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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-06-18 · 56 (18.6.1920) · p. Seite 272

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
56 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
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Die K-teitasche. UÜUI tJ ~ :üuq. . _t . ujeiLKJCirw.»;„-> Wir bitten die verehelichen Vereine und Berichterstat- - ter dringend, ihre Berichte auf daS Wesentlichste zu beschränken. Die durch die allgemeine Papiernot notwendig gewordene zeitweise Einschränkung unseres Blattes macht diese Bitte verständlich. Köln. Herr Hermann Levy in Hennef a. d. Sieg erhielt auf eine Beschwerde bei der Eisenbahndirektion den Bescheid, daß diese das Bekleben bet Abteile mit antisemitischen Hetzblättern aufs schärfste verurteile und alle Maßnahmen zur Verhinderung treffe. Köln. Es besteht die Gefahr, daß die hiesige jüdisch c V o l k s s ch u l e ihr seit 1917 bezogenes Heim in der Lützowstraßc twrliert, das einer anderen Schule zugewiesen tverden soll. Tie Repräsentantenversammlung hat dagegen in der Sitzung vom 27. Mai schärfste» Protest eingelegt und den Vorstand der Gemeinde aufgerufen, mit allen Mitteln einzutreten, daß die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht verkürzt werden. Duisburg. Tie I ü d i s ch e A r be'i t e r f ü r s o r g estrlle versendet ihren Bericht fuk den Monat Mai, aus dem ihre außerordentlich segensreiche Tätigkeit hervorgeht. Von 177 Gemeldeten, von denen 140 allein aus Polen ivaren, wurden 107 untergebracht, darunter 44 im besetzten Gebiet, die übrigen im Industriegebiet. Die Unterstützungssumme für Arbeitslose im Mai betrug 10 000 M., es wurden 1826 Eßkarten ausgegeben. Erfreulich ist ein Erlaß des Reick>samts für Arbeitsvermittlung, in dem es^ beißt: „Tic Notlage der ostjüdischcn Einwanderer wird anerkannt; ebenso, bftft die Fürsorge für sie nur von einer Organisation ausgeübt loerbcn kann, die mit der Sprache nnd Eigenart des PolksstammeS vertraut ist. Sie wird deshalb rr-citerhin gemäß des Erlaßes des Ministeriums des Innern vom 1. ^1. 1919 dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdisci)en Organisationen Teutschlands und seinen angeschlosicnen Stellen (für Rheinland-Westfalen der Arbciterfürsorgestelle Tuisburg) obliegen müssen." Nach Befriedigung des Bedarfs an deutsclM Arbeitern sollen künftig nach Abmachung mit dem Reichsamt die ostjüdischen Flüchtlinge berücksichtigt werden. Leider entspricht das Verhalten der örtlichen Polizeiorgane nicht inuner dieleinTEnigegenkoinnien. Gewarnt wird vor der wahllosen :)uschickuug der Flüchtlinge durch l»ie Gemeinden. Diese' hätte nur dann Sinn, ivennihr eilte starke inaterielle Unterstützung der Fürsorgestelle seitens der Gemeiirden cntspräckre, N'as leider nicht der Fall ist. Es ist dringeird erwünscht. daß das Duisburger jüdische Arbeitsamt von allen Seiten mit Ekldmitteln versehen wird, um so mehr, als die Gemeinden durch die restlose Unterbringung der Arbeiter-groß? Erspar ui sie anTurchreisegeldern machen würden. Düren. Hier ist ein Zionrftisciier Starmntisch/begründet worden, der jeden Samstag abend tagt. An der Spitze steht Eand. med. Lcveii. . Bonn. Am kommenden Sonntag findet in der hiesigen Realschule die diesjährige öffentliche Prüfung der Religionsschüler statt, zu der der Vorstaird der Shnagogengcmeinde (siel>e Inseratenteil) cinlädt. Es ist wünschensivert, daß ftitens der Eltern und Angehörigen von dieser Einladung Gebrauch gemacht wird, da das Interesse der Eltern an den Fortschritten der Kinder den Eifer derselben »ui anspornen und das Gemeinschaftsgefühl der Gemeinde nur stärken kann. Bonn. Tie z. Zt. im Schauburg-Theater auftretende spanisckie Tänzerin Pepita von der Opera comique in Paris ist Jüdin. Ter Umstand, daß es sich hier um eine besonders hervorragende Künstlerin handelt, veranlaßt unS, unsere Bonirer Leser auf das Schauburg-Programm im Anzeigenteil besonders aufmerksam zu machen. . Auch rin Erlöser. In der hebräischen ,Hazfiiroh" erzählt der bekannte hebräische Schriftsteller Reuben Bräinin eine amüsante Reminiszenz, die für die Strömungen um daS Ende des 19. Jahrhunderts mehr wie bezeichnend ist. Es war in Wien. Brainin saß in einer Gesellschaft, in der sich auch ein christlicher Herr befand, als ein aalizischer Jude, ärmlich gekleidet, blaß und blutlos, gebückt und gedrückt in sein Zimmer trat und ängstlich nach ihm fragte. Zum Reden ermutigt, trat er endlich mit seitrem Wunsche hervor. Vielleicht, bat er, könne der Schriftsteller, der seinen Wohnsitz in Berlin hatte, ihm dort eine Stelle, ein Amt verschaffen. „Was für ein Amt?" „Am liebsten", ging der Fremde etwas mehr aus sich heraus, „das Amt eines Totenwächter-. Die Toten, die wirklich Toten auf dem jüdischen Friedhof zu hüten, dafür fühle ich mich außerordentlich geeignet. Sic werden zufrieden mit mir sein ..." - „Wen die Toten . . .?" „Nein, die Lebenden. Die Vorsteher des „heiligen Vereines", antwortete der Fremde arglo-, ohne auf die Ironie zu reagieren. „Und warum denn gerade als Totenwächter?" „Ganz einfach, weil ich, um die Wahrheit zusagen, mich-für etwas anderes kaum eigne. Ich verstehe weder irgend ein« nichtjüdische Sprache, noch kann ich rechnen, wie ich überhaupt in allen tveltlichen Dingen vollständig unkundig bin. Wohl kenne ich genau den Talmud und die anderen Werke um ihn herum, auch kenne ich mich ein wenig in der jüdischen Philosophie aus, wie in den Büchern de- , „Rambarsi", Jkknmtt und „Ralbag", aber damit kann man leider keine Geschäfte machen . . ." „Und mit diesen Kcnntnisien, in dieser Aufmachung, ohne Geld und Kleid wollen Sie nach Berlin?" „Für djx. Toten genügt es vollkommen . . . Handelte es sich darum, Gcldkasiemattcn zu bewachen, so wäre ich zu klein, zu schwach. Ich tät es auch um keinen Preis der Welt . . . Denn wie könnte ich es über mich bringen, hier das^gte-Goldzwchüten, indeß draußen die^ Armen und_ ^Elenden darben und zugrunde gehen? Allein Tote hüten, ANisAst mciil"Fach . . . Die holt mir keiner weg. Die bleiben schon ruhig in ihrem Sarge und ich kann inzwischen — ungestört in mein Buch einsehen . . . Die Toten lachen auch nicht über meinen langen, zcrrisicncn Rock und meine schlechte Sprache . . ." . „Haben Sie denn jetzt gar keinen Ertverb?" „Gewiß habe ick einen, ich hausiele nuUDrflnftfit und - -wbt?iTeT>aoet l8 Gulden im Monat." „Und das reicht Ihnen zur Lebenshaltung?" (Fortsetzung folgt.) Jüdische Wcltpolitikcr Folgende neun Namen jüdischer Weltpolltiker sind so unter»' einander, Borname unter Borname und Nachname unter Nachname, zu ordnen, daß |( eln Buchstabe der Bornamen von oben nach unten, der Nachnamen von unten nach eben geles.n, ein hrbrStscheS Wort jüdischer Brüderlichkeit ergeben, 1. Chajim Wetzmann 2. LoutS Brandet» S. Claude Montrfiore 4. Schema,ja Lewin 5. Lucien Lewis 6. Charles Hallgartrn 7. Henry Moracnthau 8. Jakob Sch ff ■ 9. Theodor Herzl.

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