Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 59 (16.7.1920)
- Date
- 1920-07-16
- Page
- Seite 296 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Trtnnrniium |n Herz n) T>l. Köln. Der Provinzialverband ehemaliger Synagvgengemeinden erläßt einen Aufruf zugunsten der kleinen und mittleren Gemeinden, die. ehemals Pflanzstätten jüdischen Lebens und jüdischen Wissens, jetzt vom inneren Zerfall bedroht sind, da sie ihre Lehrer nicht mehr der Zeit entsprechend besolden und ihre Einrichtungen nicht mehr aufrecht erhalten könnten. Die Gründung eines Hilfsfonds ist in Angriff genommen. Wir legen diesen Aufruf dieser Nummer unserer Zeitung bei. Remagen. Hier fand kürzlich die Jahresversammlung der sog. „Handiverkerchewra" statt, die zum ersten Male wieder seit fünf schweren Kriegsjahren zusammrntreten konnte, und von nah und fern zahlreich beschickt war. Der Vorsitzende, Herr Moritz Faßbändcr. erteilte den Bericht. Herr Rabbiner k>r. Cohn hielt die Gedenkrede auf die verstorbenen Mitglieder. Herr Sanitätsrat vr. Lichtenstein- Bonn ein ausführliches Refreat über die „Berufswahl junger Juden", das mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Ter Vorstand wurde wiedergewählt und durch neue Mitglieder ergänzt. g Dir Dolnttasche. I Auch ein Erlöser. Fortsetzung aus Nr. 56. „Was heißt Lebenserhaltung? Von diesem Verdienste schicke ich allmonatlich 15 Gulden zur Erhaltung meiner Familie nach Kalomea, die restlichen drei Gulden reichen für mich vollkommen aus. Tenn was hätte ich noch für Bedürfnisse außer Brot und gelegentlich einem Schluck Tee? Also Nahrungssorgen sind es keinesfalls,, die mich zum Wechsel zwingen . . ." „Sondern . . .?" x Der Fremde erhob stolz das Haupt und sprach frei und offen. „Ganz einfach/ich schäme mich, schäme mich für mein Volk. . . Nämlich, wenn nach hundert Jahren meine Lcbensbiographie geschrieben wird und die Völker erfahren. daß meine jüdischen Brüder mich, den Begründer der neuen Völkerreligion, ohne Amt und Erwerb gelasien hätten, so daß ich gezwungen tvar. mit meinen Ware von Hau» zu Haus, zu gehen. >rne einer, der auf öffentliche Mildtätigkeit angewiesen ist. so wäre dies eine Entweihung des jüdischen und göttlichen Namens sondergleichen ..." Alle Zuhörer merkten auf und sahen sich fragend an. Hatten sie es mit einem Wahnsinnigen zu tun? ' „Ich begreife", fügte der Fremde er-klävend hinzu, „daß inan mich nicht versteht: habe ich doch Unterlasten, mitzuteilen, daß ich der Begründer einer neuen Religion bin . . ." > Er legte ein ganzes Bündel von Papieren und Schriften in leichter und schöner hebräischer Sprache auf den Tisch. Verständlich war sein Vorhaben ^noch nicht. „Für wen soll denn die neue Religion bestimmt sein?" „Natürlich für.die Nichtjüden. Wir haben ja eine. Ich erlaulie den Nichtjüden den Genuß des Schweinefleisches. Sabbatentwcihnng..." „Warten diese wohl aus Ihre Erlaubnis?" „Wohl nicht. Aber immerhin waren sie doch bis jetzt ohne Thora. Ich aber gebe ihnen eine, ein Stück unserer Thora, aus purem Mitleid ... Es wird ihnen die Sache nicht zu sehr erschrvert ... Es bleibt ihnen Vieles erlaubt, woran sic bis jetzt Hielten, und was den Noach'iden von jeher nicht versagt war . . . Was ihnen aber hauptsächlich streng verboten ivird, das ist Bruderhaß. Blutvergießen, jede Art von Getpatt, Verstsignng, Vernichtung, Berteiundung, Verhetzung >. . . All diese» verbiete ich ihnen strengstens. Ich bringe ihnen Sitte. Moral. Anstand und viele» andere, was heut« noch den Völkern fehlt ..." Ohne Pathos stieß der galizische Jude die Worte hervor, nur «ine innere Freude erhellt^ sein hageres Antlitz.. „Und wie sollen -ii« Völker den Inhalt Ihres Buches erfahren?" „Ich suche mir einen Übersetzer, der meine Ideen in» Deutsche übersetzt. Aus dem Deutschen worden sie diese schon selbst in alle anderen Sprachen übertragen." .Haben Sie bereits einen deutschen Übersetzers „Ich wandte mich zuerst air den Doktor, seinen Namen habe ich vergessen, der den Judenstaat verfaßt hat und bat ihn. mir bei der Gründung der neuen Völkcrreligion behilflich zu sein." „Und? „Der Herr Doktor sagte mir, er verstehe kein Hebräisch und verwies mich an den Redakteur der „Welt". Aber auch dieser versieht kein Hebräisch und schickte mich zu einem anderen. Ich sehe, das ist nur eine Geldfrage. So spare ich es mir jetzt zu diesem Zwecks, so gut es geht, noch vom Munde ab. . . Im ganzen wird für die Übersetzung 40 Gulden verlangt." Einer der Gesellschaft konnte sich des Lachens nicht enthalten. „Macht nichts", sagte dov Fremde, „daß man meiner lachen wird, wußte ich. ich. werde gewiß noch Schlimmere» erleiden müssen. Schadet nichts. Das war von jeher das Los der Religionsbegründer ..." , Der christliche Freund erbot sich sofovt. die 40 Gulden dem Manne zu überreichen. Der Galizier lehnte aber entschieden ab. Man solle nicht später sagen, daß der Stifter der neuen Völkomeligion von einem Menschen Almosen . empfangen hätte ... Im Jahre 1900 fand in Paris ein Religionskongreß statt, auf dem Vertreter aller Wcltgegenden über die verschiedene« religiösen Richtungen und Strömungen auf dem Erdcnrunde Bericht erstatteten. Auf diesem Kongreß wurde auch über das Werk eines Moses Schwertscharf aus Kolomea Bericht erstattet und eingehend mit allem gebotenen Ernst verhandelt. Die Verhandlungen' sind im Protokoll dieses Kongresses nachzulesen ... Diese? Moses Schwertscharf war kein anderer als der \ galizische Orangenhausierer in Wien. * * Ter kürzlich getaufte Herr Wormser und der dem Glqubcn seiner Väter treu gebliebene Herr Mainzer treffen sich beim Skat. Wormser hat die Gewohnheit angenorw men. des öfteren, bei besonders schlechten Karten seinen Unwillen durch den Ausruf: „Jesses, Jesses!" zum Aus- » druck zu bringen. Ärgerlich darüber wirst Mainzer seine Karten weg und ruft seinem „Freunde" zu: „Wenigstens können Sie „Herr Jesus" sagen, denn so lange kennen Sie den Mann noch gar picht l" (Jugend.) * Vor meiner Haustür hatten die beiden Knaben Cohn und Kornblum einen Streit, der schließlich dahin führte, daß der kleine Cohn seinen Gegner am Kragen packte und zu verwichsen begann. In seiner Angst schrie nun der kleine Kornblum: „Laß mich los, oder ich schrei ganz laut auf der Straß« deinen Namen!" * s Herr Levh, der Prinzipal, faßt girren Expedienten Roscnthal ab, wie er um 10 Uhr ins Geschäft kommt. „Mensch!" brüllt er ihn an. „wo kommen Sie jetzt her?" — „Verzeihen Sie", stottert Rosenthal, „meine Frau hat gestern eine schwere Geburt gehabt und da . .. ." — „Gut, gut", sagt der gerührte Prinzipal und drückt Rosenthal 100 Mark in die Hiwd.