Thora zu leben. Palästina. Jerusalem, 1. Juli, verspätet. (I. C. B.) Die Zionistische Kommiffion meldet: Sir Herbert Samuel ist am 30. Juni morgens in Jaffa gelandet und wurde von Kanonenschüssen begrüßt. Im Hafen wurde er von General Shea und General Hodgson empfangen. Der Bürgermeister überreichte dem hohen Kommissär eine Willkommens-Adreffe. eine zweite Adresse in hebräischer Sprache wurde ihm von den Juden überreicht. Sir Samuel erklärte, erst vor den versammelten Vertretern in Jerusalem die Botschaft Sr. Majestät über die Politik im Lande zn verlesen. Hierauf begab er sich im Wagen nach Ludd und von dort in der Eisenbahn nach^ Jerusalem. Sämtliche Straßen der Stadt waren von großen Menschenmengen umstellt, auch die Balkone und Dächer warewvdn Menschen überfüllt. Am Bahnbo'fe wurde er vom General Coßtelle begrüßt und die Munizipalität überreichte ihmeine Adresse. SodaNn wurde er vom General Bols, dem scheidenden militärischen Administrator, im Hauptquartier empfangen. — Reuter schildert seine Reise nach Jerusalem als einen einzigen großen Triumphzug. Durch alle Straßrn bildeten indische und Porkshiretruppen Spaliere. Äroplaue begleiteten seinen Sonderzug. Seine Ankunft im Hauptquartier auf dem Olberg fand unter unbeschreiblichem Jubel einer unübersehbaren Volksmenge statt. Jerusalem. Der Geburtstag des englischen Königs wurde hier durch einen feierlichen Gottesdienst begangen^ Sämtliche aschkenasischen und sephardischen Rabbiner waren abgereist, die englischen und zionistischen Behörden waren anwesend. Rabbi Kuk hielt eine denkwürdige Rede, in der er König Georg mit dem Perser König Chrus verglich, und unsere Zeit mit der Heimkehr aus der babylövischen Gefangenschaft. Liberias. Hier wird von der Militärvertvaltung eine Straße nach Kinereth gebaut. Die Ausführung wurde dem jüdischen Arbeitsamt (Achduth Haawoda) übertragen. Zirka 500 jüdische Arbeiter werden Beschäftigung finden. Haifa. Auf der landwirtschaftlichen Ausstellung hier erhielten Juden insgesamt 80 Prozent der gestifteten Preise. - y London. Reuter meldet über die San Remofeier in Jerusalem folgendes: Der Tag, welche« als Fast, und Trauertag für die Opfer der Jerusalemer Exzeße-proklamiert worden war. wurde in einen Tag der Freude verwandelt Ussischkin, der Führer der zionistischen Kmnmission, betrat die Hauptsynagogc und verkündete hier die freudige Botschaft. — Rabbi Kuk ordnete die Einstellung des Fastens an, und eine jüdische Prozesiion zog zur Klagemauer. Lautlos betend fielechsie aufs Knie. Viele wurden von der mächtigen Freude derart ergriffen, daß sie die Mauer küßten.. Nachher kehrte die Prozesiion in die Sephardim-Synagoge zurück, wo unter den ernsten Klängen deS Schofars der Anbruch der neuen Zeit verkündet wurde. I ‘ miTiirni ... 'JOdirdK CScfcttr. JBon Samuel Gordon. Brrrcht. Obemagung au« drin #ngl. von M. Pulvrrmann. fFortsttzimg.) Hastig öffnete sie den Brief und las — und las immer wieder, wie der Mann richtig'vermutete, da der Brief gar nicht so viel enthielt, um ihn so lange auf Antwort Warden zu laßen. * «Ich tverde die Antwort später durch einen andern Boten schicken", gab sie endlich den Bescheid. Er zögerte. Zillah wiederholte ungehalten ihre Worte, der Mann schlug die Hacken zusanunen, niachte Kehrt und ‘ verließ in stramm-militärischer Haltung deir Laden. Er bildete sich viel auf seinen schlauen Einsall mit dem Tabakeinkauf ein. ' Zillah sah ihn, mit einem langen, eigenartigen Blicke »ach. Sie hatte eine»'Vorgeschmack bekommen von der Asacht, die sic spater ausüben ivird. — Ter russische Soldat gehorchte sofort, ohne Widerspruch, dem Befehle des jüdischen Mädchens. „Da", sprach sie endlich, den Brief ihrer SAvester hinhaltend. , Salka griff ungeduldig danach, ob auch ihre Finger derartig bebten, daß sie ihr fast den Dienst versagten. „Die Befehle für mich sind soeben eingetroffen". laS sie: „ich hake den Posten erhalten, muß-mich aber schon am fünften Tage, von heute gerechnet, in SamarkMd melden. Wir müsien daher noch heute abend um sieben uyr abreisen, oder spätestens ukn neun Nhr die Lokomotibe nach Rakow benutzen, um dort noch den Süd-Expreßzug zu erreichen. Wenn du deine Antwort bis sieben Uhr nicht geschickt hast, Madonna, so erwarte ich bestimmt, daß du sie mn neun Uhr selbst auf den Bahnhof bringen wirst." „Also heute abend schon", sprach Salka, noch immer auf den Brief hinstarrend. Da aber Zillah keine Antwort gab, so glaubte Salka, daß sie diese Bemerkung nur gedacht und nicht ausgesprochen hatte; sie wiederholte cs daheretwas lauter. „Mein Gott! Ich tveiß es doch schon, ohne daß du es »irr »viedcrholt in die Ohren gellst", rief Zillah fast zornig. „Ich glaubte, daß du darüber recht froh sein wirst", vereidigte Salka sich schüchtern. . ' „Natürlich bin ich recht froh darüber — so froh, daß ich fast eifersüchtig bin, es zu zeigen.. Nur glaubte ich nicht, daß cs gar so bald geschehen soll." , '„Wann hast du es denn erivartrt?" «In einem Monat — in zwei — in einen, Jahre — iveiß ich es denn? — so daß bis dahin eine Möglichkeit vorhanden war, vorher sterben zu können. Es ist ja nxihr. er hat mich darauf vorbereitet, daß es ganz plötzlich kommen kann; ja, jetzt erinnere ich mich, daß er ganz bestimmt davon gesprochen", fuhr sie fort, sich nnrlchig hin- und hcrbeU'egend, „aber ich wußte nicht, daß er es ernst meinte. Ich hatte es vergesien;'es »xir ja eine blinde Glückseligkeit, wo ich nieder rnckuxirts noch vorwärts schauen konnte, Atzt aber, da ich meine Sehkraft wieder gebrauchen soll, fangen die Augen an zu schmerzen. Ja, Schlrvstcr. es tut sehr tveh —." Flehentlich tvendete sie ihr Gesicht Salka zu. und jetzt, in, Hellen Sonnenschein, konnte man sehen, »vic abgehärmt, lvie kläglich, wie geisterhaft bleich sie aussah. Salka zerknitterte mit nervösen Fingern den Brief, den sic noch immer in der Hand gehalten. „Du tvirst also nicht gehen", sprach sic, dicht vor Zillah hintretend; „weil du nicht gel-en willst. ,veil du den Mut rurloren oder überhaupt keinen besessen." Ein mattherziges Lächeln umspielte ZillahS Mund. Weinend ergriff sie Salkas Hand. sJortsttzung folgt.) I