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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-07-09 · 58 (9.7.1920) · p. Seite 287

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
58 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
Seite 287 (sequence 3)
Language
German
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WWW WWWW Linde keine stärkere Einwanderung zugemutet werden würoe^asif eS ertmgen und fasten kann. Enteignungen werden nicht stattfinden. _ London. Am 4. Juli fand hier in den Straßen ein jüdischer Flaggentag zugunsten einer Nordaukolonie statt, di« für den Veteranen des Zionismus, Max Rordau, in Palästina gegründet werdey soll. Die ersten Damen der Gesellschaft verkauften in den Straßen die blauweißc Flngae. ,; London. Am 5. Juli fand hier die zionistische Jahrcskonferenz statt. Sie war nicht öffentlich. Man beabsichtigt ihre Auflösung in Kommissionen über Politik. Palästinaarbeit, Finanzen, kulturelle Arbeit in der Diaspora. Organisation. Die in den Kommissionen gefaßte Beschlüste werden dann der Konferenz zur Debatte unterbreitet werden. Ussischkin wird aus Jerusalem erwartet. Oberrichter Louis Brandeis ist aus Amerika bereits eingetroffen. Froukreich. , Konstantine. Das nordafrikanische Organ der Alliance israelite „La Veritö" begrüßt unterm 20. Jmri den Beschluß von San Rcnzo und plädiert für eine „Entente cordiale" zwischen Alliance und Zionismus. Paris. Die in letzter Woche von der gesamten jüdi- .schen Preste gemachte Mitteilung vom Ableben des Majors Alfred Dreyfuß hat sich nicht bewahrheitet. Drelstuß lebt. Die Nachricht beruhte auf einer Mystifikation der Pariser Berichterstatter, die auf die Todesanzeige eines anderen Alfred Dreyfuß in der „Teinis" hineingefallcn sind. * Palästina. Jerusalem. In einigen Wochen sollen den Juden Palästinas dreisprachige palästinensische Pästc (englisch, arabisch und hebräisch) ausgestellt werde»». Jthamar Ben-Awi, Chefiedakteur des Doar Hajom, empfiehlt den palästinensischen Juden, bei dieser Gelegenheit ihre Galuthnamen mit den Endrmgen off, ff»), man, sohn, bäum usw. auf ausgesprochen hebräische Namen umzuändern. Beirut. Vor Reisen über Syrien wird gewarnt. Unsaubere Agenten und Hoteliers irehmen dtzw'täglich eintrcfsenden Palästrnawanderern ihr letztes Bargeld ab, da leider hier für Unterkunft und Weiterreise'keinerlei Vorsorge getroffen ist. Jerusalem. Der Waad-Hasmani, der bis zun» Zusammentritt der jüdischen Konstituante die oberste Vertretung der palästinensischen Judenheit bildet, hat laut Zionist Bulletin vom 16. Juni inbezug auf den Geulahfonds (es sollen insgesamt 100 000 Pfd. Sterl. in Palästina aufgebracht werden) folgenden Beschluß gefaßt: „Der Waad- Hasmani wünscht, daß die in Palästina gesammelten Gelder für die Erlvorbung von Land durch den Jüdischen Nationalfonds verwendet »Verden. Auch die in den irrigen Ländern der Welt gesammelten Gelder sollen hauptsächlich zum Erlverb von Boden durch den I. N..F. bestimmt werden." > Illäifcbe Cöcbter. Don SamUFl Gordon. Berrcht. Übertragung aus dem Engl, vair M. Pulvermann. . lJartsetzung.) X. Vier Tage später. Anschel »var schon zeitig aufgcbrochen, um in dxn benachl>arten Dörfern Schulden cinzukassieren, und »vmde erst spät am Abend »vieder zurückerlWrtet. Die frohe Lauire, die sich seit dem Abend, als er glaubte, die jungen Leute im traulichen Beisammeirsein in der Küche überrascht zu haben, bei^ihm »vieder gefunden hatte, »iK»r längfNmexrverschnmNdemEr mußte sich'eingestehen, daß firn LieblingStckmsch noch tn weite Ferne «rückt war; Aron ging wieder träumerisch und melancholisch herum oder hielt sich stundenlang in seinem Zimmer eingeschloflen, und auch als er zu den Mahlzeiten kam, mied ihn Zillah geflissentlich und suchte ihm rücksichtslos auSZuweichen. Was Wunder, daß Anschcl sich vor Gram fast verzehrte, daß ihm der Aufenthalt im Hause verleidet »var, und darum ging er außerhalb seinen Geschäften nach, auch wenn diese auf andere Weise ganz gut erledigt »verden konnten. Zillah war beständig im Krankenzimmer; in den letzten Tagen »var sie kaum der Mutter von der Seite gewichen. Die Kranke »vmcherte sich freilich darüber, aber sie nahm auch dieses, wie jede andere Wohltat, schtveigend, ohne zu fraget, hin. Sie verstand ihr eigenes Kind nicht und fürchtete sich auch, durch viele Worte vielleicht auch noch den letzten Hoffnungsstrahl zu vern»"chten. Aron »»»änderte ziellos im Haufe, herm». In den ersten Tagen glaubte er Ursache zu haben, auf ettvas zu hoffen, denn — hatte nicht Zillah selbst ihm gewisse Andeutungen gemacht? Oft und oft hat er sich diese ihre eigenen Worte »viederholt: „Sie nüisten nicht so stürinisch auf eine Ant- »vort drängen. Warten Sie —; man kann nicht wissen", hatte sic zu ihm gesagt, urrd »vie hoffimngsfteudig. wie, beseligend haben sie ihch geklungen! Und er hat getvartet und gehofft, aber auch — beobachtet und nachgegrübelt, und nach und nach — geschah es durch die unzähligen Wiederholungen? — fingen jene Worte an sich abzustuinpfen und an Bedeutung zu verlieren. Und jetzt, als'er in seinem Stübchen saß. mit einem anfgeschlagcncn Talmrrd-Folianten vor sich, und die verheißungsvollen Worte »vieder in Erinnerung rief, da erschienen sie ihm bereits hohl und nichtssagend, denn sic erweckten in ihin keinerlei Wonneschauer mehr, wie vor einigen Tagen, und daraus erkannte er deutlich, daß er das Vertrauen zu ihnen verloren. Aber er »var ftst entschlossen, trotz alledem, sich'noch heute eine Antwort zu verschaffen. % Salka »var im Laden. Sie hatte mit ihrer Schnvster die häuslichen Obliegenheiten getauscht, rmd es nur ihr nicht unlieb; sie brauchte nicht mehr in der Nähe der Mutter zu »veilen, deren Blicke ihrunnennbaren Schinerz bereiteten, und »vas ihr ehemals als ein unersetzlicher.Verlust erschienen »r-äre, betrachtete sie jetzt als eine Erlösung. Sie fühlte sich schuldbewußt; bisher hatte sic sich noch nicht Zeit genonilnen, über den Ursprung ihrer Empfindungen, über die. Traglveite derselben sich Rechenschaft abzvlcgen; sie waren bisher so mächtig, so übcrrvältigend, um jeden Versuch einer Selbstprüfung zu hintertreiben und unmöglich zu mackM. Sic'befand sich in einer so hilflosen Verwirrung. die die Wahrnehinung der äußeren Vorgänge vollstäirdig überschattete rknd verdunkelte. In einer ähnlichen Stiminung ln?fand sic sich auch jetzt sicherlich, sonst »vürde sie den strammen Soldaten bemerkt haben, der schon seit einer ganzen Weile am Hause aufuird abging, und so oft er am Laden vorbcikam, einen forschenden Blick hineinlvarf, um »nieder ärgerlich »veiterzugehen; darum sprang Salka erschreckt auf, als er jetzt in den Laden hincirrstolzierte. „Ich niöchte für z»vei Kopeken Rauchtabak", sprach er. sich im ganzest Laden suchend umblickend. . „Wir führen keinen Tabak." „Jatvohl, Sie führen welchen — ich habe erst vor eiiügen Tagen hier solche»» gekauft; die schöne Dame mit den glänzenden Augen hat ihn mir verkauft." Salka fing an. den Zusamnienhairg zu begreifen; fliirk giirg sie zur Treppe und rief hinauf: „Zillah, bitte, konnte für einen Augenblick hern»»ter." Ihre Stimme zitterte ein »venig, aber sie nrerkle es selbst nicht. Zillah erschien bald, und ihr erster Blick traf den Soldaten. „Eiire Botschaft!" erriet sie sogleich. Der Mann nickte, mit einen» fragenden Seitenblick auf Salka. die »vieder zun» Ladentisch getreten war. „Es hat nichts zu bedeuten", beantwouete Zillah ungcdulditz seine-stumme Frage. » ' . 1

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