Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 56 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
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Washington (I. C. B.). Der nationale Ausschuß.für konstruktive Einwoäldenmgsgefetzgebung hat im Repräsentantenhaus ein Gesetzprojekt betreffet die Immigration, eingebracht. Danach soll die Kontrolle der zu künftigen'Einwanderung einem Ausschüsse übertragen werden, der aus den Staatssekretären für Arbeit, Handel, Inneres Und Agrikultur und einem speziellen, vom Präsidenten ernannten Vertreter, bestehen soll; Die Zahl der zugelassenen Einwarä»crer soll im Verhältnis zur Gesamtzahl der im letzten Jahre in Amerika naturalisierten Bürger aller Staaten ^bestimmt werden. Es sollen bloß 10 °/0 dieser Gesamtzahl zugelassen werden. Kork. Der Gouverneur von New Kork, Smith, und die Geistlichkeit fast sämtlicher Kirchen haben zu einer Sammlung für die Juden Osteuropas aufgefordert. New Uork. Im XXI. BcMbe des „Jewish Fear Book" findet sich die neueste Statistik der Juden, deren Gesamtzahl auf über 15,3 Millionen berechnt wird. In Amerika haben sie sich von 1,8 Millionen im Jahre 1907 auf 3,4 - Millionen vermehrt. Der Staat New f)orf, der 1 603 923 Juden zählt, beherbergt allein 48,60 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Union. Zehn Städte zählen 50 000 Juden und darüber: Detroit 50 000, Newark 55 000, Pittsburg, St .Louis, Baltimore je 60 000, Boston 77 000, Cleveland 100 000, Philadelphia 200 000, Chicago 225 500» New Dort City 1 500 000. Unter den 5 670 167 Eiüwohnern dieser Stadt bilden die Juden somit 26,46 Prozent, zugleich aber 45,45 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten. England. London. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Palästina in London" hielt der Bischof von London eine bemerkenswerte Rede, in der er dem Zusammengehen der Juden und Christen in allen Menschheftsfra gen das Wort redete. London. Auf der Konferenz der englischen Zionisten gab der Führer, in Bezug auf die Besiedlung Palästinas folgende Grundsätze bekannt: Beschränkt wird die Einwanderung nicht werden. Die zionistische Organisation übernimmt die Verautwortung aber nur für die durch sie Beförderten, man rechnet dabei auf 25—30 000 Einwanderer zunächst. Es wird aber jeder nicht durch die Organisation Berufene darauf aufmerksam gemacht, daß er die Einwanderung auf eigene Gefahr unternimmt. In allen Auswanderungsländern, vor allem also im Osten, werden Aufnahmestationen und in Verbindung mit ihnen Auskunftsstellen für die berufliche Auswahl und Unterstützungsstellen für die Wanderer begründet werden. Ihnen wieder sollen in den Dmchgangshäfen (Triest, Beirut usw.) und Ankunftshäfen (Jaffa, Haifa) entsprechende Ämter ungegliedert werden.' In Palästjna selbst ist der Bau von 5000 neuen Häusern und von provisorischen Baracken geplant. Für die Projekte der Bewäsierung und Elektrizität will man baldigst 100 000 Arbeiter hinüberschaffen. Die Staatsbürgerschaft wird durch einjähriges Wohnen im Lande erworben werden können. London. Hier ist eine große Palästinabaugescllschaft „Haboneh" mit einem Aktienkapital von 200 000 Pfd. Sterl. gegründet worden. An der Spitze steht Stuart M. Samuel.! Aegypten. Kairo. Es wurde vor kurzem in ganz Ägypten die sogenannte englische Woche" festgesetzt in der Weise, daß die Sonntagsruhe schon am Samstagnachmittag ihren Anfang nehme. Bei dieser Gelegenheit «lang es dem Rab-, binat in Alexandrien, durchzusetzen, daß die jüdischen Kaufleute am Sonntag ganz geöffnet halten, daftir aber den ganzen Samstag ihre Geschäfte schließen. .. . WM«- Jerusalem. Der hiesige Erziehunasrat teilt mit. daß für das nächste Schuljahr 60 neue Lehrkräfte gesucht werden. von lenen einen großen Teil.das Ausland wird stellen müssen. Jaffa. Das Verbot, Waffen zu tragen, hat. wie berichtet wird, die jüdischeil Kolonien verteidigungsunfähig gemacht. Die plündernden Banden kennen dies Verbot und gründewlmnnlf ihre Mgrisfspläne. Jaffa. Dir^Organisation der jüdischen Arbeiter entsandte 300 Mann zum Schutze der von den arabischen Banden bedrohten Kolonien. Im Norden Galiläas haben die Franzosen jetzt die Bestrafung der arabischen Dörfer, die sich an den Christenmaffakres und den Überfällen auf die Kolonienbeteiligt hatten, energisch dmchgeftihrt. Jerusalem. In der ambischen Presse macht sich ein merklicher Stimmungsumschwung zu Gunsten des jüdischen Palästina geltend. Doch muß vor vorzeitigen Schlüffen noch gewarnt werden. lOdifcbe C5d»ter. Von Samuel Gckrdon. Bericht, Übertragung auS dem Engl. von M. Pulvrrmann. sFortsehung.j Langsam lenkte sie ihre Schritte der Küche zu. „Es kann nicht schaden, wenn ich ihr einige Handgriffe mache", dachte sie; .^nächste Woche wird es ihr vielleicht lieb sein, recht viel Arbeit zuhaben, um dadurch vergessen zu können, daß.sie einst eine Schwester gch»bt." Als sie in die Küche eintrat, blickte Salka kaum auf. „Hast du dich endlich entschieden?" fragte sie nach einem kurzen Schweigen. „Jawohl", rvar Zillahs kampfbereite Antwort; „ich gehe fort von hier." „Ich wußte cs; Arons Vater besteht ja darauf, daß ihr nach der Hochzeit in seinev Nähe wohnet." „Arons Vater? Ich gehe nicht mit Aron fort — ich gehe mit dem Polizei-Kommissar", sprach sie eisig, gefaßt, als sie Salkas Bestürzung bemerkte; „der Mann, den du neulich im Laden gesehen. Heute nachmittag bat er mich, ihn zu heiraten. Ich sagte ihm zwar, daß ich mir die Sache überlegen will, aber er weiß jetzt schon ganz gut, wie meine Antwort ausfallen wird. Und nun, da du es weißt, kannst du ja zur Mutter laufen, um sie^mit dieser Neuigkeit auf der Stelle zu töten." , Der schwere silberne Schöpflöffel in Salkas Händen siel zur Erde pnd blieb da geknickt uyd verbogen lügen. Zu gleicher Zeit entrang sich ein kurzer, scharfer, unartikulierter Aufschrei ihren Lippen. Zillah beachtete es nicht; die eisige Ruhe.verließ sie nicht; umständlich setzte sie sich hin, und ohne eine Spur von Aufregung strich sie eine Haarivelle zurück, die sich gelöst hatte. Salka erstarrte; sprachlos, wie gelähmt stand sie da! Ihre Schwester Zillah,-ein jüdisches Mädchen, mit dem Kommiffar! Herr, Gott, wirst du diesen Frevel zugcben? Arme Eltern! Werdet ihr dieses Unglück, diese Schande überleben? Anne Mutter, wird dir dieses nicht den Todesstoß versetzen? Guter Vater, wird nicht-dieses dein gutes, treues Herz vor der Zeit brechen? Armer Aron, wirst du diesen schnöden Verrat überwinden? — Salka unterbrach plötzlich diesen ihren Gedankengang, um einer leisen, inneren Stimme zu lauschen —.— zu den Worten, die ihre Schtvester soeben gesprochen, mischten sich noch andere hinzu. Anfänglich nur schwach, kaum vernehmbar, wie aus lvciter Farne, nur ein undeutliches Ahnen; -dann aber rückte es immer näher; es wurde greifbarer, essonnte sich zu einem bestimmten festen Klang, bis cs hell und laut tönte: „Aron ist ftei — Aron ist frei!"